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Flavia de Luces Leben gleicht nicht unbedingt dem anderer Kinder. Die Elfjährige wohnt in einem großen englischen Herrenhaus und hat ein eigenes, großartig ausgestattetes Chemielabor, dafür aber keine Freunde. Ihre Mutter Harriet kam beim Bergsteigen in Tibet ums Leben, ihr Vater verkriecht sich mit seinen Briefmarken im Arbeitszimmer und mit ihren Schwestern Ophelia und Daphne gibt es immer nur Streit. Zuneigungsbekundungen liegen den de Luces einfach nicht im Blut. Stattdessen widmet sich das Mädchen ihrer großen Leidenschaft, der Chemie und dem Mischen von Gift.
Eines Tages macht Flavia einen sonderbaren Fund im Gurkenbeet: Auf der Erde liegt ein Toter! Das heißt, ganz tot ist er noch nicht, denn als Flavia näher tritt, haucht er noch ein letztes „Vale“ in ihr Gesicht. Die Polizei rückt an, stellt allerlei Fragen, doch Auskunft gibt sie nicht. Demzufolge kreisen in Flavias Kopf Fragen: Wer ist der Fremde, der scheinbar aus Norwegen kommt? Und was hat der Mord mit der toten Schnepfe zu tun, die am Tag zuvor in de Luces Küche lag und eine aufgespießte Briefmarke am Schnabel trug?
Flavia ist zwar allein, aber ziemlich aufgeweckt und so macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit…

~ Wie liest es sich ~

Ich habe Flavias Geschichte ziemlich schnell gelesen, bin aber der Meinung, dass man etwas Zeit für das Buch mitbringen sollte. Flavia beschreibt ihre Umgebung recht genau, was dem Leser zwar die Ortschaft und das Anwesen Buckshaw veranschaulicht, aber eben auch mehr Ruhe in die Geschehnisse bringt. Man lernt sowohl die Familiengeschichte der de Luces kennen als auch die Zusammensetzungen verschiedener Gifte. Gelangweilt habe ich mich dabei nicht, da Flavia immer einen Funken schwarzen Humor in ihre Schilderungen einstreut, allerdings wird das Tempo der Handlung dadurch etwas gebremst.

Die Geschichte an sich ist wohldurchdacht konstruiert, wobei die Auflösung zwar immer recht nahe liegt, aber nie sofort durchschaubar ist. Man merkt jedoch, dass hier ein Kind ermittelt – will heißen, wenn der Leser schon eins und eins zusammengezählt hat, braucht Flavia manchmal einen Tick länger, bis es klick macht.  Ihr großes Aha-Erlebnis ist für den Leser also eher ein „Ja ja, hast du das denn nicht eben schon bemerkt?!“
Nichtsdestotrotz rätselt man mit und folgt der Elfjährigen auf Schritt und Tritt.

Bemerkenswert ist die dichte Atmosphäre in dem Roman. Bradley versetzt einen ins England der 1950er Jahre, malt mit seinen Worten weite Landschaften und staubige, verwinkelte Zimmer im Hause Buckshaw. Die Charaktere sind allesamt recht gut gezeichnet, auch wenn manche eher am Rande berührt werden. Der Schreibstil ist leicht zu lesen, manchmal etwas ausschweifend, aber im Ganzen unterhaltsam. Die Auszeichnung mit dem Dagger Award halte ich also für gerechtfertigt, wobei ich anmerken möchte, dass es sich um den Debut Award für Autoren, die bisher noch nichts veröffentlicht haben, handelt.

~ Fazit ~

Wer englischen Humor und leichte Spannung mag, ist bei Flavia de Luce bestens aufgehoben. Wer jedoch große Knalleffekte und eine temporeiche Handlung erwartet, könnte enttäuscht sein.
Mir hat der Roman trotz seiner kleinen Schwachstellen gut gefallen. Die Atmosphäre hat mich gefangen genommen und das eigenwillige Mädchen war mir sympathisch. Die Stimmung wertet in meinen Augen also das auf, was bei der Ermittlung hin und wieder etwas verloren geht.
Ein Roman, der an dunklen Abenden gemütlich vor dem Kamin gelesen werden will!

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© Ada Mitsou

384 Seiten / 19,95 € ~ Penhaligon (14. September 2009) ~ ISBN: 3764530278

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