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Loretta, von ihrem Freund Malte liebevoll Lore genannt, hat den begehrenswerten Körper einer jungen Frau, scheint jedoch im Inneren ein ewiges Kind zu sein. Ohne die Anweisungen von Malte fühlt sie sich hilflos, sodass er ihr jeden Tag kleine Zettel schreibt, auf denen Aufgaben zum Abarbeiten stehen. Weitestgehend hält sich Lore daran, doch hin und wieder rebelliert sie dagegen und taucht in die Künstler- oder auch Punkszene Berlins ab.

Malte hingegen hat sein Leben im Griff. Er arbeitet als Assistenzarzt in einer Klinik und zieht seine Freundin immer wieder aus  dem Schlamassel. Für ihn ist Lore klein, blond und problematisch, doch genau das liebt er an ihr.

Als Lore eines Tages schwanger wird und ihre Tochter Marla auf die Welt bringt, ist sie mit dem Alltag als Mutter restlos überfordert. Kurzerhand packt sie das Baby ins Auto und verlässt die Stadt. Durch Zufall trifft sie auf dem Land ein Mädchen, das Teil einer Frauenkommune ist. Die so genannte Anstalt der besseren Mädchen verspricht ein entspanntes, angenehmes Leben, sodass Lore vorerst dableibt. Doch dann steht eines Tages Malte vor der Tür…

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Der Debütroman der 26jährigen Julia Zange gleicht einem modernen, literarischen Gemälde: Im Hintergrund erstreckt sich eine surreale, schillernde Landschaft, hier und da gibt es kleine graue  Kratzer, die die verwunschene Idylle stören und über all dem liegt ein Netz aus klaren Worten.

Während die Handlung recht schnell erzählt und mit der Realität verknüpft ist, scheint das, was dahinter liegt, nicht richtig greifbar zu sein. In kurzen, traumgleichen Sequenzen taucht der Leser in Lorettas äußerst eigenartiges Innenleben ein. So entschlüpfen ihrer Phantasie zum Beispiel grüne Wiesen mit riesigen aufgequollenen Eiern, an die sie sich anschmiegt, während kleine schwarze Kätzchen ihre Krallen daran wetzen.

Das zu verstehen, dürfte dem Leser nicht immer leicht fallen und auch die eingeschobenen Gedichte verlangen nach einem zweiten Blick.
Die Thematik ist allerdings sehr interessant: Lorettas Psychose, Maltes bedingungslose Liebe, ungeplante Abhängigkeiten und die Flucht vor der Verantwortung – das alles wirkt sehr faszinierend und psychologisch spannend.

„Die Anstalt der besseren Mädchen“ lässt sich schwer mit den passenden Worten beschreiben. Einerseits ist das Erzählte einfach wirr und äußerst seltsam, andererseits überzeugt der erfrischend anders anmutende Schreibstil und übt einen unwiderstehlichen Sog aus.

Das Buch trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Wer jedoch neugierig auf experimentelle Literatur ist und gerne in psychologisch interessante Welten eintaucht, sollte diesem Werk eine Chance geben.
Mich konnte es mit seiner merkwürdigen Art beeindrucken.

© Ada Mitsou

160 Seiten / 7,50 € ~ Suhrkamp (25. Januar 2010) ~ ISBN: 351846146X

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