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Der 24jährige Oliver verbringt den Sommer bei einer Familie in Italien, um dort in Ruhe an seinem Manuskript zu arbeiten. Elio, der Sohn des Hauses, ist von Anfang an gebannt von dem sieben Jahre älteren Studenten und kann es nicht lassen, immer wieder seine Nähe zu suchen. Doch der scheint ihn absichtlich auf Distanz zu halten.
Mit seinen Gefühlen überfordert taumelt Elio durch den Sommer, bis Oliver sich schließlich von einer anderen Seite zeigt. Die beiden Männer beginnen eine zarte, aber auch leidenschaftliche Liebelei, deren Ausgang stets im Dunklen liegt – bis zu dem Tag, an dem Oliver wieder in die Staaten fliegt…

Ich muss gestehen, dass es mir ein bisschen schwer fiel, mich in die Materie einzulesen. Nicht wegen der Thematik, sondern weil das erste Drittel des Buches hauptsächlich in Elios Gedanken- und Gefühlswelt spielt. Die ist zum einen etwas wirr und zum anderen manchmal sehr ausschweifend. Der Leser wird sofort in Elios Innenleben geworfen und bekommt die äußeren Geschehnisse nur häppchenweise serviert, fast so, als würde man vom Meeresgrund langsam an die Oberfläche tauchen, anstatt andersrum.
Nach diesem Abschnitt entwirren sich die Fäden jedoch langsam und die Handlung nimmt ihren Lauf. Wo zu Beginn verhältnismäßig wenig passiert, häufen sich nun die Ereignisse, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren. Man spürt die italienische Sonne auf der Haut, kann das Meer riechen und zugleich Elios Verzweiflung mitfühlen.

„Ruf mich bei deinem Namen“ ist ein sehr sinnliches Buch. Mit etwas Phantasie kann man es riechen, schmecken und auch ertasten, was einen sehr intensiven Eindruck hinterlässt. Die Liebe mit all ihren Facetten wird hier auf nackte, unverblümte Weise dargelegt. Ebenso spielen Verlust und Erwachsenwerden eine große Rolle.

Im Nachhinein habe ich es nicht bereut, dieses wunderbare Buch nach dem wirren Anfang weiter zu lesen und wurde gefangen genommen von den großen Gefühlen und schönen Bildern. Zu Tränen gerührt hat es mich nicht und ich fand es auch nicht traurig, weil die Aussage des Buches für mich eine sehr schöne ist: Wenn du im Leben jemanden findest, mit dem dich etwas ganz Besonderes verbindet, dann halte an dem, was ihr habt, fest – weil es dich warm macht, ohne zu zerstören.
Empfehlenswert!

© Ada Mitsou

284 Seiten / 18,90 € ~ Kein & Aber (1. März 2008) ~ ISBN: 3036955151

Informationen zum Autor (Quelle: Kein & Aber)

André Aciman wurde 1951 in Alexandria, Ägypten, geboren. Nach einigen Jahren in Rom ließ er sich 1969 in New York nieder, wo er mit seiner Frau und seinen Kindern lebt. Aciman ist Romanautor, Essayist und Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft. Er gehört zu den führenden Proust-Spezialisten.

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