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Vorweg: Diese Rezension (wie auch manch andere zu diesem Buch) könnte ein paar Ereignisse verraten, die man als Leser lieber selbst herausfinden möchte. Allerdings sind sie ein wesentlicher Bestandteil der Handlung, weshalb ich sie nicht weglassen kann.

Lasst uns Arznei aus mächt’ger Rache mischen,
Um dieses Todesweh zu heilen!

Der 51jährige Julius Winsome lebt abgeschieden von der Gesellschaft in einer Hütte mitten im Wald. Sein Lebensinhalt besteht darin, ab und zu als Gärtner oder in einer Autowerkstatt zu arbeiten, um den Rest seiner Zeit ungestört lesen zu können. Diese Leidenschaft hat er von seinem Vater geerbt, der ihm nach seinem Tod nicht nur die Hütte, sondern auch 3282 Bücher hinterlassen hat.
Julius einziger Freund ist Hobbes, ein Pitbullterrier, den er über alles liebt und dessen Gesellschaft ihm vollkommen ausreicht. Ja, man könnte sagen, Julius fühlt sich wohl in der Einsamkeit – bis zu dem Tag, als er draußen in den Wäldern einen Schuss hört und Hobbes nicht mehr nach Hause kommt. Der Hund wurde mit einer Schrotflinte erschossen und so wie es aussieht aus nächster Nähe.
Um die Trauer zu verarbeiten, startet Julius seinen ganz persönlichen Rachefeldzug…

„Winter in Maine“ ist ein ruhiges Buch. Julius Melancholie und Trauer lasten auf den Zeilen wie der Schnee auf den Bäumen. Die Kälte des Winters zieht zwischen die Seiten seiner Bücher und kriecht dem Leser ins Genick.
Ab und zu bin ich bei dem einen oder anderen Satz ins Stolpern gekommen und ich konnte nur langsam lesen, um die Eindrücke der Einsamkeit aufzunehmen. Doch im Ganzen liest sich das Buch gut.

Viel wichtiger als der Schreibstil ist jedoch der Inhalt. Auf gerade mal 200 Seiten lernen wir Julius Leben kennen, die Geschichte seines Vaters und seine einzige Liebe Claire. Mit dem Tod von Hobbes hat er nun auch noch das letzte, was ihm lieb war, verloren.
Angetrieben von einem seltsamen Gefühl macht er sich auf in die Wälder, um Rache zu nehmen. Jäger werden zu Gejagten und Morde passieren auf so beiläufige, selbstverständliche Weise, dass man sie kaum als Verbrechen wahrnimmt. Julius möchte seinen Schmerz lindern und denjenigen finden, der Hobbes getötet hat. Doch wie kann er sicher sein, dass er den Richtigen erwischt?

Erst im Laufe der Handlung gewinnen die Ereignisse etwas an Fahrt, um letztlich in einem merkwürdig leisen Finale zu enden. Der Ausgang bleibt offen, was so manchem Leser nicht gefallen könnte, doch in meinen Augen passt er gut zu Julius Art. Er macht die Figur glaubwürdig und zeigt, dass Trauer einen erst dann loslässt, wenn man dazu bereit ist.

Alles in allem muss ich gestehen, dass meine Erwartungen vor dem Lesen vielleicht etwas zu hoch waren. Nichtsdestotrotz nimmt einen die Geschichte gefangen, gerade auch weil die Atmosphäre sehr dicht ist. Julius lebt von klein auf in seiner eigenen Welt und als Leser hat man die Möglichkeit, vollkommen darin einzutauchen.
Fazit: Eine ruhige, aber bisweilen auch spannende Geschichte für einen kalten Winterabend.

© Ada Mitsou

208 Seiten / 17,95 € ~ Luchterhand (14. September 2009) ~ ISBN: 3630872727

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