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Zu Weihnachten habe ich den „Atlas der abgelegenen Inseln“ geschenkt bekommen. Darin findet sich u.a. auch die Insel Robinsón Crusoe. In dem Zuge fiel mir auf, dass die Geschichte des Schiffbrüchigen ein Klassiker ist, den ich zwar irgendwie kenne, aber noch nicht gelesen habe und da Anfang des Jahres die Klassiker-Aktion von Carlsen auf dem Markt erschienen ist, habe ich direkt zugegriffen. Bei einem Preis von 4,95 € kann man sich nicht beklagen, allerdings muss ich dazu sagen, dass es sich um eine bearbeitete Jugendbuchfassung handelt und manche Teile des Originals somit ausgelassen wurden.

Der grobe Inhalt dürfte vielen Lesern durch zahlreiche Verfilmungen oder ähnliche Geschichten bekannt sein: Den jungen Robinson Crusoe zieht es aufs Meer. Entgegen den Bedenken seines Vaters macht er sich auf die Reise und wird zunächst nach Südamerika verschlagen, wo er sein Geld als Plantagenbesitzer verdient. Doch die See lässt ihn nicht zur Ruhe kommen und so bricht er erneut auf – eine Entscheidung, die ihm zum Verhängnis wird, denn er erleidet Schiffbruch.
Er kann sich auf eine unbewohnte Insel retten, wo er die folgenden 28 Jahre festsitzt. Er lernt mit den einfachen, ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu überleben und richtet sich, soweit es geht, häuslich ein, bis eines Tages wilde Kannibalen ihren Festschmaus auf der Insel abhalten…

Robinson Crusoe war seinerzeit – will heißen im Jahr 1719 – ein großer Erfolg. Vier Ausgaben waren noch im selben Jahr verkauft worden und es folgten Übersetzungen ins Französische, Holländische und Deutsche. Das Werk bedeutete also Daniel Defoes literarischen Durchbruch.
Allerdings bezweifle ich, ob sein Erfolg heutzutage genauso groß wäre, denn rein sprachlich steckt hinter den Zeilen keine allzu große Kunst. Defoe schreibt sehr einfach und distanziert, sodass ich mich selten berührt fühlte. Robinsons Einsamkeit erfährt der Leser nicht auf emotionale Weise, sondern dadurch, wie er auf der Insel zurechtkommt. Fernab von jeglicher Zivilisation fehlen die Technik und der industrielle Fortschritt, sodass der Schiffbrüchige erfinderisch werden muss. Er muss umdenken und sich auf das besinnen, was die Natur ihm zur Verfügung stellt.
Hin und wieder erfährt man auch etwas über seine Verzweiflung und die Sehnsucht nach anderen Menschen, doch diese Gefühlsausbrüche stehen deutlich im Hintergrund.

Im Vordergrund steht das Überleben, aber auch die christliche Glaubensweise. In meiner Ausgabe wird Gott nicht allzu oft erwähnt, doch in der Originalausgabe gibt es zahlreiche Passagen, in denen Robinson über Gott reflektiert und sich die Bibel zu Gemüte führt.
Ebenso war der in dem Buch dargelegte Umgang mit den Wilden zu Zeiten der Veröffentlichung neu. Robinson merkt an, dass sie eben auch nur Menschen sind und er ihre eigene Lebensart nicht verurteilen sollte. Das hindert ihn aber nicht daran, seine farbigen Mitmenschen zu Dienern zu machen und ihnen grundschulgleich die Denkweise der neuen Welt beizubringen.

Alles in allem ist „Robinson Crusoe“ eine interessante und im Ganzen auch spannende Geschichte für Kinder. Im Zeitalter der Videospiele und des Fernsehens finde ich die Besinnung auf einfache Dinge aus der Natur nicht schlecht, allerdings würde ich das Werk nicht als literarisch anspruchsvoll bezeichnen. Vieles wiederholt sich und die Sätze sind einfach konstruiert. Ebenso spürt man hinter den Zeilen deutlich die damaligen (meist etwas zweifelhaften) Wertvorstellungen und den moralischen Zeigefinger.
Als reine Abenteuergeschichte ist „Robinson Crusoe“ jedoch durchaus unterhaltsam, weshalb ich bei der Bewertung zwischen drei und vier Sternen schwanke.

Altersempfehlung: ab 11 Jahren

© Ada Mitsou

264 Seiten / 4,95 € ~ Carlsen (Januar 2010) ~ ISBN: 3551358702

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