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Hester ist kein gewöhnliches Kind. Seit sie denken kann, lebt sie mit ihren Eltern Sack und Stiefel in einem abgelegenen Haus, welches sie nie verlassen darf. Zwar ist sie schon mal heimlich bei ihrem Freund dem Baum gewesen, doch bereits beim zweiten Besuch wird sie von ihrer Mutter erwischt und hart bestraft. In deren Augen ist das kleine Mädchen eine Missgeburt, weil es viel zu spät geboren wurde, nichts im Kopf hat und eigentlich gar nicht auf der Welt sein dürfte. So besteht Hesters Alltag aus der Schikane ihrer Mutter, den nächtlichen Besuchen des Vaters und einer Menge Hausarbeit. Der einzige Trost sind ihre Freunde Katze, Axt, Türknauf und Löffel. Sie sprechen mit ihr und lösen Gedanken aus, die unerwartete Ereignisse nach sich ziehen…

Lichterloh ist ein verstörendes Buch! Direkt zu Beginn wirkt es befremdlich, die Welt mit Hesters Augen zu sehen, da das Mädchen im Laufe der Zeit ihre ganz eigene Sichtweise entwickelt hat. Gegenstände werden vermenschlicht, Menschen verdinglicht. Verstehen kann man Hesters Ausdrucksweise nach wenigen Seiten trotzdem, jedoch nicht das Leid, das ihr widerfährt. Nicht nur einmal fragt man sich, wie viel eine Kinderseele aushalten kann. Nicht nur einmal starrt man fassungslos auf die gedruckten Zeilen.
Deren Inhalt ist bedrückend, die Atmosphäre im Haus der Familie kalt und brutal und die Gewalt, die Hester zugefügt wird, spiegelt sich auf abstrakte Weise in ihrem Seelenleben wieder. Nichtsdestotrotz spürt man im hintersten Winkel auch einen Funken Hoffnung. Vielleicht liegt das an der kindlichen Unschuld, vielleicht aber auch an Hesters Realitätsfluchten, die ihr immer wieder Halt geben und zumindest anfangs schimmernde Bilder im Leser hervorrufen. Dominierend in diesem Werk sind jedoch die Grausamkeiten einer psychisch kaputten Familie und deren verheerende Folgen.
Nichts für schwache Nerven, aber auf seine ganz eigene Art ein kleines Meisterwerk!

© Ada Mitsou

173 Seiten / 16,95 € ~ Fahrenheit (März 2009) ~ ISBN: 3940813141

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