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Avner ist zwölf Jahre alt und lebt mit seinen Eltern in Israel. Die beiden streiten sich in letzter Zeit sehr oft und in Avners Klasse läuft auch nicht alles so, wie es sollte. Die Gemeinschaft hat sich in zwei Gruppen gespalten: Die einen sind beliebt und werden zu Festen eingeladen, die anderen sind unbeliebt und werden ignoriert oder verspottet.
Als ein neuer Mitschüler – Alex – in die Klasse kommt, wird zum ersten Mal offen über diese Spaltung geredet. Allen voran erhebt Dafi das Wort, ein mutiges Mädchen, in das Avner schon lange verliebt ist. Doch so wie es scheint, möchte sie viel lieber mit Alex zusammen sein. Trotz dieser Wirrungen entsteht zwischen den dreien eine tiefe Freundschaft, nicht zuletzt auch dadurch, dass Alex Hilfe braucht. Er hat Krebs und so wie es aussieht, geht es ihm immer schlechter…

Gila Almagor hat bereits mehrere Kinderbücher geschrieben und setzt sich zudem für krebskranke Kinder ein. Sie ist also im Leben sehr nah an der Handlung von „Alex, Dafi und ich“ dran. Umso mehr hat es mich gewundert, dass die Kinder in ihrem Buch oftmals gar nicht so reden, wie Kinder es in dem Alter eigentlich täten. Manchmal kam es mir so vor, als spreche die erwachsene Gila durch den Mund der zwölfjährigen Dafi.
Dadurch wirkt die Figur zu Beginn etwas hölzern und wenig authentisch. Sie sei entsetzt von der Arroganz ihres Mitschülers, heißt es mitten im Streit und er solle sich schämen. In meinen Augen sind das Worte, die Erwachsene benutzen, nicht aber Siebtklässler, die sich in einer sehr emotionalen Situation aufregen.
Im Laufe des Buches tritt dieser störende Aspekt jedoch etwas in den Hintergrund.

Wir erfahren viel über Avners Gedanken, die er nicht immer offen aussprechen kann. Er ist ein sehr nachdenklicher Junge, manchmal trotzig, aber mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Und er möchte nichts lieber, als dass Alex wieder gesund wird. Doch je länger die Krankheit präsent ist, desto geringer wird die Chance, dass sein Freund überlebt.

Hoffnung ist ein wichtiger Bestandteil des Buches. So traurig Alex Geschichte auch ist, so gibt es doch immer etwas, das Mut macht. Sei es klassische Musik, der neue Zusammenhalt in der Klasse oder die Erfüllung eines großen Wunsches. Selbst Avners Eltern vertragen sich irgendwann wieder, was für mich zwei Gegensätze gegenüber stellt: Auf der einen Seite ist die Geschichte sehr traurig und emotional. Auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele „Heile Welt“-Elemente, die mich manchmal störten. Der Vater kommt in der schlimmsten Zeit plötzlich wieder zurück, obwohl er vorher unausstehlich war. Die Jungen der Klasse halten plötzlich selbstlos zusammen, obwohl wenige Seiten zuvor noch böse Worte fielen. Und Avner, der so verliebt in Dafi ist, tritt aufopferungsvoll in den Hintergrund, als er merkt, wie sehr sich Alex und Dafi lieben. Hm. Für mich war das manchmal etwas zuviel des Guten. So als wolle einen die Autorin regelrecht darauf stoßen, wie wichtig der Zusammenhalt in schweren Zeiten ist.

Alles in allem ist „Alex, Dafi und ich“ jedoch kein schlechtes Buch. Sieht man von der hier und da auftretenden Unglaubwürdigkeit ab, kann einen das Erzählte gefangen nehmen und sehr berühren. Vielleicht wäre vieles glaubhafter gewesen, wenn Avner und seine Freunde ein, zwei Jahre älter gewesen wären und am Ende nicht alles diesen Hauch von Friede, Freude, Eierkuchen gehabt hätte. So schwanke ich bei der Bewertung zwischen drei und vier Sternen.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

© Ada Mitsou

215 Seiten / 14,90 € ~ Hanser (2005) ~ ISBN: 3446206442

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