Schlagwörter
Buchbesprechungen, Kritiken, Literatur, Meinung, Online, Rezensionen, Stellenwert, Umfrage, Zeitung
Per Zufall bin ich heute auf ein Interview mit Iris Radisch bei der Internetpräsenz der Basler Zeitung gestoßen. Die ZEIT-Redakteurin und Moderatorin der Literatursendung “Literaturclub” (SF) beantwortet darin Fragen zu ihrer Literatursendung im Speziellen, aber auch zu Literatur im Fernsehen im Allgemeinen. Aktuell ist das Interview sicherlich nicht mehr, da es Anfang 2009 geführt wurde, doch während des Lesens bin ich auf eine Aussage gestoßen, die mich zum Nachdenken angeregt hat:
BZ: [...] Sind Internet-Kritiker eine Konkurrenz für Zeitungskritiker?
I.R.: Mir selber sind Internet-Kritiken nicht fundiert genug. Ihnen fehlt die professionelle Basis von Wissen und Erfahrung, um Bücher in einen kulturhistorischen oder aktuellen Kontext stellen zu können. Solche Internet-Kommentare sind blosse Geschmacksurteile. Völlig subjektiv. Mir würde das nicht reichen, aber das letzte Wort hat der Nutzer. Zurzeit gibt es keine Indizien, dass Internet-Kritiken uns schaden würden.
Das ist in diesem Fall natürlich die ganz persönliche Meinung von Frau Radisch, allerdings stelle ich in Frage, ob Internetkritiken in der heutigen Zeit wirklich einen so verhältnismäßig geringen Wert haben und der Vorwurf bezüglich mangelnder Qualität gerechtfertigt ist.
Ich lese ab und zu gerne Zeitungskritiken und staune nicht selten über die vielschichtigen Sichtweisen der Kritiker. Andererseits fühle ich mich von derart wissenschaftlichen Blickwinkeln selten berührt.
Das Lesen eines Buches, einer fiktiven Geschichte ist für mich untrennbar mit Emotionen verbunden. Ein Roman besteht nicht nur aus aneinandergereihten Wörtern, Satzkonstruktionen und guter Recherche. Diese Aspekte sind für mich nur die Mittel, die dazu dienen, das zu transportieren, was einen Roman ausmacht: Den Inhalt und dessen Wirkung auf den Leser.
Ich möchte das Handwerk des Schreibens an dieser Stelle nicht abwerten. Ohne guten Stil ist auch der interessanteste Inhalt nicht überzeugend und eben jenes banal klingende Aneinanderreihen von Wörtern ist eine Kunst für sich, doch es gibt in meinen Augen noch viel mehr als das.
Genau dieses “Mehr” – die im Leser ausgelösten Gefühle, der Denkanstoß, der dadurch in Gang gesetzt wird, der unbändige Wunsch über das soeben Gelesene zu diskutieren oder sich über die Hintergründe zu informieren – vermisse ich bei Zeitungskritiken oft. Während diese meist ein wenig distanziert und elitär wirken, machen gerade die “Geschmacksurteile”, die Radisch kritisiert, die Besprechung eines Buches für mich lebendig. Sie laden dazu ein, sich nicht nur mit dem Geschriebenen und dessen kulturhistorischem oder aktuellem Kontext auseinanderzusetzen, sondern vor allen Dingen auch mit der Meinung anderer Leser, die ähnlich oder auch vollkommen anders empfinden.
In diesem Sinne halte ich die Gegenüberstellung von Zeitung und Internet für einen schlechten Vergleich. In meinen Augen stellen beide Formen einen wichtigen Bestandteil der Literaturkritik dar. Das eher wissenschaftlich geprägte Auseinandernehmen eines Romans und die subjektiven Meinungen bezüglich der Wirkung ergänzen sich auf bereichernde Weise. Das Zurateziehen unterschiedlichster Meinungsformen eröffnet einem neue Perspektiven und bietet die Möglichkeit sich ein ganz persönliches, vielseitiges Bild von einem Buch zu machen, das man eventuell kaufen möchte.
Kann dann eine dieser Formen weniger wert sein? (Sofern es sich bei den Onlinekritiken nicht um Ein-Satz-Kommentare ohne Gehalt oder manipulative Deckmantelrezensionen handelt.)
Wie steht ihr dazu?
Lest ihr gerne Zeitungskritiken? Nehmen diese für euch einen höheren Stellenwert ein als z.B. eine Leserkritik auf einem Blog oder diversen Literaturportalen? Welche Macht schreibt ihr Onlinekritiken zu? Und welche Form der Rezension erreicht eurer Meinung nach mehr interessierte Leser?
Ich bin sehr gespannt, was ihr dazu zu sagen habt!
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Links zum Thema:
Sigrid Löffler über Netz-Rezensionen und Service-Journalismus
Simone Schwalm über Selbstprofilierung im Internet durch Literaturkritik
Spiegel Online über die Manipulation durch Internetrezensionen
Also zumindest dem Kritikpunkt, Blogger wären grundsätzlich nicht in der Lage, Literatur in ihren kulturhistorischen oder aktuellen Kontext zu stellen, möchte ich entschieden widersprechen. Es gibt etliche Akademiker (mich eingeschlossen) oder sonstwie gebildete/intelligente Menschen, die sicher ein fundiertes kulturhistorisches, literaturwissenschaftliches usw. Wissen mitbringen und das auch in ihre Buchbesprechungen einfließen lassen. Aber ganz ehrlich: ist es überhaupt das, was eine gelungene Rezension ausmacht? Kommt es nicht auch immer auf das besprochene Genre an, darauf, welcher Leser eine Rezension mit welcher Erwartungshaltung und Absicht konsumiert?
Die gute Dame soll sich mal warm anziehen und einen Blick über den Atlantik werfen ;)
Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt: Was macht eine gelungene Rezension eigentlich aus? Vor allen Dingen im Hinblick auf den ganz gewöhnlichen Leser, der letztlich zum größten Teil die Verkaufszahlen beeinflusst.
Ich sehe das wie du und denke, dass beides seine Daseinsberechtigung hat. Ich persönlich denke bei vielen “professionellen” Kritiken allerdings oft, dass es sich letztlich um aufgebauschtes Geschwätz handelt. Unter all den schönen Worten steckt nicht selten wenig Aussage, wenn man es denn geschafft hat, den wissenschaftlichen Code zu entziffern. Denn häufig denke ich, da wird von Wissenschaftlern für Wissenschaftler geschrieben, der “normale” Leser kann da nicht immer was mit anfangen. Das hat mich im Grunde im Studium schon genervt. Ich persönlich bevorzuge begründete Geschmacksurteile, das sage ich ganz ehrlich – und das als Literaturwissenschaftlerin. ;)
Ja, dieses Gefühl kenne ich. Man kann natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber es gab auch schon viele Zeitungskritiken, bei denen ich nach dem Lesen dachte: Gut, das waren nun viele hochtrabende Worte, doch im Endeffekt weiß ich nun auch nicht mehr als das, was bereits auf dem Klappentext steht. Das sind dann im Grunde nur Inhaltsangaben, die umständlicher verpackt wurden.
Andererseits gibt es sowas natürlich auch im Netz, wo sich ein “Rezensent” zeilenlang über den Inhalt eines Buches auslässt, dessen Beurteilung dann jedoch nicht mehr als zwei, drei Sätze umfasst, denen noch dazu die Aussagekraft fehlt.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich Zeitungs- und Onlinekritiker lediglich durch die Wortwahl unterscheiden, wobei erstere wesentlich sprachgewandter wirken und es dem Laien deswegen weniger auffällt.
Die Radisch hat doch Recht! Die meisten Internetkritiken sind unprofessionell und subjektiv. Na und? Das ist (noch) keine Wertung. Ihr ist das nicht genug, ihre Sache. DAS ist nämlich ihre subjektive Meinung dazu. ;-)
Ich weiß viel mehr, als ich in meinen Besprechungen schreibe, ich gehöre ja auch zu den bloggenden Akademikern. Ab und zu stelle ich einen Zusammenhang her, je nach Laune. Ich will das so. Und die anderen Blogger oder Amazon-Rezensenten oder Vorablesen-Kritiker oder was auch immer wollen das auch so. Das ist unser Recht, basta. (Dass es mir nicht gefällt, wie sehr das Internet mit kritiklosen Lobhudeleien überschwemmt wird, ist eine andere Geschichte.) Ich genieße es als Blogger, mich eben nicht an starre Regeln halten zu müssen.
Mir passt dieses Gegeneinander-Ausspielen allerdings überhaupt nicht. Ein Blogtext ist kein Zeitungsartikel, und unterliegt daher anderen Kriterien.
Im Grunde unterstreichst du damit meine Meinung, die ich oben kundgetan habe. Ich denke auch, dass man beide Formen nicht miteinander vergleichen kann oder gegenüberstellen sollte, doch auch wenn es Frau Radischs persönliche Meinung ist, so ist sie nicht die einzige Literaturkritikerin, die den Onlinerezensenten ihre Fähigkeit, kritisch und fundiert zu urteilen, abspricht. Genau das ist mir aber zu pauschal und in einigen Fällen auch nicht gerechtfertigt.
Hmmm. Das klingt so, als ob du davon ausgehen würdest, dass der Großteil der Online-Rezensenten gut ist. Und das stimmt mE nicht. Ich behaupte ja nicht, den großen Überblick zu haben, dennoch: Ich verlinke andere Besprechungen, und ich merke sehr stark, dass ich immer wieder die gleichen Blogs auswähle, weil die anderen einfach nicht genug Substanz haben. Eine Inhaltsangabe, vielleicht noch vom Verlag abgeschrieben, und dazu ein “war super” – davon hat keiner was.
Wobei ich allerdings auch in den Printmedien die unveränderten, maximal gekürzten, Verlagstexte finde. Professionelle Kritik bedeutet nicht per se Qualität. Ich hab mich oft genug geärgert… zB, dass beim Debut von Julya Rabinowich nichts, nichts zur literarischen Qualität (die herausragend ist) gesagt wurde, sondern nur ihre Migrationsgeschichte abgehandelt wurde. Das ist einfach nur peinlich.
