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Die Germanistin

Im Lesesaal der Universität lernt er eine junge, burschikose Kommilitonin kennen, die Germanistik studiert und sich zur selben Zeit mit ihrer Abschlussarbeit bezüglich Schillers Werke befasst. „Wenn du den Mann nicht liebst, über den du deine Dissertation schreibst, wird es trockenes Zeug“, sagt sie eines Tages zu ihm.
Auf diesen Anstoß hin und wegen seiner Zuneigung zu ihr, versucht der Ich-Erzähler Paul Michel ausfindig zu machen. Dieser sitzt seit zehn Jahren in einer psychiatrischen Anstalt in Frankreich, doch auf einigen Umwegen gelingt es dem Studenten ein Treffen mit dem Schriftsteller zu arrangieren.
Ein Taumel aus Sommerreise, Homosexualität, Liebe und kuriosen Zusammenhängen beginnt…

~ Wie liest es sich ~

„Die Germanistin“ (Originaltitel „Hallucinating Foucault“) ist der erste Roman von Patricia Duncker, die 1951 in Jamaica geboren wurde und mittlerweile abwechselnd in England und Frankreich lebt.
In meinen Augen merkt man dem Geschriebenen diese Frische des Debütromans auch an, was jedoch nicht bedeutet, dass er in die Schublade „Amateurhaftes“ passt. Viel mehr steckt hinter den Worten eine gehörige Portion Leidenschaft und auch ein Tempo, wie es nur jemand an den Tag legen kann, der etwas Neues und Großartiges schaffen möchte.

Das Buch ist in vier Teile geteilt:
Zu Beginn und auch als Stein, der alles ins Rollen bringt, wird die Liebesaffäre zwischen der eigensinnigen Germanistin und dem leicht unsicheren Ich-Erzähler geschildert. Daraufhin folgen der Aufbruch des Studenten nach Paris und sein Umherirren durch die Straßen dieser fremden Stadt.
Die ersten beiden Teile lesen sich gut, auch wenn die Handlung noch etwas zögerlich vor sich hinplätschert.

Erst in den beiden darauf folgenden Teilen, in denen der Ich-Erzähler Paul Michel und seine Lebensweise kennen lernt, wird ein Spannungsbogen aufgebaut. Dabei handelt es sich um eine gefühlsgeladene Spannung, die zwar nicht außergewöhnlich viel Abenteuer bietet, aber auf mich sehr fesselnd wirkte.
Habe ich die ersten Seiten eher ab und zu nebenbei gelesen, konnte ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr aufhören und verbrachte eine halbe Nacht nur mit Lesen, um zu erfahren, wie es mit Paul Michel weiter geht.
Dieser ist übrigens eine rein fiktive Person, was man dem Schreibstil Dunckers jedoch nicht anmerkt. So, wie sie sein Leben und seine Persönlichkeit konstruiert hat, glaubt man ihr durchaus, dass es ihn wirklich gab und man seine Werke jederzeit in Bibliotheken finden könnte.

Die Autorin mag vielleicht keinen besonders herausragenden Schreibstil haben, doch das, was sie sagt, hat mich gefesselt und berührt, weshalb ich mir einige Passagen notiert habe.
Natürlich gibt es zwischen einem Werk und seinen unterschiedlichen Lesern viele verschiedene und manchmal auch gar keine Berührungspunkte. Für mich ist dieses Buch jedoch schnell zu einem meiner Lieblinge geworden. Die Leidenschaft und Eindringlichkeit mit der die Autorin die Beziehungen beschreibt, wirken erfrischend. Die Hintergründe regen zum Nachdenken an.

~ Fazit ~

Alles in allem handelt es sich bei „Die Germanistin“ um gute, leicht anspruchsvolle, aber nicht ermüdende Unterhaltung, sodass ich die Reise in die Irrenanstalt in Frankreich nicht bereut, sondern viel mehr genossen habe.
Empfehlenswert!

© Ada Mitsou

208 Seiten / 8,50 € ~ dtv (September 2007) ~ ISBN: 3423135026

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