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In den letzten Jahren habe ich mich hin und wieder mit Kunst beschäftigt, wobei es verschiedene Phasen gab: Mit 14 Jahren faszinierten mich die Bilder von Dali, einige Zeit später folgten die Gemälde Van Goghs und im Augenblick gefallen mir die Werke von Gustav Klimt, um dessen Leben und Werk es in diesem Bildband geht.

~ Ein Künstler und seine Zeit ~

Der Inhalt des Bildbandes teilt sich in verschiedene Bereiche, die jedoch alle aufeinander aufbauen und ein Ganzes bilden. Zu Beginn wird die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage Wiens zur Jahrhundertwende beschrieben. Denkt man zuerst, diese Informationen seien vielleicht überflüssig, so wird man schnell feststellen, dass das Wissen durchaus notwendig ist, um die Arbeiten und das Leben von Klimt einordnen zu können. Die Autorin hat sich dabei jedoch auf das Notwendigste beschränkt und die Ereignisse kurz und prägnant zusammengefasst. Dieser Abschnitt lässt sich sozusagen als Einleitung verstehen, die die geschichtlichen Rahmenbedingungen zum Ausdruck bringt.

Nach dieser kurzen Einführung beginnt die Auseinandersetzung mit Klimt, wobei man sehr viel über den Künstler erfährt, zugleich aber auch interessante Informationen beigefügt sind (so z.B. über die Entstehung des Jugendstils oder der Fotografie). Um diese Geschehnisse zu untermauern, bringt Partsch regelmäßig relevante Zitate von Literaten oder damaligen Kunstkritikern ein, die verdeutlichen, wie Klimts Werke zu seiner Zeit auf die Öffentlichkeit wirkten und was diese Kritiken bei dem Künstler selbst auslösten.

Stehen die Werke und das Leben Klimts im Vordergrund, so findet man auch immer wieder Seitensprünge in damit verbundene Gebiete, die sich sowohl mit der damaligen Gesellschaft als auch mit den Gewohnheiten der Künstlerkreise und deren Beziehungen beschäftigen. Man kann das Buch also nicht nur als Biographie, sondern in gewissem Maße auch als Fachbuch der Geschichte verstehen. Die Sprache, die Partsch dabei wählt, ist nicht trocken und es liegt auch keine langweilige Aneinanderreihung von Daten vor. Vielmehr ist es sehr interessant und man nimmt das Wissen wie nebenbei auf. Nichts desto trotz handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um ein Sachbuch.
Neben Klimts Leben werden auch seine Werke genauer unter die Lupe genommen, d.h. man findet mehrere Seiten, die sich mit nur einem Gemälde beschäftigen und probieren, Deutungsversuche zu liefern. Ebenso verhält es sich mit Klimts Darstellung der Frauen, welcher ein ganze Kapitel gewidmet ist.

Diese Vielseitigkeit macht das Buch in meinen Augen zu einem gelungenen Werk, das sich nicht nur auf den Künstler beschränkt, sondern auch Einblicke in die damalige Zeit und die damit verbundenen Entwicklungen gibt. Natürlich sollte man sich ein wenig dafür interessieren, da einem das Geschriebene sonst wahrscheinlich zu langweilig wird, ich empfinde die gegebenen Informationen jedoch als Bereicherung. Die Texte sind gut verständlich und erweitern das Allgemeinwissen, ohne dabei zu trocken oder steif zu wirken.
Durch den Aufbau wirkt das Buch sehr rund und die Übergänge von einem Thema zum nächsten sind fließend, sodass man gedanklich keine Sprünge machen muss und den Ereignissen gut folgen kann. Diese bauen aufeinander auf und ergänzen sich Stück für Stück, ohne dass einem nach dem Lesen der Kopf qualmt. Allerdings ist es schon anstrengender als die Lektüre eines Romans, weshalb man sich zum Lesen des Buches etwas mehr Zeit und Ruhe nehmen sollte. Wer tiefer in die Materie vordringen möchte, ist mit dem vorliegenden Buch jedoch bestens ausgestattet.

