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»Die Karten geben uns die Möglichkeit, daheim und dicht vor unserem Auge die Dinge zu betrachten, die am weitesten entfernt sind.«
(Johann Blaeu, Kartograf, 1663)

Christine Westermann zückte neulich in ihrer west.art Büchersendung dieses hellblaue Buch und weckte mit wenigen Worten sofort mein Interesse: Es lade mit dem Finger auf dem Atlanten zum Insel-Hopping ein.
Solche Gedankenreisen finde ich faszinierend und Judith Schalansky schafft  mit ihrem „Atlas der abgelegenen Inseln“ die besten Voraussetzungen dafür.

„Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde“ lautet der Untertitel und der Grund dafür ist nachvollziehbar: Viele der in dem Atlas vorgestellten Inseln sind nur schwer erreichbar. Sie liegen tausende von Kilometern vom Festland entfernt im Ozean und sind teilweise von dickem Eis oder gefährlichen Felsen umgeben. Nichtsdestotrotz wurde jede von ihnen irgendwann entdeckt, wenn auch nicht immer betreten.

Die Autorin, die bereits als Kind gerne in Atlanten blätterte und so auf Reisen ging, hat diese Inseln nach den fünf  Ozeanen unterteilt (klick aufs Bild). Jede Insel beansprucht zwei Seiten, wobei auf der einen Seite der Name, die Entfernungen zum Rest der Welt, wichtige historische Daten und Anekdoten festgehalten sind. Auf der anderen Seite ist die maßstabsgetreue topographische Abbildung der jeweiligen Insel zu finden.

Diese Aufmachung gibt dem Buch den Charakter eines Atlanten oder Bildbandes, jedoch ohne dass das Geschriebene dabei in den Hintergrund rückt. Gerade die inselspezifischen Geschichten wecken im Leser die Neugier, sich ausgiebiger zu informieren, sodass ich nicht nur einmal bei google gesucht habe und auch fündig geworden bin.

Schalansky erzählt dabei nie alles, aber doch immer eine spannende, romantische, interessante oder ernüchternde Anekdote. Wir erfahren von Amelia Earharts letztem Flug, der lebenslangen Suche nach einem Schatz oder krabbenfressenden Ameisen.
Manche der Geschichten nehmen einen gefangen, andere sind einfach nur informativ, doch jede von ihnen empfand ich als spannend.

Ich bin froh, dass ich dieses Kleinod geschenkt bekommen habe, denn der stolze Preis von 34 Euro wirkt doch eher abschreckend. Die Aufmachung und der Inhalt sind zwar sehr ansprechend, allerdings bedeutet diese Form von Literatur für mich Luxus.
Wer es sich jedoch leisten kann und sich gerne weiterbilden oder  in Gedanken reisen möchte, sollte unbedingt zugreifen!

Update: Mittlerweile gibt es das Buch auch als Taschenatlas für 14,99 €.

© Ada Mitsou

144 Seiten / 34 € ~ mare (15. September 2009) ~ ISBN: 3866481179