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Ada Mitsou liest…

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Kategorien-Archiv: Sach-/Fachbuch

Christina Björk ~ Linnéas Jahrbuch

14 Mittwoch Mar 2012

Veröffentlicht von Ada Mitsou in Kinderbücher, Sach-/Fachbuch

≈ 5 Kommentare

Schlagwörter

Basteln, Garten, Jahreszeiten, Natur, Pflanzen, Tiere

Ich bin ein Kind der 80er. Das heißt nicht, dass ich die damalige Mode besonders toll finde oder bevorzugt 80er-Jahre Musik höre, sondern dass ich größtenteils ohne Computer und Videospiele sowie gänzlich ohne Internet aufgewachsen bin. Hörspielkassetten und ein sorgsam ausgewähltes Fernsehprogramm bzw. ein paar heiß geliebte Videos waren zwar durchaus drin, doch ausgefeilte Technik gehörte definitiv nicht zu meinem Alltag. Stattdessen habe ich meine Nachmittage draußen verbracht.

Einer meiner Lieblingsorte zum Spielen war der Wald neben unserem Haus. Ich weiß nicht, wie viele Buden wir damals gebaut haben, aber es waren viele und es wurde nie langweilig zwischen dichtem Geäst und grünen Büschen herumzuklettern.

Dank des Herbariums, das ich für die Schule anlegen musste, kannte ich irgendwann jeden Baum und jedes Blatt beim Namen und anders, als man es bei einer Schulaufgabe vielleicht erwarten würde, hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht, Blätter und Blumen zu sammeln, sie zwischen den Seiten dicker Atlanten zu pressen und anschließend nachzuschlagen, wie sie heißen und welche Eigenschaften sie ausmachen.

Linnéa, der kleinen Heldin aus Christina Björks Kindersachbuchreihe, ergeht es da nicht anders. Sie wohnt zwar nicht auf dem Land, doch ihre Liebe zur Natur ist so groß, dass sie auch in der Stadt Wege und Mittel findet, den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen und alles, was grünt und atmet, unter die Lupe zu nehmen. Hilfreich zur Seite stehen ihr dabei Blümle, der alte Herr, den ich bereits in Linnéa im Garten des Malers kennenlernen durfte und Kalle, Blümles Kumpel und Schrebergartenbesitzer.

Die beiden geben sich redlich Mühe Linnéas neugierige Fragen zu beantworten, doch oft reicht auch schon ein Gedankenanstoß, damit sich das Mädchen  einem neuen Projekt widmet.
In ihrem Jahrbuch hält sie ihre Beobachtungen Monat für Monat fest und führt den Leser auf diese Weise nicht nur in die Welt der Pflanzen ein, sondern auch in die der Vögel, Ratten und Eichhörnchen.

Jede Jahreszeit ist gespickt mit tollen Illustrationen, kindgerecht aufbereitetem Fachwissen und Bastelanleitungen, für die man nichts weiter braucht als das, was man vor der Haustür finden kann. So erklärt sie z.B. wie man einen Kranz aus Blumen flicht, was man braucht, um die Vögel im Winter artgerecht zu füttern und wie leicht es ist, eine farbenfrohe Krone aus Ahornblättern zu basteln. Eingebettet ist dies alles in eine kleine Geschichte, in der Linnéa über ihren Alltag plaudert und von ihren Unternehmungen mit den beiden älteren Herren berichtet.

Diese Mischung aus Wissen und Fiktion macht das Buch liebenswert. Christina Björk versteht es hervorragend, anspruchsvolle Inhalte auf kindgerechte Weise zu vermitteln. Sie überfordert junge Leser nicht, sondern weckt ihre Neugier auf spielerische Weise und selbst ich, die ich in der Natur groß geworden bin, konnte während des Lesens noch etwas lernen, z.B. wie man verhindert, dass Blumen während des Pressens ihre Farbe verlieren, was man braucht, um eine Brennnesselsuppe zu kochen und wann man Blumen am besten umtopfen sollte.

Linnéas Jahrbuch ist ein liebevoll illustrierter Begleiter durch die Jahreszeiten und zugleich ein Schatz an Wissenswertem über die heimische Flora und Fauna. Vereinzelte Bastelanleitungen wirken auf den ersten Blick ein wenig kompliziert, doch wenn man sie einmal durchschaut hat, ist die Umsetzung kinderleicht.
Das Buch lädt nicht nur zum Lesen und Betrachten ein, sondern vor allen Dingen zum Ausprobieren, was insbesondere den ganz Kleinen zugute kommt, die den Text noch nicht verstehen, aber sicher Freude am Erkunden und Basteln haben werden.

Eine Empfehlung an all jene, die ihre Kinder nicht vor dem Fernseher parken möchten und auf der Suche nach kindgerecht gestalteten, aber auch anspruchsvollen Kindersachbüchern sind.