~ Die Farbtafeln ~

Das Buch enthält über 100 Farbtafeln und Zeichnungen. Bei den Zeichnungen handelt es sich vorwiegend um Klimts Aktskizzen, die recht einfach gehalten, aber durchweg klar abgedruckt sind.
Die Farbtafeln sind jedoch weitaus prachtvoller. Sie sind ausreichend groß abgebildet und lassen sich teilweise sogar ausklappen, sodass man einen Überblick über Gemälde bekommt, die sich über drei Wände ziehen. Details kann man sehr gut erkennen und auch die Farben sind den Originalen entsprechend, d.h. sie sind nicht zu blass, aber auch nicht künstlich grell. Zudem gibt es bei einigen Motiven Vergrößerungen. Man sieht also auf der einen Seite das Gesamtbild und auf der anderen nur einen vergrößerten Ausschnitt davon. Ich war erstaunt, wie anders die Bilder wirken können, wenn man nur einen kleinen Teil davon sieht. Wirken Klimts Bilder im Ganzen meist sehr kräftig und bunt, so sehen die vergrößerten Ausschnitte eher blass und gewöhnlich aus. Diese Art der Abbildung eröffnet also ganz neue Perspektiven (im wahrsten Sinne des Wortes).

Das einzige, was mir an der Aufteilung der Bilder nicht so gut gefällt, ist ihre Positionierung. So wird auf Seite 12 z.B. von der Wiener Gesellschaft geredet und auf Seite 13 ist eine Aktzeichnung abgebildet. Die Themen passen da irgendwie nicht recht zusammen. Außerdem ist es so, dass man auf einer Seite ein paar detaillierte Angaben zu einem Bild findet, dieses Bild jedoch viel weiter vorne oder hinten abgebildet ist. In meinen Augen wäre es sinnvoller gewesen, die beiden Bereiche enger miteinander zu verbinden, d.h. auf der einen Seite die Informationen und auf der anderen Seite das entsprechende Bild.
Alles in allem sind die Bilder jedoch klar zu erkennen und bereichern den Text um ein Vielfaches.

~ Die Autorin und ihr Stil ~

Susanna Partsch promovierte in Kunstgeschichte an der Universität in Heidelberg und lebt nun nach zahlreichen Publikationen und mehrjähriger Tätigkeit an einem Museum als freischaffende Kunsthistorikerin in München.
Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, bin ich der Meinung, dass die Autorin ihr Handwerk ganz gut versteht und man merkt, dass sie sich nicht bloß mit den vorliegenden Bildern beschäftigt hat, sondern auch mit dem geschichtlichen Hintergrund, der einen interessanten Rahmen für Klimts Werke bildet.
Ihre Schreibweise ist klar verständlich und die Wortwahl nur mit den nötigsten Fachwörtern gespickt, allerdings kann man die Lektüre nicht unbedingt als umgangssprachlich bezeichnen. Die Sätze sind klar und prägnant, halten jedoch durchweg ein höheres Niveau. In meinen Augen ist das Buch also durchaus für Laien geeignet (man muss keine große Ahnung von Kunst haben), allerdings eignet es sich aufgrund der Sprache und den Deutungsversuchen der Bilder ebenso für Experten. Ein wenig geschichtliches Vorwissen ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.

~ Fazit ~

Ich bin mit dem Buch „Klimt – Leben und Werk“ von Susanna Partsch eigentlich fast rundum zufrieden. Es ist ein sehr informatives Werk, das nicht nur auf den Künstler selbst, sondern auch auf die damaligen Rahmenbedingungen eingeht. Zudem liefert es viele Bildbesprechungen, wobei besonders die Darstellung der Frauen in einem Extrakapitel hervorgehoben wird und zum Verständnis der Gemälde beiträgt. Ein paar von Klimts Werken sind in Form von Farbtafeln abgebildet. Diese sind klar abgedruckt, haben die richtigen Farbwerte und bieten zudem die Möglichkeit in andere Perspektiven zu schlüpfen (s. Vergrößerungen). Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist die Positionierung der Bilder, da diese manchmal nicht zu dem abgedruckten Text passen. Durch die gute Übersichtlichkeit, die verständliche Sprache und die vielseitigen Aspekte vergebe ich aber insgesamt 4,5 Sterne.

© Ada Mitsou

320 Seiten / gebraucht erhältlich ~ Parkland (2004) ~ ISBN: 3893400575

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