Nein, nein, ich bin mir schon im Klaren darüber, dass es Unmengen an Onlinerezensionen gibt, die flapsig runtergeschrieben sind, wenig Gehalt haben und zumeist nur aus zwei, drei äußerst subjektiven Kommentaren bestehen.
Doch ich finde auch immer wieder Rezensionen, die in meinen Augen wohl durchdacht, anspruchsvoll und durchaus fundiert wirken. Diese werden bei der ganzen Diskussion jedoch oft unter den Teppich gekehrt, was ich persönlich sehr bedauerlich finde.
Mir gefällt es einfach nicht, dass in der Öffentlichkeit (in diesem Fall durch professionelle Literaturkritiker) alle über einen Kamm geschert werden und die Schwemme der substanzlosen Kritiken die der durchaus fundierten so in den Schatten stellt.
Onlinerezensenten werden ihre Fähigkeiten oft pauschal abgesprochen. Schaut man sich um, findet man kaum jemanden, der auch positive Worte dazu findet. Und das ist mir zu undifferenziert.
Literaturblogger so per se abzuurteilen, finde ich ehrlich gesagt ganz schön dreist, erstaunlich kurzsichtig und so gar nicht zeitgemäss. Und ich glaube, Ihr habt einen ganz wesentlichen Unterschied bislang vergessen: während der professionelle Zeitungskritiker dafür entlohnt wird, von einem Arbeitgeber abhängig ist und sich daher vermutlich auch nach Vorgaben richten muss, rezensieren Blogger freiwillig, unabhängig, in ihrer Freizeit, aus Liebe zum Buch und damit eben auch aus einer Perspektive, die einem selbst als Leser meist deutlich näher ist. Und ich persönlich weiss genau diese Motivation tatsächlich viel mehr zu schätzen als bedeutungsvolles wissenschaftliches Brimborium – letztlich geht es ja darum, herauszufinden, welche Bücher einen selbst berühren, nicht loslassen, zum Lächeln und zum Weinen und zum Lachen bringen und auch mal eine ganze Nacht wachhalten.
Da sind wir einer Meinung :)
Es kommt darauf an.
Ich habe gestern einen Krimi rezensiert und fand es erstaunlich, was der Lektor Volker Neuhaus aus dem Buch im Nachwort rausholen konnte, während mir dazu nur ein paar inhaltsleere Zeilen einfallen.
Und dann gibt es Bücher, bei denen schreibe ich relativ lange Artikel, kann mit den Bücher persönlich viel anfangen und setze sie in Verbindung zu meinem persönlich Umfeld. Das zu beschreiben, was ein Buch für einen persönlich bedeutet und was es auslöst, kann keine professionelle Literaturkritik leisten. Leider ist mir auch kein weiteres Blog bekannt, welches dies noch macht.
Oft breche ich gerade die Artikel in der FAZ ab, weil die mir zu kopflastig sind bzw. oft zu abschweifend. Ich erinnere mich an eine Filmkritik (bei Büchern ist es genauso) zu dem Film *Der Schwimmingpool* in dem die Kulturgeschichte des Schwimmingpools abhandelt wurde, nur über den Film stand dort nichts. Dennoch sehe ich immer wieder das Feuilleton der FAZ / SZ / Zeit durch, weil dort höherliterarische Bücher besprochen werden als in Blogs.
Bei der Aussage, dass Blogger nicht in der Lage wären, die Bücher entsprechend ihrer kulturhistorischen Bedeutung einzuordnen, konnte ich vor so viel Arroganz nur den Kopf schütteln. Ich z.B. habe u.a. Geschichte / Kunstgeschichte studiert und fühle mich durchaus in der Lage, ein historisches / historisierendes Buch entsprechend einzuordnen.
Hier verstehe ich nicht ganz, was du meinst:
>>Und dann gibt es Bücher, bei denen schreibe ich relativ lange Artikel, kann mit den Bücher persönlich viel anfangen und setze sie in Verbindung zu meinem persönlich Umfeld. Das zu beschreiben, was ein Buch für einen persönlich bedeutet und was es auslöst, kann keine professionelle Literaturkritik leisten. Leider ist mir auch kein weiteres Blog bekannt, welches dies noch macht.<<
Was genau findest du bei anderen Blogs nicht? Die Verbindung zum persönlichen Umfeld?
Ja, genau, die Bewertung, was das Buch für einen persönlich bedeutet.
Was für mich das eigentlich Spannende aun Laienrezis ist.
Ich kann Iris Radisch in dieser Hinsicht fast vollkommen zustimmen. Ich schätze die Literaturkritik großer deutschsprachiger Zeitungen sehr. Auch mir sind Weblogs oft zu oberflächlich. Subjektivität ist kein kein Manko. Man findet sie sowohl in der gedruckten Kritik als auch in Blogs. Aber einen Verriss oder ein Lob nur mit dem persönlichen Geschmack zu begründen reicht oft nicht aus.
Die entscheidenden Unterschiede sind für mich folgende: Literaturkritiker in Zeitungen haben eine bestimmte Qualifikation: Sie haben die nötigen Schreibfähigkeiten und eine gewisse Kenntnis von Literaturgeschichte und -theorie. Bloggen kann jeder. Außerdem bietet eine Zeitung nur begrenzten Platz für Rezensionen. – Während man über jedes noch so unbedeutende Buch einen kurzen oder langen Kommentar auf seinem Blog hinterlassen kann, treffen Zeitungen eine Auswahl und nimmt sich das Recht heraus zu sagen: Es gibt auch Bücher, die es nicht wert sind in unserer Zeitung Beachtung zu finden.
Nichtsdestotrotz haben natürlich Literaturblog und auch die herkömmliche Literaturkritik ihre Existenzberechtigung.
Was Frau Radisch allerdings nicht beachtet, ist der schwindene Einfluss der Literaturkritik insgesamt. Vergleicht man die heutige Situation mit der vor einigen Jahren, muss man feststellen, dass viele Leser das Feuilleton herzlich wenig interessiert. Außerdem beachtet sie nicht, dass die Grenzen immer mehr verschwimmen. Viele Zeitungen bloggen doch selbst oder haben zumindest viele Artikel online. Der Perlentaucher ist zu einer festen Größe in der Literaturkritik geworden.
Ich werde wohl, wie auch heute schon, künftig Print- und Onlinekritik lesen. Bei beidem breche ich regelmäßig nach einigen Sätzen ab oder bin am Schluss begeistert.
Die Frage ist, was nützt dem gemeinen Leser mehr: Eine Kritik, die durch Sprachfertigkeit und literturwissenschaftliches Wissen glänzt oder Kritiken, in denen auch die Vorlieben des jeweiligen Rezensenten durchschimmern?
Ich spreche hier nicht von Aussagen wie “Tolles Buch, ich musste die ganze Zeit lachen!” oder “Oh, das Buch ist so traurig, dass ich oft die Tränen verdrücken musste!”, sondern von einer wohldosierten Mischung aus Objektivität und subjektivem Empfinden.
Literaturwissenschaftlich geprägte Kritiken wirken oft sehr distanziert und bieten dem Leser weniger Identifikationsmöglichkeiten mit dem Rezensenten. Anders verhält es sich da mit Lesern, die ein Buch auf persönlicherer Ebene besprechen und somit mögliche Berührungspunkte anbieten.
Eine Christine Westermann oder Elke Heidenreich vermag den gemeinen Leser wahrscheinlich besser zu erreichen als der professionelle Kritiker namenhafter Tages- und Wochenzeitungen.
Doch in diesem Zusammenhang stellt sich wiederum die Frage: Für wen werden solche Kritiken eigentlich geschrieben und was sollen sie bewirken?
Wie ich schon sagte: Meines Erachtens sind auch die literaturwissenschaftlich fundiersten Kritiken aus Printmedien oft recht subjektiv und zeigen den persönlichen Geschmack des Rezensenten. Nur wird versucht das objektiv zu begründen.
Ich halte es übrigens für ebenso pauschalisierend von Frau Radisch, dass hier in den Kommentaren immer wieder davon gesprochen wird, dass bei Bloggern die Liebe zum Buch entscheidend sei. Ich denke nicht, dass man den herkömmlichen Literaturkritikerin eine emotionale Bindung zur Literatur abstreiten kann.
Und nun zu deiner abschließenden (und auch einleitenden) Frage: Für wen werden solche Kritiken geschrieben? Was ist der Nutzen für den gemeinen Leser?
Das ist ziemlich einfach: Es gibt keinen gemeinen Leser. Ich habe im vorherigen Beitrag bereits erwähnt, dass der Einfluss des Feuilletons stark abgenommen hat, was Verkaufszahlen anbelangt. Das der Kulturteil einer Zeitung häufig etwas elitär ist, weiß ich. An dieser Stelle muss ich sagen, dass mir das gefällt. Ich nutze ihn um mich darüber zu informieren, ob ein bestimmtes Buch lesenswert ist. Wenn ich lediglich auf der Suche nach Unterhaltung bin, brauche ich keine Rezension. Andere mögen für ihre eigenen Buchvorlieben eher auf Blogs zugreifen oder – das scheint mir die beste Lösung zu sein – auf beide Medien.
fairerweise muss man sagen, dass litblogs qualitätstechnisch sehr durchwachsen sind. es gibt blogger, die sich mit einem schlichten “ein bewegender roman” begnügen, und es gibt blogger, die ihre meinung zu einem buch nicht nur stilistisch ausgereift ausdrücken, sondern auch mit fachwissen unterfüttern. insofern trifft in einigen fällen die aussage zu, bloggern fehle die “professionelle Basis von Wissen und Erfahrung, um Bücher in einen kulturhistorischen oder aktuellen Kontext stellen zu können”. sie trifft aber nicht ausnahmslos zu.
die frage ist aber: für wen spielen internetkritiker keine rolle? für die “geistige elite”? für verlage sind bloggermeinungen durchaus von bedeutung. warum sonst verschicken sie rezensionsexemplare an “ungebildete” amateure? und für durchschnittsleser offenbar auch > siehe popularität bestimmert litblogs.
eine andere frage: erwarten blogleser rezensionen auf feuilleton-niveau? oder wollen sie eine persönliche und authentische einschätzung lesen? ich persönlich ziehe ehrliche und verständliche buchbesprechungen verklausulierten ergüssen professioneller kritiker oftmals vor. wenn diese buchbesprechungen auch noch schön formuliert sind, freut es mich doppelt.
letztendlich denke ich, dass beide medien/formen unterschiedliche bedürfnisse abdecken.
