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Zwanzig Jahre ist es her, dass Julias Sohn Jens spurlos verschwand. Während seine Großmutter schlief, hatte sich der Sechsjährige aus dem Haus geschlichen und war in die Alvar gelaufen – eine weite, öde Landschaft, in der man sich schnell verlaufen kann, wenn man sich nicht auskennt.
Die meisten Bewohner von Stenvik glauben hingegen, dass Jens ertrunken ist, doch Julia will davon nichts wissen. Sie glaubt fest daran, dass Jens noch lebt. Aus Verzweiflung verfällt sie dem Alkohol, nimmt Tabletten und ist arbeitsunfähig. Sie trauert einsam in ihrer Wohnung in Göteborg.
Eines Abends bekommt sie einen Anruf: Gerlof, ihr Vater, ist dran und er möchte, dass Julia nach Stenvik kommt. Jens sei zwar nicht gefunden worden, doch es gäbe neue Hinweise. So wie es aussieht, scheint der Dorfbewohner Nils Kant der Mörder von Jens zu sein. Allerdings gibt es ein Problem: Kant wurde bereits vor Jens Verschwinden begraben…

~ Zur Handlung ~

Öland ist ein sehr ruhiger Krimi, der von seiner dichten Atmosphäre lebt. Die Charaktere sind zwar gewöhnlich – eine trauernde Mutter, ihr Vater, der im Altersheim lebt sowie Dorfbewohner, die ein ruhiges Leben führen und an ihren Wurzeln festhalten – doch die Stimmung ist düster, ja, fast deprimierend. Der Himmel ist grau, das Wetter rau und in Stenvik gibt es kaum noch junge Leute. Nachts pfeift der Wind um die Häuser, die Kälte kriecht in jede Ecke und das Meer liegt unter einer dichten Nebeldecke.
Öland bedeutet Abgeschiedenheit.

Umso erstaunlicher scheint es, dass Julia sich nicht von ihrer Heimat losreißen kann. Vordergründig hält sie die Suche nach ihrem Sohn dort fest, unterschwellig geht es um die Verarbeitung ihrer Trauer. Sie gewinnt neue Freunde, lernt einen Mann kennen und frischt die verloren gegangene Nähe zu ihrem Vater auf.
Sie sammelt Hinweise auf den Verbleib ihres Sohnes, wobei eigentlich Gerlof die treibende Kraft ist. Er hat eine Theorie, doch die muss erstmal bewiesen werden. Bei ihren Recherchen geraten die beiden immer tiefer in einen Strudel aus mysteriösen Geheimnissen…

~ Zum Stil ~

Theorin erzählt dabei zwei Handlungsstränge parallel. Einerseits lässt er den Leser an der Gegenwart teilhaben, sodass man erfährt, wie es Julia ergeht. Man begibt sich mit ihr und Gerlof auf Spurensuche und weiß nur so viel wie die beiden. Andererseits liest man die Geschichte von Nils Kant, dem vermeintlichen Mörder, der nicht nur ein Leben auf dem Gewissen hat.
Man könnte glauben, dass sich die Geschichte durch die Erzählweise recht schnell aufdröselt, doch dem ist nicht so. Erst gegen Ende des Buches erfährt der Leser die Wahrheit. Vorher bleibt ihm nichts anderes übrig als auszuharren und zu rätseln.

~ Schnelle Auflösung? ~

Ich hatte etwa ab der Mitte des Buches jemanden im Verdacht, doch sicher war ich mir nie. Ich finde also nicht, dass der Tathergang sehr schnell erschließbar ist. Allerdings empfand ich auch keine außergewöhnliche Spannung während des Lesens. Die Charaktere konnten mich nicht richtig gefangen nehmen, viel mehr hatte ich die ganze Zeit ein Gefühl von Distanz. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Handlung solide und glaubwürdig konstruiert ist und das Ende eine Überraschung in sich birgt.

~ Fazit ~

Mir persönlich war der Krimi ein bisschen zu ruhig. Wer jedoch nicht so starke Nerven hat, könnte an „Öland“ Gefallen finden. Die Atmosphäre ist dicht, der Leser springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her und wird schließlich mit einem ausgetüftelten Ende belohnt.
Alles in allem ein solider, ruhiger Krimi, der von mir 4 Sterne bekommt.

Teil 2 / Teil 3

© Ada Mitsou

446 Seiten / 9,95 € ~ Piper (20. Februar 2009) ~ ISBN: 3492253687

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