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Martijn van Vliet ist zum letzten Mal in St. Remy gewesen, um seine Tochter Lea im Hospiz zu besuchen. Nach ihrem Tod sitzt er in einem Straßencafé, wo er auf Adrian trifft, einen Chirurgen im vorzeitigen Ruhestand. Die beiden Herren kommen ins Gespräch und obwohl sie einander fremd sind, öffnet sich Martijn und erzählt Leas Geschichte:
Nachdem Cecile, ihre Mutter, gestorben ist, zieht sich das achtjährige Mädchen immer mehr in sich zurück. Erst als sie zufällig dem Geigenspiel einer geheimnisvollen Frau lauscht, scheint ihr Wille wieder zum Leben zu erwachen. Sie möchte Geige spielen und Martijn setzt in den folgenden Jahren alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Allerdings weiß er nicht, dass diese neue Leidenschaft den Untergang der kleinen Familie bedeutet…

Pascal Mercier möchte den Leser mit „Lea“ berühren. Mit voller Wucht soll ihn ihr Schicksal treffen, allerdings gelingt ihm das in meinen Augen nur bedingt. Zwar war ich beim Lesen nach wenigen Seiten gefesselt, jedoch nicht auf emotionale, anrührende Weise. Dafür wirkt das Geschriebene zu distanziert und nüchtern. Viel mehr motiviert der flüssige Stil zum Weiterlesen und auch die Frage, wie die Geschichte ausgeht. Martijn streut immer wieder Andeutungen ein, doch den Ausgang erfährt man erst gegen Ende des Buches. Leider hatte diese „Auflösung“ keinen großen Überraschungseffekt für mich und die volle Wucht blieb auch aus.

Wir erfahren wie Lea aufblüht, aber auch wie sie abstürzt. Ihr Schicksal könnte berühren, da der Tod ihrer Mutter etwas in ihr zerbrochen hat, das nicht mehr heilt und sich durch ihr Leben zieht wie ein roter Faden. Sie kämpft und scheitert trotzdem. Warum die Geschichte mich dennoch nicht berührt hat, kann ich schwer ausmachen. Vielleicht liegt es an Martijns von Selbstmitleid angehauchter Erzählweise, vielleicht auch an der mangelnden Tiefe hinter den Worten, wodurch „Lea“ für mich zwar ein interessantes Werk ist, jedoch keines, das mir längerfristig im Gedächtnis bleibt.

Fans von „Nachtzug nach Lissabon“ könnten also von dem Buch enttäuscht sein.

© Ada Mitsou

253 Seiten / 9 € ~ btb (6. Juli 2009) ~ ISBN: 344273746X

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