Interessante Frage, die du da aufgeworfen hast. Bei mir ist es sogar genau anders herum als bei Frau Radisch. Wenn ich mich über ein Buch informieren will, sind mir Internet-Kritiken in Blogs, etc viel wichtiger als jede Zeitungskritik (sofern sie, wie du schon geschrieben hast, nicht nur aus 3 Sätzen besteht o.ä.)
Was nützt es mir, wenn ein Buch hervorragend recherchiert und fundiert ist oder den besten Schreibstil überhaupt hat, wenn es aber nicht in der Lage ist mich zu fesseln oder zu berühren? Auf solche Aspekte gehen Zeitungskritiken für meinen Geschmack viel zu selten ein und, da stimme ich dir zu, der Schreibstil allein reicht einfach nicht für ein tolles Buch aus. Deswegen verlasse ich mich auf solche Kritiken sehr selten und bisher bin ich auch gut damit gefahren, man denke nur daran, wie sehr alle Helene Hegemann und ihr zu 90% gestohlenes Werk in den Himmel gelobt haben …
Und da war’s sogar ein Blogger, der die Parallelen entdeckt hat ;)
Aber das Thema Hegemann will ich lieber nicht neu aufrollen…
Das ist übrigens auch so ein Ding: Bücher sind einfach auch Geschmacksache und nur weil Zeitungskritiker ein Werk augrund diverser Kriterien in den Himmel loben, heißt das nicht, dass es anderen Lesern auch gefällt.
Aber nun interessiert mich auch, ob ihr einen professionellen Kritiker und seine Besprechungen besonders mögt? Wer ist in euren Augen gut? Gibt es da einen Namen, den ihr nennen könnt?
Ich glaub ja nicht, dass Iris Radisch das Thema richtig angeht, indem sie einfach pauschal zwischen Internet- und Printkritiken unterscheidet: Es gibt sowohl im Internet solche und solche Kritiken: Eine Zeit-Literaturkritik unterscheidet sich üblicherweise von einer Buchkritik in einer 0815-Tageszeitung ebenso wie die Kritiken zu gleichen Buch auf Blog A und B.
Es stimmt aber m.E. trotzdem, dass die Kritiken im Internet im Schnitt deutlich weniger fundiert sind als die in einem Zeitungs-Feuilleton. Tatsache ist aber ja auch, dass in Printmedien und Internet üblicherweise ganz verschiedene Bücher besprochen werden – und ein Liebesroman von Susan Mallery oder ein Fantasybuch von Patricia Briggs erfordern es gar nicht (zwingend), dass sie in einen kulturhistorischen oder aktuellen Kontext gestellt werden. Internetkritiken sind – ebenso wie die dazugehörigen Bücher – in den meisten Fällen einfach für eine andere Zielgruppe bestimmt als Bücher, die im Feuilleton besprochen werden, und insofern haben beide Formen ihre Existenzberechtigung. Ein Vergleich ist so unmöglich wie unsinnig.
Ich lese beides, allerdings sicherlich viel mehr Online-Rezensionen als solche in Zeitschriften/Zeitungen. So pauschal, wie Frau Radisch, würde ich es nicht sehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es unter den Bloggern auch Literaturwissenschaftler gibt, die beim Schreiben auf einem fundierten Wissen basieren, ihre Kritik jedoch viel lockerer gestalten als wenn sie für eine Zeitung schreiben würden. Man muss sich die Frage stellen, warum blogge ich – schreibe ich die Kritiken für mich, als Gedächtnishilfe sozusagen, oder für bestimmtes Publikum? In beiden Fällen würde ich davon ausgehen, dass fachliche Ausdrücke und literaturgeschichtlich begründete Interpretationen fehl am Platze sind. Der durchschnittliche Blogleser wird sicherlich etwas anders suchen als das oben genannte. Würde ich aber für eine Zeitung schreiben, würde ich sicherlich das ganze Repertoire an Konnotationen herausfahren.
Zweitens würde es mich interessieren wie viele Blogs sich Frau Radisch angesehen hat – ich vermute nämlich, dass sie auf halbherzigen Forumskommentaren o.ä. basiert. Um sich hier einen Urteil zu erlauben, müsste man die Blogszene genau kennen lernen.
Und drittens – ja ich lasse mich von Blogger dazu verführen dies oder jenes Buch zu lesen. Es gibt eine gewisse Anzahl von Blogs, die ich lange lese, ich kenne den Geschmack der AutorInnen und kann mich auf die Empfehlung veralssen.
Liebe Grüße!
Liebe Ada,
danke für das spannende Thema, mit dem ich mich gerade ebenfalls befasse. Vordergründig geht es um die literarischen Review-Blogs, aber genau diesen Aspekt habe ich miteinfließen lassen, weil er wichtig und – wie gesagt – spannend ist.
Man kann die beiden Rezensionsformen nicht miteinander vergleichen. Ich komme ja selbst aus der großen, schnellen Zeitungswelt. Ich kenne das Feuilleton und die Menschen, die dort drinnen sitzen. Mir sind auch die hohen Ansprüche einer Zeitung an diesem Ressort bekannt. Selbst als Volo hat man es oft sehr schwer, dort hinein zu kommen. (Man durchläuft während des Volontariats mehrere Ressorts.)
Wie kunstgriff bereits erwähnt hat, haben beide verschiedene Ursprünge. Journalisten sind durch eine Ausbildung (Universität, Journalistenschule, Volontariat) gegangen und verfügen über eine jahrelange Schreibpraxis, das darf man nicht unterschätzen. Blogger schreiben aus einem anderen Bedürfnis heraus, aus einer Liebe zu den Büchern. Sie wollen das Glück teilen und hinaustragen. Das sind zumindest meine eigenen Ansprüche. Bücher inspirieren mich zu meinen Texten. Und wie Iris ebenso bemerkt hat, bekommen die einen Geld dafür und die anderen nicht. Aber dafür gibt es doch hier und da auch Leseexemplare, werden jetzt einige sagen. Die gibt es auch für die Journalisten (ohne, dass sie es übrigens erwähnen).
Die einen kommen von außen, die anderen sitzen drinnen und sprechen so zu den Lesern, auf eine besondere Art. Eben dieser Punkt ist wichtig. Das Persönliche ist es, was die Verlage schätzen, also die, mit denen ich gesprochen habe.
Sicherlich gibt es unter den Blogs Unterschiede wie bei den Zeitungen. Mittlerweile existieren unzählige Literaturblogs in der Netzwelt, dass ich mich freue, meine Lieblinge bereits gefunden zu haben, bin dennoch für neue Entdeckungen offen. Jene Vielfältigkeit finde ich bei Kritiken in Zeitungen gar nicht.
Ich persönlich bin aber eine große Freundin von den Besprechungen in der SZ und schlage die Seite immer als erstes auf. Manchmal bin ich begeistert und manchmal nicht.
Nicht jede Rezension ist fantastisch und reißt mich mit. Das kommt auf den jeweiligen Redakteur und die Schreibe an. Missen möchte ich diese Rezensionen ebenso nicht wie die aus dem Internet.
Was mir auffällt, ist, dass die Internet-Literatur-Blogger meist Frauen sind. Stimmt das? Oder bewege ich mich nur in einem Kosmos aus Frauen und es gibt mehr Männer, die ich bisher nur nicht wahrgenommen habe?
Herzlichst,
Klappentexterin
Puh, eigentlich kann ich mich vielen Meinungen nur anschließen :-)
Ich gebe offen zu, dass meine Rezensionen qualitativ sehr schwanken und sicher keinen Vergleich mit Zeitungsartikeln überleben würden. Aber das sollen sie auch nicht. Lesen ist eine Art Hobby für mich und ich möchte gerne meine Eindrücke mit anderen Menschen teilen und über meine Meinung diskutieren. Dafür eignet sich die Onlinewelt hervorragend.
Aber man darf nicht vergessen, dass die meisten Blogger auch noch ein reales Familien- und Berufsleben haben.
Auf der anderen Seite finde ich immer wieder Blogs, deren Qualität einfach hervorragend ist. Die Autoren beherrschen sprachliche Kniffe, vor denen ich oft den Hut ziehen muss. Dann frage ich mich schon das ein oder andere Mal, ob ich nicht lieber mit dem Bloggen aufhören sollte, weil ich diese Qualität wohl nie erreichen werde.
Zum Ende noch etwas zu den Zeitungen. Ich lese gerne “professionelle” Rezensionen. Sie eröffnen meist neue Horizonte, die ich so nicht wahrgenommen hatte. Zudem werden auch oft Bücher besprochen, die nicht sehr häufig in der Blogger-Welt auftauchen.
Liebe Grüße und ärger dich nicht! :o)
Charlene
Zum Thema Bloggen oder nicht Bloggen:
Ich denke, das ist wie mit Zeitungs- und Bloglesern: Die einen bevorzugen qualitativ hochwertige und sprachlich ausgereifte Rezensionen, andere wiederum wissen eher die subjektiven Meinungen in Umgangssprache zu schätzen.
Ich weiß nicht, wie hoch dein Anspruch an dich selbst ist, doch wie du sagtest, ist das Lesen und darüber Schreiben ein Hobby für dich, das dir Freude bringt. Allein diese Freude ist es doch eigentlich schon wert, dem Bloggen nachzugehen und solange es Leser gibt, die deinen Blog gerne besuchen und sich an dem, was du tust, erfreuen, lohnt sich in meinen Augen der Aufwand.
Das schöne am Internet ist eben auch, dass sich für jeden Geschmack die passende Nische findet.
