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Acht Menschen begegnen sich in den 70er Jahren in einem böhmischen Kurort. Nicht alle haben eine Verbindung zueinander und doch laufen sie sich früher oder später über den Weg.
Den Auftakt zum Walzer bilden der Trompeter Klima und die Krankenschwester Rosa. Er reist von Ort zu Ort und gibt Konzerte, sie versorgt scheinbar unfruchtbare Frauen, die in der Kur Bäder nehmen müssen. Klima und Rosa verbringen eine Nacht miteinander und die Folgen sind weit reichend: Rosa wird ungewollt schwanger.
Zur gleichen Zeit sitzt Kamila, Klimas eifersüchtige Ehefrau, zuhause und zermartert sich den Kopf, wie viele Liebschaften ihr Mann hat.
Dr. Skreta behandelt die Frauen im Kurort und entwickelt dabei seine ganz eigene Erfolgsmethode. Sein alter Freund Jakub möchte die Tschechoslowakei verlassen, sich vorher jedoch noch von Olga, seiner Ziehtochter verabschieden, die von ihm endlich wie eine richtige Frau behandelt werden möchte.
Der Amerikaner Bertlef versteht es, fast jeder Frau dieses Gefühl zu geben. Er ist reich und scheinbar sehr gläubig. Trotzdem toleriert er Klimas Absicht, Rosa zu einer Abtreibung zu überreden, ein Plan, mit dem Rosas Geliebter Franta niemals einverstanden wäre – wenn er von Rosas Zustand wüsste…

„Abschiedswalzer“ startet verhältnismäßig langsam. Obwohl das Thema Abtreibung durchaus brisant dargestellt wird und Klimas Konfliktsituation zum Nachdenken anregt, kann einen das Geschriebene noch nicht recht fesseln. Erst im Laufe des Buches steigt die Spannung, wobei die Begegnungen für unerwartete Wendungen und interessante Gespräche sorgen, die meistens einen philosophischen Kern haben.
Alle Personen sind so geschickt miteinander verknüpft, dass man sich nicht nur einmal fragt, was hinter den Charakteren steckt, dabei jedoch nie den roten Faden verliert. Nicht jede Figur wird bis ins kleinste Detail beschrieben, man erspürt jedoch trotzdem die relevanten Wesenszüge. Manche davon erinnerten mich an die Protagonisten aus „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ vom selben Autor, wirklich vergleichen kann man die beiden Werke jedoch nicht.
„Abschiedswalzer“ geht sowohl politisch als auch emotional weniger in die Tiefe, wodurch es zwar nicht so sehr fesseln kann wie die „Leichtigkeit“, aber durchaus ein angemessener Vorgänger ist, wenn man letzteres noch lesen möchte.
Andersherum könnte der Walzer Kundera-Fans als etwas leichtere Kost auch gut gefallen.

Ingesamt vergebe ich aufgrund vereinzelter langatmiger Passagen „nur“ vier Sterne. Die interessante Personenkonstellation und so manche überraschende Wendung sind jedoch jeden einzelnen Stern davon Wert.

© Ada Mitsou

288 Seiten / 9 € ~ DTV (1. November 2006) ~ ISBN: 342319104X

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