Schlagwörter

, , ,

In Oslo werden ungewöhnlich viele Frauen als vermisst gemeldet. Sie sind jung, verheiratet und haben Kinder. Die einzige Auffälligkeit: Fast immer steht ein Schneemann im Garten der betroffenen Familien und keiner weiß, wer ihn gebaut hat. Die Ermittlungen deuten auf Mord hin, doch die Zahl der Verdächtigen steigt. Es beginnt eine rasante Verfolgungsjagd, die Harry Hole den Kragen kosten kann…

Vorweg: Ich habe die fast 500 Seiten an zwei Tagen verschlungen. Es mangelt also keineswegs an Spannung! Die Kapitel sind so kurz, dass man stets denkt: „Eins noch!“, was nicht zuletzt auch an dem ein oder anderen Cliffhanger liegt.

Die meiste Zeit begleiten wir den alkoholkranken Kommissar bei seinen Ermittlungen. Eigentlich ist er ziemlich am Ende: Er lebt allein, hängt seiner großen Liebe nach und kann die Finger nicht vom Alkohol lassen. Doch Hole ist clever! Er hat ein Gespür für die Feinheiten, auf die es ankommt und rückt so dem wahren Täter immer näher. Bedauerlich ist allerdings, dass ich eben jenen schon sehr schnell erraten konnte. Zwar gibt sich der Autor redlich Mühe, eine Reihe von Verdächtigen ins Visier des Lesers zu rücken, doch die entscheidenden Hinweise sind – wenn auch manchmal unterschwellig – so offensichtlich, dass die Konstruktion drum herum hauptsächlich zur Unterhaltung dient, nicht aber zum Rätseln.

Überhaupt ist das Buch randvoll gefüllt mit falschen Spuren, actionreicher Handlung und Ausschweifungen in Holes Privatleben, sodass ich im Ganzen eher der Meinung bin, dass weniger mehr wäre. Da jedoch der Schreibstil so fesselt, fällt dieser Schwachpunkt nicht allzu sehr ins Gewicht. Außerdem bergen die ausgeklügelte Personenkonstellation, die ungewöhnliche Tatwaffe und der sympathische Kommissar eine gewisse Originalität in sich.

Ein Hinweis für die Zartbesaiteten: Die Morde selbst sind recht grausam, werden jedoch überwiegend so beschrieben, dass die Phantasie des Lesers den größten Schockeffekt erzeugt. Es geht zwar hier und da blutig zu, allerdings nehmen diese Szenen nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der Handlung ein. Im Vordergrund stehen Holes Gedanken, sein Verhältnis zu den Kollegen und die Befragung der Verdächtigen.

„Schneemann“ war mein erster Harry-Hole-Krimi und ich überlege ernsthaft, mir weitere Teile der Reihe anzuschaffen. Aufbau und Stil haben mich überzeugt und abgesehen von ein paar kleinen Schwachstellen und Übertreibungen, halte ich das Buch für einen spannenden, mitreißenden Krimi, der mich in seinen Bann ziehen konnte!

© Ada Mitsou

488 Seiten / 9,95 € ~ Ullstein Tb (1. Oktober 2009) ~ ISBN: 3548281230

Advertisements