Ich glaube, wenn der eigene Anspruch so oder vielleicht sogar zu hoch ist, dann macht man sich das Bloggen selber schwer, sofern einem die Gabe des profesionellen Schreibens nicht in die Wiege gelegt wurde oder man bereits hart daran gearbeitet hat.
Ich finde eine gesunde Portion Ehrgeiz sehr gut, doch wenn man sein Augenmerk zunehmend darauf legt, sich mit anderen zu messen, dann verbaut man sich die Chance, sich selber auszuprobieren.
Wie wortlandschaften anmerkte, wird es immer jemanden geben, der etwas besser kann; das heißt aber nicht, dass man selbst nicht auch gut ist in dem, was man tut.
liebe ada,
who cares about iris radish? ;-)
vor einigen monaten gab es bei heise (telopolis) schon einmal so ein pamphlet gegen uns amateurbuchbesprecher.. die leute fürchten einfach um ihren einfluss bzw. diese herabwürdigung ist ein zeichen dafür, daß wir gut sind und gute arbeit leisten. denn auch bei uns bloggern setzen sich letztlich die durch, die einen gewissen anspruch erfüllen. buchblogs, auf denen nur klappentexte wiedergegeben werden, besucht doch keiner auf dauer, über die bräuchte sich auch keiner aufzuregen….
es sind wirklich zwei paar schuhe, die professionellen rezensionen und die von bloggern, auch mit ganz anderen zielrichtungen. während der eine (wie schon gesagt wurde) mehr in literaturwissenschaftlichen aspekten denkt, sind bei uns bloggern eher die persönlichen, emotionalen gesichtspunkte wichtig. beides zusammen kann dann ein abgerundetes bild eines buches geben – insofern ich einen kritiker und einen blogger haben, die beide auf meiner eigenen wellenlänge liegen, auch das eine voraussetzung. …. und solange professionelle kritiker sich für irreführende werbung missbrauchen lassen (ich denke da z.b. an dieses buch, siehe mein facit), sollen sie mal ganz ruhig sein und ihre eigene selbstwahrnehmung überprüfen….
was charlene richtig erwähnt: der horizont dessen, was lesenswert ist oder was es überhaupt gibt unter den -zig tausend büchern ist bei ihnen größer und deswegen sollte man diese kritiken nicht ignorieren. wobei meine eigene erfahrung ist, daß die ganz kurzen, die meist dann irgendwo gesammelt stehen, mich zu den büchern geführt haben, die mir persönlich auch gut gefielen.
lg
fs
Ich sehe das wie Irina.
Obwohl ich persönlich eher selten Printkritiken lese. Kennt jemand noch das literarische Quartett? Das war doch oft so abgehoben (und ebenfalls subjektiv), das war doch zum Schluss nicht mehr ernst zu nehmen. Hier haben die Kritiker oft einen viel zu verstellten Blick auf das Eigentliche: Das Buch (das nicht immer einen Kontext braucht).
Und ja, liebe Frau Radish, ich bin auch Akademikerin und habe einen Abschluss in Germanistik.
Und lese dennoch lieber Kritiken aus der “Basis”, dem gemeinen Leser. Und davon lese ich viele (auch wenn nicht alle gehaltvoll sind, aber das merkt man ja schnell).
LG,
JED
Hallo Ada,
Ich habe Ende letzten Jahres den Artikel von Frau Schwalm gelesen, die darin ja um einiges schärfer schießt als Frau Radisch. In meinen Augen ist das Kernproblem die schon angesprochene Pauschalisierung „der Blogger“. Es gibt nicht „den“ Blogger. Man muss differenzieren. Dazu kommt noch, dass jeder, der über Bücher schreibt als Kritiker gesehen wird, als Literaturkritiker. Das ist doch Blödsinn. Den meisten geht es ums (Mit-)Teilen ihrer Leseerfahrung, der Liebe zu Büchern. Trotzdem will man sich kritisch mit einem Buch auseinandersetzen. Dass die Feuilletons diverser Zeitungen andere Ansprüche haben, liegt doch auf der Hand, was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass nicht auch Blogs existierten, die es damit aufnehmen könnten.
Natürlich gibt es wie in den Printmedien große Unterschiede, ebenso in den Ansprüchen, die der Schreiber an seine Leser und an sich stellt. In Hausarbeiten investiere ich mehr Zeit, was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass ich mir bei den Blogbeiträgen keine Mühe gebe. Außerdem bin ich mir natürlich im Klaren darüber, dass andere besser schreiben können. Es wird immer Menschen geben, die etwas besser können. Wenn mich das davon abhielte, trotzdem das zu tun, was mir Freude bereitet, dann gute Nacht.
@ Charlene
Mir ging das sehr ähnlich, als ich mich mit der Frage beschäftigte, ob ich überhaupt ein Blog eröffnen sollte.
Es ist schon eine Kunst, wissenschaftlich fundiert und fesselnd zu schreiben. Ich lese gerne in den Feuilletons diverser Zeitungen, aber genau so gerne lese ich in verschiedenen Blogs. Mich sprechen besonders die Texte an, in denen ich zu spüren glaube, dass der Verfasser mit Leidenschaft am Werk war. Der Anspruch und Informationsgehalt muss dabei nicht auf der Strecke bleiben.
Viele Grüße
Mh, warum muss man Journalisten und Blogger eigentlich als Konkurrenz betrachten? Kann man es nicht auch einfach unter dem Motto “anderer Sender, anderer Empfänger” sehen? Natürlich gibt es auch massig viele Schnittstellen. Profi-Blogger, die für Profi-Leser schreiben, Akademiker, die bloggen und so weiter.
Ich persönlich habe aber für jedes Format eine gezielte Erwartungshaltung. Wenn ich in einer Zeitung eine Literaturkritik lese, dann möchte ich Übergeordnetes erfahren. Danach würde ich auf einem Blog niemals suchen, denn dort interessieren mich die Emotionen. Klar, in der Zeitung werde ich meist nur mit literarischen Sahneschnittchen konfrontiert, auf den Blogs variiert die Buchauswahl samt Qualität schon recht stark. Aber das ist ja auch gut so, denn damit ist für jeden etwas dabei. Außerdem schadet es dem eigenen Hirn nun wirklich nicht, mal für sich selbst auszusortieren, was man gerne lesen möchte. Und was eben nicht.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich Bücher, die in den Feuilletons der Republik besprochen werden, nur sehr, sehr selten auch auf den diversen LitBlogs, die ich regelmäßig lese, finden kann. Und umgekehrt natürlich auch. Deswegen sind das für mich zwei unterschiedliche Universen. Ich bewege mich in beiden gerne. :-)
Ich frage mich auch, warum sich dieses Konkurrenzdenken in den letzten Jahren so verfestigt hat, denn wie ich und auch viele andere bereits oben geschrieben haben, kann man Printmedien und Onlineblogs oder sonstige Formen der Online-Literaturkritik in meinen Augen nicht wirklich vergleichen. Stattdessen können sie sich je nach Vorliebe gut ergänzen.
Ein Hallo in die Runde,
ich bin Autorin und über einen Link in meinem Autorenforum auf diese interessante und spannende Diskussion gestoßen. Als “die von der produzierenden Seite” bin ich an der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit in einem hohem Maße interssiert (und auch darauf angewiesen, mit meiner Arbeit auf Resonanz zu stoßen – so ich nicht nur für mich schreibe, sondern damit auch (wirtschaftlichen) Erfolg haben will.
In einem Feuillon besprochen zu werden ist für einen Jugendbuchautor so gut wie nie der Fall. Gerade für dieses Genre bietet die Bloggerszene und Rezensionen im Internet eine Möglichkeit, mit dem Zielpublikum in Kontakt zu kommen, bzw. von der Zeilgruppe überhaupt erst wahrgenommen zu werden. Bei kolportierten Neuerscheinungen von 100.000 Büchern (im deutschsprachigen Raum) pro Jahr brauchen wir Autoren diese Form der Resonanz, wenn wir nicht sang- und klanglos in Windeseile wieder in der Versenkung verschwinden wollen. Auf eine Buchbesprechung in einer Zeitung oder einem Magazin zu hoffen, grenzt an Wunderglauben. Das Feuillon hat sein Augenmerk immer noch auf die sogenannte “Hochliteratur” gelegt. Der Kinder- und Jugendbuchsektor scheint sich auf dem blinden Fleck ihrer Rezeption zu befinden. Sich dann aber darüber zu mokieren, wenn diese Marktlücke mit durchaus ernstzunehmenden Rezensenten im Internet gefüllt wird, finde ich nicht nur unangemessen sondern scheinheilig. Das kommt mir vor wie das Verteidigen eines Ackers, den sie selbst gar nicht bestellen wollen.
Ich will nicht in Abrede stellen, dass im Internet – gerade, weil da “jeder schreiben kann” – auch unprofessionelle, nicht fundierte Kritik zu finden ist. Aber wie schon weiter oben in mehreren Beiträgen bemerkt wurde, regelt sich der Markt hier von selbst. Uninteressantes wird nicht lange gelesen werden. Aber gut gemachte Buchbesprechungen sind gerade für uns Autoren unverzichtbare Meinungsträger. Ohne die vielen Blogger(innen), die in der Regel mit viel Herzblut, Interesse und persönlichem Engagement unsere Bücher besprechen, hätten wir so gut wie kein Sprachrohr in die Öffentlichkeit. Die PR nur den Verlagen zu überlassen ist in unserer schnelllebigen Zeit blauäugig und nicht zielführend. Es wäre also im Sinne aller, sich der Entwicklung und Öffnung zu den neuen Medien nicht entgegenzustellen, sondern sie als Ergänzung zu einem Betätigungsfeld zu sehen, das bisher ohnehin kaum beachtet worden war.
Für mich als Autor ist es unverzichtbar, Dank der Berichte im Internet mein Ohr direkt an meinem Lesepublikum zu haben. Ich bewundere das Engagement und den Zeitaufwand, den diese begeisterten Menschen betreiben, um ihre Eindrücke wiederzugeben. Ein persönlicher Kommentar ist mir persönlich viel wichtiger, als eine Abhandlung in geschliffenen Worten. Die Arbeit der Bloggerszene ist im wahrsten Sinne des Wortes “unbezahlbar”.