Altersempfehlung für den Text: ab 8 bis 9 Jahren
Altersempfehlung fürs Ausprobieren: ab 4 bis 5 Jahren

© Ada Mitsou

64 Seiten / 12,90 € ~ cbj (Juli 1983) ~ ISBN: 9783570006337

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Elisabeth Tova Bailey ~ Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

19 Sonntag Feb 2012

Veröffentlicht von Ada Mitsou in Auto-/Biografie, Sach-/Fachbuch

≈ 8 Kommentare

Schlagwörter

Beobachtungen, Biologie, Forschung, Krankheit, Langsamkeit, Lebewesen

Auf einer Europareise fängt sich Elisabeth Tova Bailey einen Virus ein, der ihr Leben schlagartig ändert. Sie fühlt sich zunehmend schwächer, wird ins Krankenhaus eingeliefert und kämpft dort um ihr Leben. Sie gewinnt den Kampf, ist jedoch fortan in ihrer Bewegung eingeschränkt. Allein das Aufsetzen bereitet ihr Mühe, das Aufstehen wird zu einem Kraftakt, den sie nicht bewältigen kann. Während ihre Freunde und Nachbarn einem geregelten Tagesablauf nachgehen, ist Elisabeth jahrelang ans Bett gefesselt. Ihr einziger Kontakt zur Außenwelt ist ihre Pflegerin, die mehrmals am Tag für eine halbe Stunde vorbeischaut, sowie ihre Freunde, die sie ab und zu besuchen.

Bei einem dieser Besuche bekommt Elisabeth ein Ackerveilchen geschenkt, in dessen Topf eine Schnecke sitzt. Ist sie zunächst ratlos, was sie mit dem Tier anfangen soll, widmet sie ihm bald ihre ganze Aufmerksamkeit. Die Schnecke wird zu Elisabeths Anker in der Isolation und füllt die einsamen Tage mit faszinierenden Beobachtungen und intensiven Studien über das Leben dieser unscheinbaren Spezies. Diese Studien gaben Elisabeth Anlass, „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ zu schreiben.

Das Buch ist anders als andere Bücher, erfordert es doch in besonderem Maße die Geduld und Wissbegier des Lesers. Das Geschriebene lebt nicht von einer abwechslungsreichen Handlung, sondern von leisen Beobachtungen, eingestreuten Gedankengängen und vor allem einer Vielzahl wissenschaftlicher Aufsätze und Untersuchungen.

Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Roman, sondern um eine Kombination aus persönlichem Schicksal und Sachbuch. Streckenweise hätte ich mir gewünscht, dass Elisabeths Leben und die damit verbundenen Gefühle mehr im Vordergrund ständen, denn gerade in der Mitte des Buches geht es hauptsächlich um die biologischen Eigenschaften der Schnecke, um die Beschaffenheit ihrer Zunge, die Konsistenz ihres Schleims und die Nahrungsaufnahme, wodurch das Gelesene jenen Lehrbüchern gleicht, die Elisabeth zu Rate zieht.

Und doch sind diese Fakten nicht langweilig, denn wenn man sich einmal auf die Form des Buches eingelassen hat, steigt die Faszination mit jeder Eigenschaft der Schnecke ein wenig mehr. Ich war erstaunt, mit welchen sonderbaren Eigenschaften dieses kleine, scheinbar langweilige Tier ausgestattet ist, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, wie viel in ihr steckt. Und durch Elisabeths vermenschlichende Beschreibungen – ihr wird die Schnecke zu einer ungewöhnlichen Freundin – fiel es mir nicht schwer, Zugang zu den Fakten zu finden, zumal sich die Autorin auf die wichtigsten Fachausdrücke beschränkt und sich abseits davon einer leicht verständlichen Sprache bedient.

„Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ ist die Wertschätzung der Entschleunigung in Buchform, denn die gerade mal 176 Seiten strömen eine wohltuende und merkwürdigerweise auch herzerwärmende Ruhe aus. Zwar muss man sich darauf einlassen können, damit man das Gelesene nicht als langweilig empfindet, doch wenn man dies kann, wird man mit der Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und ansprechend aufbereitetem Fachwissen belohnt.

Am Ende hätte ich gerne selbst eine Schnecke, wüsste ich nicht, dass sich die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum am wohlsten fühlen. Stattdessen freue ich mich, dass jemand anderes die Aufmerksamkeit und Geduld aufgebracht hat, dieses kleine Wesen unter die Lupe zu nehmen, denn auch wenn ich das Wissen nicht unbedingt brauche, so war es doch eine besondere Erfahrung, es in mich aufzunehmen.

© Ada Mitsou

176 Seiten / 16,90 € ~ Nagel & Kimche (Februar 2012) ~ ISBN: 3312004985

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