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Der 11jährige Collin lebt nach dem Tod seiner Mutter bei seinen Großtanten Verena und Dolly. Während die reiche Verena eher kühl und distanziert ist, widmet sich Dolly den schönen Dingen des Lebens. Sie liebt Süßspeisen, sitzt mit ihrer schwarzen Freundin Catherine stundenlang in der behaglichen Küche und braut Kräutertränke gegen Krankheiten zusammen. Collin ist schnell von ihrer bezaubernden Art eingenommen und fühlt sich äußerst wohl in ihrer Gegenwart.

Als es eines Tages zu einem Streit zwischen den beiden Tanten kommt, beschließen Dolly, Catherine und Collin von nun an in einem Baumhaus zu wohnen, um Verena nicht länger auf der Tasche zu liegen. Während die drei sich dort häuslich einrichten, bricht in der Kleinstadt laute Empörung aus. Immer wieder versuchen der Sheriff und sein Gefolge die Baumbewohner zurückzuholen, doch es gibt auch Einwohner, die neue Freunde werden, so z.B. Richter Cool, der schon lange ein Außenseiter der Gesellschaft ist und sich den Menschen in der Stadt nicht zugehörig fühlt.

Irgendwann droht die Situation zu eskalieren und Dolly steht vor der Entscheidung, dem eher unkonventionellen Leben treu zu bleiben oder sich den Regeln der Stadtbewohner anzupassen…

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Ich habe dieses Buch bereits vor einigen Monaten zur Hand genommen, bin damals jedoch nicht über die ersten Seiten hinaus gekommen. Dieses Mal verhielt sich die Situation ganz anders: Kaum angefangen konnte ich „Die Grasharfe“ nicht mehr aus der Hand legen. Ich war gefesselt von der poetischen Sprache, der warmen Sommeratmosphäre und den ungewöhnlichen Charakteren.

Die Grundidee finde ich bezaubernd: Eine sanfte Frau von 60 Jahren, ihre verrückte Freundin und ein Junge, der mitten in der Pubertät steckt, kehren dem Alltag in der Kleinstadt den Rücken zu und schaffen sich ein neues, ungewöhnliches Zuhause.
Es macht Spaß in ihre Welt einzutauchen und ich fühlte mich dort direkt wohl. Man kann sich treiben lassen, lauscht den teilweise amüsanten, aber auch nachdenklichen Gesprächen der Baumbewohner und kämpft mit ihnen gegen die konservativen Ansichten der Kleinstädter.

Capotes Sprache steckt voller Bilder, die einem die Landschaft und das Zusammenleben der drei Freunde nahe bringen, auch wenn der Autor in meinen Augen hin und wieder etwas übertrieben hat. Manche Sätze sind doch allzu beladen mit Adjektiven und bedeutungsschwangeren Metaphern. Doch im Ganzen entsteht durch den Stil eine magische, dichte Atmosphäre.

Diese beiden Zutaten – Idee und Stil – hätten von mir fünf Sterne bekommen, wenn da nicht diese ernüchternde Wendung gegen Ende des Buches gekommen wäre. Ich war etwas enttäuscht, dass der Zauber so schnell und nachgiebig sein Ende fand. Die Ereignisse auf den letzten Seiten wirken zusammengestaucht, so als hätte der Autor schnell zum Ende kommen wollen. Dadurch geht die zuvor aufgebaute Atmosphäre etwas verloren und vieles, was einen vorher gefangen genommen hat, verblasst nun.
Zwar ist das Ende rund, doch ich hätte mir gewünscht, dass Capote noch mehr in die Tiefe geht und nicht so schnell an die Oberfläche auftaucht.

Trotz diesem Minuspunkt halte ich „Die Grasharfe“ für durchaus lesenswert! Die Stimmung und die Eigenarten der Menschen sind bezaubernd, die Sprache verdichtet die Atmosphäre und die Thematik der Freundschaft gibt einem beim Lesen ein wohliges Gefühl. Lediglich das Ende wirkt etwas zu nüchtern und rasch herbeigezogen, weshalb ich einen Stern abziehe.
Alles in allem handelt es sich um ein Buch, das perfekt zu einem entspannten Sommerabend mit Grillengezirpe und letzten Sonnenstrahlen passt!

© Ada Mitsou

201 Seiten / 7,50 € ~ Suhrkamp (28. November 2008) ~ ISBN: 3518382969

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