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Vincent Delecroix (geboren 1969) schrieb bereits mehrere Romane und lehrt derzeit in Paris Philosophie – ein Fach, das sich in seinem Werk „Der Schuh auf dem Dach“ wieder findet. Tiefgründig legt er in zehn kurzen Episoden die menschliche Seele frei, hinterfragt Lebensstile und sinniert über scheinbar zufällig beobachtete Begebenheiten.

Der Schuh auf dem Dach

Wie Kurzgeschichten lesen sich diese Episoden und doch muss man sie eigentlich nacheinander lesen, da sie aufeinander aufbauen und einen Verbindungspunkt haben: den Schuh auf dem Dach.
Ein kleines Mädchen glaubt, dass ein Engel ihn dort verloren habe. Der betrogene Exfreund schmeißt den Schuh seines Rivalen aus dem Fenster. Ein verlassenes Mädchen erinnert sich daran, wie ihr Geliebter den Schuh dort verloren hat. Ein neugeborener Philosoph braucht ihn nicht mehr…
Die Menschen, die in dem Buch zu Wort kommen, sind grundverschieden und doch verbindet sie ihre Menschlichkeit. Sie tauchen ein in ihre Gedankenwelt, lassen ihre Träume zur Realität werden und empfinden Leid und Missgunst ebenso wie Mitgefühl und Liebe.

Auf den ersten Blick hat sich Delecroix schlichte Themen ausgewählt und doch hat fast jede seiner Ideen etwas Originelles, Besonderes. Der Schreibstil ist flüssig und der Einsatz von sprachlichen Bildern stimmig, allerdings habe ich mich beim Lesen mehrmals dabei ertappt, wie ich mit meinen Gedanken abschweifte – nicht nur weil mich das Erzählte dazu anregte, sondern weil mir die Leidenschaft in der Umsetzung fehlte.
So sehr mir die Aussage, die Essenz einer Episode auch gefiel, ich musste mich immer mal wieder dazu ermahnen, mit den Augen am Text zu bleiben. Ein Grund dafür könnte u. a. auch der regelmäßige Gebrauch von Wiederholungen sein, die mich im Laufe einer Geschichte zunehmend störten. Das ist sicher nicht bei jeder Episode der Fall, aber leider doch recht häufig.

Eigentlich schade, dass Inhalt und Stil nicht immer einhergehen, denn sonst hätte „Der Schuh auf dem Dach“ ein kleines Highlight für mich sein können. So jedoch muss der Roman eineinhalb Sterne einbüßen.

Für Fans von: Philosophischen, ruhigen Geschichten mit viel Menschlichkeit, aber wenig Tempo und Spannung.

© Ada Mitsou

217 Seiten / 16,90 € ~ Ullstein (1. April 2009) ~ ISBN: 3550087713

 

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