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Neles Mutter bekommt ein Baby, gerade jetzt, wo sie doch eigentlich beschlossen hatte, wieder arbeiten zu gehen! Doch der Plan steht: In der ersten Zeit bleibt Neles Mutter zuhause, dann kümmert sich ihr Vater um den Haushalt und die Kinder. Der dreijährige Gussi kommt mit dem Rollentausch gar nicht klar, doch Nele sieht das alles recht entspannt, zumal sie doch im Moment ganz andere Sorgen hat: Sie ist in Oliver verliebt, den Jungen, der in ihre Klasse geht und sie einmal so schwermütig angesehen hat. Mit ihrer besten Freundin Katta denkt sie sich wirksame Flirt-Strategien aus, doch genauso wie im Haushalt geht auch in Neles Liebesleben einiges schief…

Emanzipation steht in diesem Buch groß geschrieben. Was passiert, wenn Mütter plötzlich beschließen, arbeiten zu gehen? Und wie gehen die Schulfreunde damit um, dass Neles Papa, also ein Mann, die Hausfrau mimt?
Boie lässt die Thematik in die Handlung einfließen, ohne dabei allgemeine Probleme des Erwachsenwerdens außer acht zu lassen. So führt Nele eigentlich zwei Leben: Auf der einen Seite ist sie die große Schwester, die ihren Bruder tröstet, und die Tochter, die versucht zwischen den Eltern zu schlichten. Auf der anderen Seite möchte sie ihre erste Liebe erobern und erhofft sich in ihrer besten Freundin Katta eine geeignete Ansprechpartnerin.
Die Erzählweise kam mir dabei sehr dicht vor und die Geschichte wirkt auch sehr rund. Zwar wird der kleine Jakob, der ja immerhin den Titel ausmacht, nur am Rande erwähnt, doch letztlich ist es das Baby, das den Stein ins Rollen bringt. Es geht alles ein wenig drunter und drüber, doch die Handlung verfolgt stringent den roten Faden.
Klischees bezüglich der Emanzipation werden eigentlich nur durch Neles Mutter bedient, die hin und wieder versucht, sich vor Nele zu rechtfertigen, indem sie ihre eigene Erziehung und typische Rollenklischees anspricht. Doch im Ganzen handelt es sich um eine schöne Familiengeschichte, in der zwar Veränderungen vor sich gehen, aber letztlich doch alles irgendwie hinzubekommen ist. Der Umgang miteinander ist liebevoll, die kleinen Streitereien wirken sehr menschlich und Pubertierende können Neles Gefühle sicher nachempfinden.
Ein schnell zu lesendes Buch, das mir gut gefallen hat.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

© Ada Mitsou

121 Seiten / gebraucht erhältlich ~ Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (2006) ~ ISBN: 3866151314

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