Herzliche Grüße
Gabriele Gfrerer (Jugendbuchautorin)
Liebe Frau Gfrerer,
ich finde es sehr interessant, auch mal einen Einblick in die Sichtweise einer Autorin zu bekommen und bedanke mich für Ihren Kommentar.
Ich halte es übrigens für sehr bedauerlich, dass Kinder- und Jugendbücher so selten in Zeitung und Fernsehen vorgestellt werden, da das Angebot innerhalb dieses Genres doch recht vielfältig ist und sich inmitten dieser Vielfalt durchaus einige Schätze verbergen, die meiner Meinung nach auch eine professionelle Kritik verdient hätten.
Wie Sie schon anmerkten, findet man solche Besprechungen in den anerkannten Medien jedoch eher selten, wodurch Blogger und Buchhändler meistens die besseren Ansprechpartner sind, mal abgesehen von dem wichtigsten Urteil, nämlich dem der Zielgruppe.
Ein schönes Wochenende,
Ada
Liebe Ada,
das Bedauern über das augenscheinlich fehlende Interesse im Feuilleton ist ganz meinerseits ;-)
Aber zum Glück gibt es ja ein Leben außerhalb des Print- und TV-Mediums – wie man sehr deutlich an der regen Teilnahme an dieser Diskussion sehen kann! Das fühlt sich gut an …
Danke an dieser Stelle an alle, die gern Bücher lesen und diese Freude mit vielen anderen teilen wollen!
Herzlich
Gabi
Ich finde die Antworten, die hier kommen, durchweg differenziert, was ja zeigt, dass Blogger nicht nur kopflose Wesen sind ;)
Ich befinde mich bei meinen Rezensionen aber oft auch in einem Zwiespalt. Ich studiere Literatur und kann sie durchaus einordnen. Hier aber mal ein einfaches Beispiel: Ich habe Goethes Wilhelm Meister gelesen und dazu eine Rezension geschrieben. Ich habe mich mit dem Genre des Bildungsromans beschäftigt und weiß, welche herausragende Stellung dieses Buch einnimmt. Ich weiß Goethe zu würdigen – nicht nur einfach als hohle Formel, weil man “Goethe lesen muss”. Trotzdem frag ich mich bei der Bewertung: Soll ich da jetzt mein literaturwissenschaftliches Wissen reinpacken und dem Buch 5 Sterne geben? Oder soll ich es lieber aus den Augen eines einfachen Lesers bewerten? Ich entscheide mich dann lieber für die einfache, “subjektive” Rezension, denn für alle anderen Bewertungen gibt es in der Literaturwissenschaft noch genug Platz :)
Bei diesen schrecklich oberflächlichen Rezensionen bekomme ich aber auch immer fast zu viel. Aber wie schon erwähnt wurde: Solche Rezensionen sind durchschaubar und werden auf Dauer auch nicht gelesen.
Eine sehr interessante Diskussion!
Und wie auch schon einige geschrieben haben: Zeitungskritiken sind mir häufig zu verkopft und wenig emotional. Aber das hängt wohl auch mit der Intention der Rezension zusammen. Während Buchblogger einfach nur gute Literatur weiterempfehlen wollen, sehen sich Zeitungskritiker wahrscheinlich als eine wichtige Instanz um die allgemeine Stimmung im Literaturmarkt abzutesten und um vielleicht auch den Gegenwartsliteraturkanon zu formen oder zu beeinflussen.
Und ich finde es nicht fair, dass hier alle Buchblogger über einen Kamm geschert werden. Schließlich gibt es da ziemlich große Unterschiede……
lg, Cara
Danke für die spannede Diskussion.
Für mich als Kinderbuchautorin sind die Blogger ebenfalls sehr wichtig.
Wie meine Kollegin schon sagte, es ist in den Zeitungen kein Platz für Kinderbuchrezensionen.
Die Abgehobenen und Großen und Allwissenden unter den Rezensenten in den Zeitungen haben einen üblen Dämpfer bekommen, damals, als sie den Grottenolm in den Himmel lobten und es war ein Blogger, der in enttarnte.
Vielleicht haben sich einige der Großen dumme Sprüche deswegen anhören müssen und sind deshalb auf die Blogger so schlecht zu sprechen.
Dass Blog nicht gleich Blog ist, merkt man als Autor schnell. Man liest sich einige der Rezensionen durch und spürt rasch, ob da eine echte Auseinandersetzung mit dem Buch dahinter steckt oder ob der Blogger lediglich seine Pflicht gegenüber dem Verlag als Buchspender abgeleistet hat.
Mir ist das Persönliche sehr wichtig, was warum gefällt und was warum nicht gefallen hat. Wenn ich einen Blog finde, der meine Lieblingsbücher schlecht bewertet, weil er nicht mag, was ich jedoch liebe, weiß ich, dass unser Geschmack nicht zusammenpasst und suche mir einen, bei dem es besser passt.
Somit danke als Leserin und als Autorin für die Blogger, ihre Liebe zu Büchern und die Zeit und Mühe, die sie in ihr Blog stecken.
Wenn ein Rezensent in der Lage ist, gut zu argumentieren, ist es mir egal, ob sich sein Geschmack mit meinem deckt, denn dann kann ich anhand der jeweiligen Kritik entscheiden, ob ich das, was er gut/schlecht findet, auch so sehen würde.
Es gibt einige Blogger, die einen komplett anderen Geschmack haben als ich, deren Kritiken ich aber trotzdem regelmäßig lese. Eben weil ich weiß, wie ich sie einzuschätzen habe und dass mir genau das, was sie kritisieren, vielleicht gefallen könnte.
Ein kurzer Einwurf:
ihr fordert, dass bei den Bloggern unterschieden wird, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf. Zustimmung, klar.
ABER:
Warum tut ihr nicht das Gleiche bei den professionellen Kritikern? Ich lese mehrfach “verkopft”. Aber professionelle Kritik sind auch die Buchbesprechungen in, sagen wir, der “Brigitte”. Professionelle Kritik machen zB Denis Scheck und Elke Heidenreich (.. allein der Gedanke, dass die jemand mit der hochkarätigen Ruth Klüger vergleichen könnte). Pure Unterhaltung.
Zu wenig emotionale professionelle Kritik? Das sind die, die nicht gut sind. Wirklich tolle Kritiker sind unterhaltsam ohne den Inhalt zu vernachlässigen. Da kann dann die Laienkritik idR nicht mehr mit, das ist eine eigene Liga.
Um das eben nicht zu tun, habe ich bereits weiter oben gefragt:
>>Aber nun interessiert mich auch, ob ihr einen professionellen Kritiker und seine Besprechungen besonders mögt? Wer ist in euren Augen gut? Gibt es da einen Namen, den ihr nennen könnt?<<
Die Klappentexterin hat mir in dem Zuge die Kritiken aus dem Literaturteil der SZ empfohlen.
Leider ist die Frage in der Diskussion etwas untergegangen, denn natürlich gibt es sicherlich auch sehr gute Zeitungskritiker.
Bei mir ist es eindeutig Dennis Scheck. Er ist der einzige, der ein sehr fundiertes Fachwissen mit Unterhaltsamkeit kombiniert. Richtig schlimm fand ich dagegen Marcel Reich-Ranicki.
Ein (guter, professioneller) Literaturkritiker steht für mich über dem Text und kann ihn auch bewerten, wenn dieser banal ist oder ihm nicht gefällt. Als Blogger bricht man dann doch eher ab oder es fällt einem nicht viel zum Buch ein. So ging mir das mit einem Krimi, bei dem ich kaum etwas zu schreiben hatte und der Herausgeber Volker Neuhaus mehrere Seiten aus dem Buch herausholte. Da sehr ich einfach einen Riesenunterschied zwischen Blogger und professionellen Kritiker. Was ich auch nicht schlimm finde, es kommt schließlich auch kein Tennisspieler auf die Idee sich mit den Wiliams-Schwestern zu vergleichen oder niemand würde sein Pferd mit Totilas vergleichen. Es gibt überall einen Unterschied zwischen Leuten, die etwas als Hobby betreiben und denen, die ihr Geld damit verdienen.
Es ging mir ja nicht um deine Intention, sondern um die gnerelle (hab durchaus bemerkt, dass einige differnzierten) Entwicklung der Diskussion.
Und die kommt bei mir schon sehr “Blogs sind super”-mäßig an. Das gefällt mir nicht, weil’s nicht stimmt. Man muss als Blogger nicht gleich die Szene blind verteidigen. Eine reflektiertere Auseinandersetzung würde mir besser gefallen. Zumal ja die, die sich hier beteiligen, eh schon die sind, die sich prinzipiell Gedanken über das Bloggen machen…
Ich persönlich lese zwar hin und wieder ganz gerne »Profirezensionen«, bevorzuge aber – wie wohl die meisten hier – Laienkritiker. Einfach, weil diese nun mal die Bücher besprechen, die ich selbst lese. Hochliteratur ist nichts für mich, weil ich in den allermeisten Fällen zur bloßen Unterhaltung lese und solche Bücher lassen sich dann eben auch nicht besonders literaturwissenschaftlich analysieren.
Ich merke das beim Schreiben von Rezensionen ja auch selbst. Manche Bücher geben mehr her und manche weniger. Klar ist so eine Kritik dann immer auch subjektiv, ich selbst lege aber sehr großen Wert darauf, möglichst nachvollziehbar zu begründen, warum mir etwas nicht gefallen hat. Damit andere abwägen können, ob sie sich an diesen Punkten auch stören würden oder eben nicht. Und als Vielleser bewertet man ja auch automatisch im Vergleich zu anderen Bücher des Genres.
Insofern würde ich ganz sicher nicht behaupten, dass alle Hobbykritiker rein subjektiv schreiben. Abgesehen davon, dass auch Rezensionen im Feuillon die Meinung des Verfassers widergeben.
