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aus der Reihe Mein Leben Meine Geschichte: Memories 02

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Christina ist acht Jahre alt, als sie von der Schule kommt und ihr Vater seine Sachen packt. Von den Problemen ihrer Eltern hat sie nie etwas mitbekommen, doch nun ist ihr Vater weg und hinterlässt einen Scherbenhaufen. In den folgenden Wochen weint Christinas Mutter viel und das Mädchen fühlt sich hilflos. Erst nach und nach kehrt wieder der Alltag in die Familie ein.

Die Mutter geht wieder arbeiten und in der weiterführenden Schule findet Christina neue Freundinnen. Diese sind schlank, schön und begehrt, also eigentlich das Gegenteil von Christina. Um endlich auch in eine 27er Jeans zu passen, beschließt sie, eine Diät zu machen und hat damit zunächst auch Erfolg: Sie erntet Lob von ihren Mitschülerinnen, lernt Jungs kennen und ist allgemein beliebt.

Doch was sich zunächst ziemlich toll anfühlt, endet schließlich in einem Teufelskreis: Christina steigert sich krankhaft in ihren Abnehmwahn hinein und verweigert abgesehen von etwas Rohkost über Monate hinweg die Essensaufnahme. Bekam sie früher noch neidische Blicke zugeworfen, wird sie nun erschrocken angestarrt.
Bei einer Größe von 1,73 m wiegt sie nur noch 42 Kilo. Sie leidet unter Schwindelanfällen und bekommt Herzrasen. Frieren und Weinen gehören mittlerweile zu ihrem Alltag und erst, als sie völlig am Ende ist, gesteht sie sich ein, dass sie krank ist.
Mit Hilfe ihrer Mutter bekommt sie einen Platz in einer Klinik, doch nach der erfolgreichen Therapie scheint die Magersucht vorerst nur zu schlafen…

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„Mein Lollimädchen-Ich“ hat Ähnlichkeit mit einem Tagebuch, in dem Christina beschreibt, wie es ihr ergeht – angefangen bei der Trennung ihrer Eltern bis hin zur Gegenwart. Dabei handelt es sich zwar nicht um literarische Kunst, dafür aber um einen sehr persönlichen und ehrlichen Bericht. Durch die lockere Sprache und Christinas Offenheit geht man Seite an Seite mit ihr durchs Leben. Man erkennt die Ursachen ihrer Krankheit, durchlebt mit ihr den Kampf für und gegen das Abnehmen und erfährt die typischen Tricks und Ausreden der Betroffenen.

Anders als bei manchem Ratgeber geht es hier nicht um eine Hilfestellung und Christina appelliert auch nicht an junge Mädchen, normal zu essen. Sie erhebt weder den Zeigefinger, noch unterstützt sie die Pro-Ana-Bewegung. Stattdessen erzählt sie einfach ehrlich von ihrem persönlichen Krankheitsweg mit allen Höhen und Tiefen. Frust und Glück, Ehrgeiz und Verzweiflung – das alles liegt nah beieinander und besonders die Eindrücke in der Klinik wirken schockierend. Effekthascherei bleibt dabei jedoch außen vor.

Christina reißt die Therapiemaßnahmen zwar thematisch an, doch ich persönlich hätte mir in der Hinsicht noch etwas tiefere Einblicke gewünscht. Nichtsdestotrotz liest sich ihr Bericht sehr informativ und authentisch, da das Erzählte direkt ihrem Leben entspringt und man einen sehr persönlichen Einblick in das Krankheitsbild des Mädchens bekommt.
Manche Stellen sind fröhlich und spannend, andere wiederum berührend und traurig.
Alles in allem ist das Buch also durchaus lesenswert. Christina hat etwas zu sagen und dem sollten besonders junge Menschen zuhören.

Eine Empfehlung an alle, die sich für die Thematik interessieren und aus einer persönlichen Perspektive lesen wollen, wie es sich anfühlt, magersüchtig zu sein.

Altersempfehlung: ab 13 Jahren

Info: Teil 1 der Reihe Mein Leben Meine Geschichte trägt den Titel „Mit 18 mein Sturz“ und handelt davon, wie ein Jugendlicher seine Zeit im Gefängnis erlebt.

© Ada Mitsou

160 Seiten / 9,95 € ~ Arena Verlag (2. Januar 2010) ~ ISBN: 3401064398

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