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“[...] Als ich das später Mama erzählte, sagte sie: „Wenn du erstmal vierzehn, fünfzehn bist, findest du solche Jungs plötzlich wahnsinnig interessant.“ Das konnte ich mir nicht vorstellen. „Man wird doch nicht immer dümmer!“ sagte ich. [...]“

Polleke muss man einfach mögen. Die Elfjährige ist in ihren jungen Jahren so klug, selbstbewusst und gleichzeitig sensibel, dass es eine Freude ist, sie in ihrem Alltag zu begleiten.

Eigentlich ist Polleke ein ganz gewöhnliches Kind mit ganz gewöhnlichen Sorgen. Sie ist zum ersten Mal richtig verliebt, verbringt die Wochenenden gerne bei ihren Großeltern und hat eine beste Freundin. Trotzdem unterscheidet sich das Mädchen von anderen Mädchen ihres Alters, denn Polleke hat ihren eigenen Kopf und lebt zudem in leicht chaotischen Familienverhältnissen.

Ihre Eltern haben sich vor einiger Zeit getrennt. Während ihre Mutter bald Pollekes Lehrer heiraten wird, lebt ihr Vater auf der Straße. Er ist obdachlos und drogenabhängig, was Polleke gleichzeitig wütend und traurig macht, für sie jedoch kein Grund ist, ihren Vater weniger zu lieben. Im Gegenteil, Polleke liebt Spiek abgöttisch, nicht zuletzt weil er Dichter ist und sie in seine Fußstapfen treten möchte.

Wenn sie etwas auf dem Herzen hat, wandelt sie ihre Gefühle in kleine Mehrzeiler um, die teils kindlich und doch weise sind. Wenn die Gedichte nicht ausreichen, redet sie mit all den Menschen, die sie gern hat. Davon gibt es viele und jeder von ihnen gibt Polleke neue Impulse, die Welt und ihren Sinn unter die Lupe zu nehmen.

Am Ende suchen wir den Tod
wenn wir alt und müde sind
und alle andern uns vergessen
und wir nicht mehr wissen
wohin.

Klar, dass Pollekes Fragen nicht immer leicht zu beantworten sind und manchmal treiben sie die schwammigen Antworten der Erwachsenen regelrecht in den Wahnsinn. Doch Polleke ist nicht dumm. Sie weiß intuitiv ganz genau, was richtig und was falsch ist und scheut nicht davor zurück, ihre Gedanken und Wünsche auszusprechen. Sie folgt ihrem Herzen, was sie zu einem sehr mutigen Mädchen macht, das sich danach sehnt, die Welt zu verstehen und die Menschen in ihrer Umgebung glücklich zu wissen.

Dass man etwas für sein Glück tun muss, muss Polleke in dem vorliegenden Buch erfahren, das der zweite Teil einer fünfbändigen Reihe ist. Den ersten Teil habe ich vor einiger Zeit als Hörbuch gehört und nun – im direkten Vergleich von Hörbuch und Buch – muss ich einmal mehr feststellen, dass Jana Pallaske ihren Job als Sprecherin ganz hervorragend gemacht hat. Das Buch liest sich zwar sehr gut, doch ich habe ein wenig Pallaskes Stimme vermisst, die Polleke als Person, aber auch ihren Gedanken und den Ereignissen eine ganz besondere Note verleiht.

Vielleicht begründet sich dieses Vermissen aber auch darin, dass „Es gefällt mir auf der Welt“ wie eine Zwischenstation wirkt. Man braucht diesen Teil, um das große Ganze zu verstehen, doch in Anbetracht des offenen Endes, wartet das Buch nicht mit großen Handlungsmomenten auf. Viel mehr vertieft es den ersten Eindruck und bereitet auf das, was noch kommt, vor.

Zum Glück ist der dritte Teil leicht zu beschaffen, denn auch wenn ich „Es gefällt mir auf der Welt“ ein wenig schwächer als den ersten Teil finde, bin ich von der Reihe als solche und Kuijers wunderbarer Kinderbuchheldin einfach begeistert.

Eine Empfehlung für jeden Erwachsenen, der einem Kind eine mutige und selbstbewusste Begleiterin an die Seite stellen möchte.

Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Reihenfolge der Bände:
Wir alle für immer zusammen
Es gefällt mir auf der Welt
Das Glück kommt wie ein Donnerschlag
Wunder kann man nicht bestellen
Ich bin Polleke!

© Ada Mitsou

112 Seiten / 5,90 € ~ cbj (November 2005) ~ ISBN: 9783570214183

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