Ich finde, nantik hat das sehr schön auf den Punkt gebracht mit der Anderer-Sender-anderer-Empfänger-Sache. Zeitungskritiken lese ich z.B. nicht, um mir Buchtipps einzuholen, sondern weil mich interessiert, wie sich (vor allem sprachlich) mit dem besprochenen Buch auseinander gesetzt wird. Die Aussage, also ob das Buch dann gut oder schlecht weg kommt, ist mir eigentlich egal.
Bei den LitBloggern muss ich differenzieren. Es gibt etliche Blogger, die ich sehr gerne lese und als Persönlichkeiten schätze, aber nur wenige, mit deren Rezensionen ich etwas anfangen kann. Das sind dann die, die sich wirklich kritisch mit dem Gelesenen auseinandersetzen und argumentieren. Wobei natürlich noch hinzu kommt, dass man deren Geschmack mit der Zeit auch einschätzen lernt. Ich muss allerdings – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – auch gestehen, dass meine Lieblingsrezensenten alle keine 16 mehr sind, denn mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung und Wissen im Gepäck liest man ein Buch natürlich anders und lässt das dann eben auch in seine Rezension einfließen. Und Emotionen? Klar, die gehören für mich (im Rahmen!) auch dazu.
Aber mal eine andere Sache: Ich selbst möchte mit meinem Blog nicht nur Leute ansprechen, die eh schon viel lesen und nur neue Tipps suchen, sondern auch das Interesse von denjenigen wecken, die sonst vielleicht nicht so viel lesen. Ich möchte meine Begeisterung für das Medium Buch/Hörbuch teilen und andere bestenfalls damit anstecken. Nicht nur in Bezug auf ein bestimmtes Buch, sondern für Bücher generell. Das können Zeitungskritiken mE kaum, weil sie sich eben an eine andere Zielgruppe wenden. Eine, die eh schon liest und da auch etwas anspruchsvoller ist.
Von Konkurrenz zwischen Berufs- und Privatrezensenten würde ich daher auch nicht sprechen. Und letztlich habe ich ja auch immer die Wahl: Was in meinen Augen schlecht (weil zu oberflächlich) ist, muss ich nicht lesen.
Zitat (Nina) >>Ich selbst möchte mit meinem Blog nicht nur Leute ansprechen, die eh schon viel lesen und nur neue Tipps suchen, sondern auch das Interesse von denjenigen wecken, die sonst vielleicht nicht so viel lesen. Ich möchte meine Begeisterung für das Medium Buch/Hörbuch teilen und andere bestenfalls damit anstecken. Nicht nur in Bezug auf ein bestimmtes Buch, sondern für Bücher generell. Das können Zeitungskritiken mE kaum, weil sie sich eben an eine andere Zielgruppe wenden. Eine, die eh schon liest und da auch etwas anspruchsvoller ist.<<
Das ist ein sehr wichtiger Gedanke, der für mich gerade bei den Internet-Rezensenten ganz besonders zum Zug kommt. Ich denke, dass (gerade die oben angesprochenen jungen) Blogger eine Zielgruppen ansprechen und für das Lesen an sich senibilisieren und begeistern können – eben weil sie mit dieser Zielgruppe auf Augenhöhe steht.
Das ist ein Fakt, das gerade für Autoren der Kinder- und Jugendbuchszene ausnehmend wichtig und hilfreich ist. Für diese Form der "Leseförderung" bin ich jedem einzelnen Blogger zutiefst dankbar.
Herzliche Grüße
Gabi Gfrerer
Aber warum sollte jemand, der nicht liest, ein Literaturblog lesen? Ich lese schleißlich auch keine Fußballblogs, weil mich das Thema nicht interessiert.
Es geht nicht um Leute, die Bücher nicht mit der Kneifzange anfassen würden, sondern um diejenigen, die an sich vielleicht ganz gerne lesen (würden), aber nicht so recht wissen, was ihnen gefallen könnte und einen kleinen Schupser in die richtige Richtung brauchen. Ich kenne etliche Leute, die haben z.B. Harry Potter gelesen und würden gerne mehr in der Art lesen, wissen aber nicht genau was. Wenn man diesen »Leseanfängern« eine Hilfestellung geben kann, finde ich das super. Natürlich müssen sie erstmal den Weg zum Blog finden, aber das ist über Google ja nicht allzu schwer, wenn man nach bestimmten Schlagworten sucht. Und dann kommt man halt vom einen Buch zum nächsten.
Ich habe in den vier Jahren, in denen ich blogge, jedenfalls schon öfters eMails/Briefe von Lesern bekommen, die sich bei mir dafür bedankt haben, dass sie durch mein Blog wieder oder überhaupt mehr lesen. Das ist für mich das schönste Kompliment, das man mir machen kann.
Davon abgesehen werden die meisten nicht NUR Sportblogs, Modeblogs, Bücherblogs etc. lesen, sondern – sofern natürlich ein grundsätzliches Interesse für das jeweilige Thema vorhanden ist – auch mal Abstecher in andere Blogsphären machen und da vielleicht etwas entdecken, was ihnen gefällt. Und im besten Fall hängen bleiben.
Die würden aber eher in Bücherforen nachfragen. Wenn ich meine Suchergebnisse auswerte, suchen 99& entweder nach Orten (z.B. die Seidenstraße) oder direkt nach Autoren / Büchnern. Die restlichen 1% suchen etwas ganz anderes und sind von Google fehlgeleitet worden. Deswegen kann ich dir in der Argumentation nicht folgen.
Als es noch kaum Bücherblogs gab, waren die Foren sicherlich die erste Anlaufstelle. Mittlerweile ist das mE nicht mehr uneingeschränkt der Fall. Es gibt so unglaublich viele Blogs, die meist auch sehr gut untereinander verlinkt sind. Da klickt man dann von einem zum anderen und nimmt hier und da ein paar Tipps mit. Wenn man sieht, dass der Blogger ein Buch gut bewertet hat, das man selbst auch gut fand, guckt man halt mal in der Rezensionsliste nach, welche Bücher noch so gefallen haben und probiert es aus.
Schau doch auch mal, wie viele neue LitBlogs in den letzten Monaten entstanden sind und viele junge Leseratten darunter sind! Etliche sind doch erst durch die bestehenden Blogs auf die Idee gekommen, es auch mal zu versuchen. Die haben die »Altblogger« also auch angesteckt mit ihrer Begeisterung für’s Lesen und darüber schreiben. Und ich gehe jede Wette ein, dass viele durch ihr Blog noch mehr lesen als vorher und sich mit den Büchern auch anders auseinander setzen als zuvor.
Letztlich kommt es aber auch immer auf das jeweilige Blog an und die Bücher, die dort besprochen werden. Du liest z.B. ganz andere Bücher als ich. Vielleicht bin ich da massentauglicher und mache den Einstieg leichter, weil ich eben auch eher leichte Lektüre vorstelle.
Außerdem sage ich ja auch nicht, dass sich jeden Tag 20 Leute bei mir melden und sich dafür bedanken, dass ich sie bekehrt habe. ;-) Fakt ist aber, dass dies durchaus vorkommt.
Für mich ist das immer noch die erste Anlaufstellen. Bleiben wir bei deinem Beispiel: Jemand sucht ein Buch ähnlich wie Harry Potter. Jetzt hat ein Blogger etwas über die Serie geschrieben, deswegen wäre er mit der Frage, dass ähnliches gesucht wird, überfordert. Das kann nur ein Forum mit dem Wissen der Masse leisten. Ausserdem, ist es vermutlich wieder jemand, der vermehrt liest. Ich würde zu einem Thema immer in einem Forum nachfragen.
Die unter Garantie nicht von Bloggern betrieben werden, die sich nicht schon vorher intensiv mit Literatur auseinander gesetzt haben.
Ich weiß von etlichen Jungbloggern, die einfach Lust hatten, um des Bloggens willen ein Blog anzulegen und sich dann für Bücher entschieden haben, weil sie halt ganz gerne lesen und nicht wussten, worüber sie sonst so schreiben sollten. Das habe ich in etlichen Blogs genau so als Eröffnungsbeitrag gelesen und ich bezweifle, dass die Beschäftigung mit Literatur in diesen Fällen vorher übermäßig intensiv war. Es liegt ein _grundsätzliches Interesse_ vor, das weiter ausgebaut wird. Dieses Interesse setze ich voraus, d.h. wir sprechen offensichtlich die ganze Zeit von einer anderen Zielgruppe.
Dabei habe ich in meinem ersten Beitrag schon geschrieben:
Halten wir doch einfach fest, dass wir andere Erfahrungen gemacht haben und andere Blogs lesen und belassen es dabei. ;-)
Was Radisch bestätigt ;-) .
Ich *kenne* solche Blogs auch und meistens fliegen sie nach noch nicht einmal einer Woche wieder aus meinen Lesezeichen, weil dort nur Herz-Schmerz-Fantasy-Kitsch besprochen wird und das nicht einmal besonders gut. Nur ein Blog wegen des Bloggens willen zu betreiben hat – soweit ich es zu unterschiedlichsten Themen beobachtet habe – noch nie zu einem (qualitativen Erfolg) geführt, sondern oft genug den rest mit in Veruf bringen.
Als Gegenpol seien Das Literaturblog, Papierne Welten und Bonaventura, die durchaus hohe Qualität bringen.
Was deine Aussage, dass vorher schon eine intensive Auseinandersetzung mit Literatur stattfand, allerdings widerlegt. ;-)
Ich sehe das Problem hier aber auch nicht. Wenn mir die Blogs nicht gefallen, lese ich sie nicht. Trotzdem freue ich mich darüber, dass überhaupt gelesen wird. Ob das Herzschmerz oder Hochliteratur ist, ist mir dabei völlig egal.
Manche Blogger entwickeln sich weiter, manche hören wieder auf… Es gibt in allen Bereichen Qualitätsunterschiede. Deswegen müssen die weniger guten Blogs nicht gleich die ganze Szene in Verruf bringen. Für seinen Ruf ist jeder Blogger schon noch selbst verantwortlich.
Damit steige ich aus dieser Diskussion nun aber auch aus, denn ganz offensichtlich haben wir unterschiedliche Ansprüche und werden daher kaum auf einen Nenner kommen.
Absolut gar nicht.
Wenn ich mir jede Woche abwechselt Nora Roberts, Penny Jordan und Rosamunde Pilcher reinziehe (und ein großer Teil der von dir angesprochenen Blogs bewegt sich auf diesem Niveau), dann findet durchaus eine intensive Auseinandersetzung mit Literatur statt. Nur keine, die einen Rezensenten dazu befähigt, ein (anspruchvolleres) Buch zu bewerten – sei es sprachlich oder inhaltlich. Ich schätze, – und der Punkt geht an Radisch – dass sich ca. 60 der Blogs auf diesem Niveau abspielen.
Dann gibt es eben die gehobeneren, zu denen ich durchaus auch die der Kommentatoren zählen würde, und bei denen ich auch Rezis zu Büchern lese, die ich nicht kenne oder der Themen mich nicht interessieren. Ich lese z.B. ein Blog, welches sich mit japanischer Literatur beschäftigt und über welches ich viele Leseanregungen bekommen habe, obwohl die Region mich nicht interessiert. Dies ist unter anderem die Kunst des Rezensierens, den Leser auf das Buch aufmerksam und neugierig zu machen, obwohl erst einmal kein Interesse vorhanden ist.
60%
Vielleicht sollte man sich bei dieser Diskussion einfach mal die Frage stellen, was ist eigentlich eine Rezension bzw. ein Rezensent?! Eine gute Definition findet sich hier unter http://de.wikipedia.org/wiki/Rezension und speziell für die Literaturkritik hier http://de.wikipedia.org/wiki/Literaturkritik !
Bücherblogs sind noch lange keine Alternative zum Feuilleton, aber sicherlich eine wunderbare Erzgänzung. Jedoch sollte man manchmal wesentlich differenzierter mit dem Begriff Rezension in Bücherblogs umgehen und ihn vorsichtiger einsetzen, da die Artikel nur sehr selten die wesentlichen Kriterien einer echten Rezension erfüllen. Über Bücher zu schreiben ist immer etwas Besonderes, ob als Laie oder Professionneller. Aber wer sich nun als wahrer Rezensent vor allem in Punkto Bücher- bzw. Literaturblogs bezeichnen kann, sollte sich vielleicht zuvor nochmal die Definition genauer ansehen.
Deshalb schreibt der Durchleser auch keine Rezensionen, Buchsprechungen oder Kritiken, sondern er gibt nur Lese-Empfehlungen ab über eine Auswahl seiner durchgelesenen Bücher!
Jetzt habe ich erstmal alle Kommentare überflogen – außerorentlich interessantes Thema. Mir geht es so wie vielen hier. Ich bin eine Laienleserin. Wenn mir ein Buch gefallen hat, schreibe ich gerne etwas darüber. Durch “laienhafte”Rezensionen in verschiedenen Blogs habe ich schon so schöne Bücher lesen können, außerdem verstehe ich solche Besprechungen oft besser :-)
Letztlich bleibt es immer “Geschmackssache”, ob ein Buch gefällt oder nicht, auch bei den Profis (denke da nur an das literarische Quartett…).
Natürlich gibt es richtig “dämliche” Bücher, aber auch die haben ihr Publikum! Danke, dass du das Thema mal angerissen hast – und ein schönes Blog hast du (heißt doch “das Blog”, oder?) LG von Rana
Vielen Dank :)
Ich sage immer “der Blog”, weil ich mich mit “das Blog” nicht anfreunden kann. Laut Duden geht beides.
Mir wird durch meine aktuelle Lektüre (Der Traum der roten Kammer) ganz klar die Grenzen von Laien – Rezensenten vorgeführt: Eine Zeitung wie die FAZ hätte in dem Fall einen Sinologen zur Verfügung, der dem Leser das konfuzianische Gesellschaftssystem und die Kritik, welche in dem Buch geübt wird, näher bringen könnte. Ich dagegen werde dieses Buch niemals auch nur halbwegs angemessen lesen oder gar bewerten können.
Ich denke, man kann es auf die Formel bringen, dass professionelle Rezensenten, welche ein fundiertes literaturwissenschaftliches Studium absolviert haben, unabdingbar bleiben. Den Blogs bleibt schließlich immer noch die leichte Mainstream-Literatur, wobei es dort z.B. Absolventen der Geschichtswissenschaften geben wird, die einen historisierenden Roman entsprechend einordnen können. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr neige ich Radisch zu.
Nachtrag:
Gerade bei ausländischer Literatur ist die Einschätzung der Übersetzung nicht unerheblich. Jeder kann nachplappern, dass Swetlana Geier russische Literatur sehr gut übersetzt hat. Aber dies begründen kann wohl nur jemand, der sich intensiv mit der Materie auseinander gesetzt hat.
Dazu möchte ich gerne auf eine andere Seite verweisen:
Jutta Wilke hat in ihrem Schreibwelt-Blog auf meinen Artikel hingewiesen und Marco (1. Kommentar) hat zu dem von dir angesprochenen Thema etwas in meinen Augen Treffendes angemerkt. Seinen Kommentar findest du hier:
http://juttawilke.blogspot.com/2011/03/verdrangen-blogrezensionen-die.html
Kurzer Nachtrag nach dem weiteren Verfolgen dieser spannenden Diskussion: Nicht jeder, der bloggt, ist automatisch ein Laie, oder? Klar ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass jemand, der dafür bezahlt wird, eher weiß, was er da tut, und bei Blogs muss man vielleicht etwas länger nach Kritiken suchen, die über Geschmacksfragen hinausgehen – aber es ist ja nicht so, als gäbe es da überhaupt keine Schnittmenge und kein Wissen, das von Seiten der Blogger eingebracht wird; sei es Literatur selbst, Sprachen, Geschichte, oder was auch immer. Und ich habe schon deutlich klügere, fundiertere Rezensionen in Blogs oder gar auf diversen Buchportalen als z.B. in Frauenzeitschriften gelesen.
Für mich funktioniert die Unterscheidung zwischen Gebloggtem und Abgedrucktem überhaupt nicht, dafür ist mir das jeweilige Spektrum viel zu breit und wenig schubladentauglich. Und genau das ist doch das Wunderbare an all den so verschiedenen Kritiken: dass auf die Art jeder Leser finden kann, was er sucht, und für Bücher begeistert wird, die er sonst nicht kennengelernt hätte. Und zwar in einer Sprache, die er schätzt und versteht.
Frauenzeitschriften zählen für mich auch nicht zur Literaturkritik, sondern eher schon zur bezahlten Werbung. Ich gehe grundsätzlich von Zeitungen wie FAZ, SZ, Die Zeit und NZZ aus.
Was ein weiteres Problem von Blogs ist; die von dir erwähnten Zeitungen enthalten von Mode, Kosmetik bis zu Buchvorstellungen reine Werbung. Dies kann man einordnen, bei einem Blog weiß ich habe nicht ohne weiteres, ob das Buch vom Verlag gestellt wurde oder nicht.
Was ist denn eigentlich so schlimm daran, wenn Bücher von Verlagen gestellt werden? Es verpflichtet sich damit meines Wissens keiner, ausschließlich positiv darüber zu schreiben – und ob man die Möglichkeit als Blogger nutzen möchte oder nicht, bleibt einem ja selbst überlassen. Und wenn Bücher an Printmedien gestellt werden – sei es Frauenzeitschrift oder FAZ & Co – wird doch auch selektiert, was vorgestellt wird und wie. Ich sehe da kein klares Unterscheidungsmerkmal, sondern eher in der zielgruppengerechten Art der Besprechung.
PS. Bin übrigens grade an deinem Blog hängengeblieben und finde die Länder-Übersicht und die eingeflochtenen Artikel aus anderen Quellen sehr grandios, eine runde Mischung. Genau das ist für mich das Schöne an den Blogs: dass man so per Lesen, Links und Kommentaren eine ganz eigene Leseliste zusammenstellen und manchmal sogar was nachschlagen kann.
Zum Thema Rezensionsexemplare möchte ich auch gerne noch etwas sagen:
Ich glaube, der Unterschied zwischen professionellen Kritikern und Bloggern besteht darin, dass manche Blogger (keineswegs alle!) Rezensionsexemplare als eine Art Geschenk ansehen, wofür sie dankbar sind. Sie bekommen etwas umsonst, wofür sie sonst hätten bezahlen müssen, obwohl sie sich selbst im seltensten Fall als professionelle Kritiker einstufen würden. Aufgrund dessen (auch dieser subjektiv empfundenen Sonderstellung) ist bei einigen die Hemmschwelle, eine negative Kritik zu schreiben, sicherlich größer als bei einem Zeitungskritiker, der für ein bestimmtes Blatt arbeitet, dem sowieso dauernd Exemplare zur Verfügung gestellt werden.
Wenn man ein Rezensionsexemplar auf diese Weise als Geschenk ansieht, fällt es einfach schwerer dem Schenkenden dafür etwas Negatives zurückzugeben, wodurch die Meinung zu dem Buch oft beschönt wird.
Allerdings erkennt man meiner Meinung nach, wer in der Hinsicht etwas befangener ist und für wirklich jedes angegebene Rezensionsexemplar eine gute Bewertung vergibt und wer nicht, sofern man sich über einen längeren Zeitraum mit den Blogs und den veröffentlichten Rezensionen befasst.
Ich persönlich halte es übrigens so, dass ich direkt zu Beginn des Kontaktes deutlich mache, dass ich meine ehrliche Meinung äußere und mich durch Freiexemplare zu nichts verpflichtet fühle. Wenn mir ein Buch – weswegen auch immer – nicht zusagt, dann schreibe ich das mit der entsprechenden Begründung.
Sofern die Autoren oder Verlage damit einverstanden sind, ist alles geregelt und bisher gab es keinen, der deswegen sein Angebot zurückgezogen hat.
Mir fällt es auch nicht immer leicht, negative Kritik auszusprechen, doch ich hielte mich selbst für unglaubwürdig und meine Blogarbeit für sinnlos, wenn ich eine Lobhudelei nach der anderen runterschreiben würde, nur weil ich niemanden vor den Kopf stoßen möchte.
Ich beurteile nicht, dass jemand Rezensionsexemplare bekommt und darüber schreibt. Doch ich beurteile schon, wie jemand darüber schreibt und ob das Geschriebene für mich glaubwürdig klingt.
Der Unterschied ist riesig wie der Grand Canyon.
Ein Literaturwissenschaftler wird ein Buch anders einordnen können, als ein Hobby-Rezensent. Wie ich schon schrieb, ein Sinologe ist mit dem konfuzianischen Gesellschaftssystem vertraut und kann *Der Traum der roten Kammer* ganz anders lesen und kommentieren und erklären. Auch kann er die Qualität der Übersetzung einschätzen, welches die wenigsten Blogger können. Oder er kann einen Krimi wie *Tod einer roten Heldin* mit gesellschaftlichen Problemen Chinas in der heutigen Zeit in Verbindung bringen, da er vermutlich z.T. auch die Nachrichtenmeldungen aus dem Land auswertet.
Aber ich denke, dass ich dies alles schon zu Genüge ausgeführt habe. Deine Frauenzeitschriften lasse ich außen vor, weil sie für mich reine Werbebroschüren darstellen.
Ein Blogger ist von den Verlagen abhängig, die Verlage aber von der FAZ, Zeit, NZZ & Co. .
Wenn ein Blogger zu kritisch schreibt, wird er recht schnell keine Exemplare mehr erhalten, während die Verlage darauf angewiesen sind, in Zeitschriften besprochen zu werden, gerade auch, weil Hochliteratur in Blogs so gut wie nie vorkommt oder zumindest in den wenigsten Blogs. Was hier auch schon ausgiebig im Laufe der Diskussion besprochen wurde.
Ich spiele auch Tennis und trainiere Dressurreiten. Deswegen würden mich die Williams-Schwestern trotzdem in einer Stunde mit 6:0, 6:0, 6:0 vom Platz schicken oder mein Pferd wird mit Totilas für den Rest seines Lebens nur die Fellfarbe gemein haben.
Das Blog mag ausreichen, um den ein oder anderen über Bücher zu informieren, aber Literaturkritik ist nun eine ganz andere Klasse. Wahrscheinlich entlocken meine Rezis jedem halbwegs fortgeschrittenen Germanistik-Studenten nur ein müdes Lächeln.
Zitat nomadenseele: >>Wenn ein Blogger zu kritisch schreibt, wird er recht schnell keine Exemplare mehr erhalten, [...]<<
Das kann ich basierend auf meiner Erfahrung so nicht bestätigen. Wobei das "zu kritisch" zu definieren wäre.
Ich schreibe sicherlich nicht "zu kritisch", allerdings gab es auch ein paar Bücher, die bei mir nicht allzu gut weggekommen sind. Trotzdem habe ich weiterhin Bücher zur Verfügung gestellt bekommen.
Allerdings nehme ich auch keine Rezensionsexemplare an, bei denen ich bereits vor dem Lesen ahne, dass ich wahrscheinlich kein einziges positives Wort darüber verlieren werde, ganz einfach weil das für mich verschwendete Zeit wäre und ich zum Glück wählen kann, mit welchen Büchern ich mich auseinandersetzen möchte und mit welchen nicht.
Meines Erachtens erkennen auch Verlage Unterschiede darin, wie negative Kritik geäußert wird. Sofern die Begründung schlüssig wirkt, sind negative Kritiken in vielen Fällen kein Grund, dem Blogger keine Exemplare mehr zur Verfügung zu stellen.
Dass sowas vorkommen kann, möchte ich jedoch nicht gänzlich ausschließen.
Ich denke, wir alle haben schon einmal ein Blog aufgerufen, in welchen einem die Verlagswerbung nur so entgegenspringt. Ich verstehe, dass viele sich keine neuen Bücher leisten können, aber ihre Arbeit als Rezensient wird für mich dadurch entwertet.
Das hat ein FAZ-Kritiker, der sich die Top-Bücher auswählen kann und der von den Verlagen angebettelt wird, dass er ihre Bücher auswählt, eine höhere Glaubwürdigkeit.
@Ada: Das mit der Glaubwürdigkeit geht mir genauso. Und den Geschenk-Aspekt habe ich so jetzt nicht gesehen. Wobei man aber ohnehin seinen eigenen Geschmack zwischen die Zeilen liest und eine alles-super-Kritik von jemandem, der nicht die eigene Wellenlänge hat, für einen selbst nicht zwangsläufig eine positive Aussage hat – und umgekehrt.
@nomadenseele: Bei ‘Unterscheidungsmerkmal’ bezog ich mich auf die Rezensonsexemplare. Dass die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Kritikformen riesig sind, müssen wir nicht diskutieren, da sind wir einer Meinung. Dass jemand, der mehr über ein spezifisches Fachgebiet weiß bzw. der die Möglichkeit hat, da Experten für zu Rate zu ziehen, da auch fundiertere Dinge drüber sagen kann, ist ebenso klar. Ich sehe da aber eben keinen leistungsorientierten Wettbewerb und kein ‘gut’ oder ‘schlecht’, sondern ein gegenseitiges Ergänzen und ein Abdecken völlig unterschiedlicher Zielgruppen.
Dass jemand, der etwas nicht hauptberuflich macht, darin zwangsläufig ‘schlechter’ sein soll als jemand, dessen Beruf das ist, halte ich persönlich allerdings für einen Trugschluss. In Bereichen, wo Leistung so leicht messbar ist wie im Sport, mag das anders sein – aber selbst da kann ich mir durchaus vorstellen, dass es Talente gibt, die einfach kein sonderliches Interesse an einer Profi-Karriere haben.
Ich sehe den Sinn Blogs als Rezi-Instrument nach wie vor darin, dass dort eher der Mainstream besprochen wird.
Oder als Ergänzung zu den Profis, dass ich erst z.B. lese, was eine Zeitschrift von Franzens *Freiheit* hält und ein Blogger das Buch eher in Beziehung zu seiner Umwelt bzw. seinen Erlebnissen setzt. Leider ahmen zuviele Blogger die großen Vorbilder nach und vernachlässigen das, was ihre Rezis wertvoll und interessant machen kann oder könnte.
Ich fasse mal kurz zusammen:
1. Zeitungskritiken und Onlinekritiken (auf Blogs, Literaturportalen, Onlineshops…) lassen sich grundsätzlich schlecht vergleichen, da die Intension der Rezensenten sowie deren Arbeitsbedingungen voneinander abweichen und oft auch die Zielgruppe eine andere ist.
2. Auch wenn der direkte Vergleich hinkt, können sich doch beide Medien positiv ergänzen und sollten nicht als Konkurrenz verstanden werden (Gründe siehe auch Punkt 1).
3. Es gibt sowohl unter den Zeitungskritikern als auch unter den Bloggern Qualitätsunterschiede, sodass man grundsätzlich nicht alle über einen Kamm scheren kann. Auf beiden Seiten schreiben Akademiker oder durchaus eloquente Leser, wohingegen im Netz weitaus mehr Laien zu finden sind als bei den Zeitungen (logisch).
4. Während sich Blogs auch der “Mainstream”-Literatur sowie Kinder- und Jugendbüchern widmen, beschränken sich die Feuilletons zumeist auf anspruchsvollere Lektüre.
5. Viele Zeitungskritiker können Bücher ansprechender und professioneller in ihren fachlichen Kontext einordnen als die meisten Onlinekritiker, was jedoch nicht ausschließt, dass auch ein Teil der Blogger dies hervorragend beherrscht.
6. Onlinekritiken wirken meist persönlicher, wohingegen Zeitungskritiken bei vielen Lesern einen eher nüchternen und elitären Eindruck hinterlassen.
Von den meisten Kommentatoren wird jedoch beides auf seine Art geschätzt, weshalb weder das eine noch das andere überflüssig erscheint.
Oh, ich konnte nicht alles lesen, es ist zu viel, aber eine Meinung habe ich sowieso.
Was nützen mir wissenschaftlich anspruchsvoll ausgearbeitete Kritiken, wenn sie nicht das Leseerlebnis vermitteln können?
Wenn ich eine Kritik lese, dann möchte ich einfach wissen, wie das Buch beim Durchschnittsleser und zu denen zähle ich mich, ankommt. Alles andere ist interessantes Beiwerk, mehr nicht.
Insofern lese ich vorwiegend Rezensionen im Netz und besonders gern von Usern, die ich kenne und deren Lesegeschmack ich einschätzen kann. So ist meine Zeit sinnvoll eingesetzt und letztlich mein Geld auch.
Bei den professionellen Kritikern habe ich in der Vergangenheit auch immer wieder feststellen müssen, dass manche Werke bejubelt werden, in Bestsellerlisten gepusht werden und ich frage mich nur – warum, was soll bitte an diesem Buch so außergewöhnlich sein? Lesen hat bei mir auch immer einen Lustaspekt, ist ja schließlich mein Hobby und nicht mein Beruf. Und da habe ich einfach den Anspruch, dass das Werk auch lesbar ist – sprachliche Exklusivität hin oder her.
Man könnte auch fragen, für wen schreiben die professionellen Kritiker und die Hobbyrezensenten? Sollte es nicht eigentlich die gleiche Zielgruppe sein? Wir, die die Bücher kaufen sollen?!
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Boah, wenn ich sowas wie obigen Zeitungsausschnitt schon lese, sträubt sich bei mir wirklich alles. Wie viel professionelle Basis braucht es um ein BUCH zu besprechen. Ich bin ein großer Bücherfreund und habe Germanistik studiert, aber jeder Mensch kann seine Meinung zu einem Buch kundtun wie es ihm gefällt. Ich bekomme bei solchen Kommentaren wirklich die Krise.
Jetzt kann ich bestimmt wieder nicht schlafen, weil ich mich so aufgeregt habe :D