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Tomislav Boksic, genannt Toxic, ist ein kroatischer Auftragskiller in New York. 65 Morde sind bisher nach Plan gelaufen, doch Auftrag Nr. 66 geht schief. Toxic erschießt einen Ermittler des FBI und muss nun fliehen.
Eigentlich hat er ein Ticket für seine Heimat Kroatien in der Tasche, doch auf dem Flughafen tauchen plötzlich Polizisten auf. In seiner Panik tötet Toxic einen Priester auf der Herrentoilette und nimmt dessen Identität und Flugticket an. Was der Auftragskiller nicht weiß: Father Friendly wird bereits in Island erwartet und soll dort in einer Fernsehshow predigen! Um seine Tarnung erstmal nicht auffliegen zu lassen, schlüpft Toxic in die Rolle des Priesters und findet sogar Gefallen daran. Allerdings ahnt er nicht im Mindesten, wie sehr dieser Rollentausch sein Leben als Auftragskiller umkrempeln wird…

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Hallgrímur Helgasons Schreibe gefällt mir! Mit flottem Tempo erzählt er Toxics Geschichte und streut hier und da kleine Brisen schwarzen Humors ein. Das Buch liest sich sehr flüssig und lässt sich schwer auf ein Genre festlegen. Einerseits ist die Handlung spannend und actionreich, andererseits wirken Toxics Erlebnisse und Eindrücke wie eine Tragikomödie.
Ich wollte möglichst schnell weiter lesen, rauschte mühelos durch die Zeilen und konnte mir hier und da ein Grinsen nicht verkneifen.
Helgasons Wortwitz trifft also meinen Geschmack, auch wenn Toxic ein Macho durch und durch ist. Aufgrund des hohen Unterhaltungsfaktors kann ich jedoch über seine teils platten Formulierungen hinwegsehen, zumal diese anzügliche Ausdrucksweise einfach zu der Figur passt.

Inhaltlich kann das Buch mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten. Toxic schlittert von einer abgedrehten Situation in die nächste, ohne dass die Handlung dadurch überladen wirkt. Ruhige und spannende Phasen wechseln sich ab, sodass der Leser nicht nur Toxics neues Leben in Island kennen lernt, sondern auch Einblicke in seine Vergangenheit bekommt. Toxics Erlebnisse im Kroatienkrieg geben der Figur etwas mehr Tiefgang, die Schilderung seiner serbischen Jugendliebe verleiht ihm etwas mehr Gefühl und beides zusammen liefert eine mögliche Erklärung für seinen Werdegang.
Trotzdem überwiegt die Rolle des toughen Auftragskillers und während des Lesens ahnt man, dass ihm genau diese Rolle einfach im Blut steckt, egal wie sehr sich sein Leben auch verändern mag.

Alles in allem handelt es sich bei „Zehn Tipps das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ um ein durchaus unterhaltsames, witziges und flüssig geschriebenes Buch. Allerdings gibt es auch einen kleinen Kritikpunkt: Das Ende des Romans bleibt offen und die Ereignisse, die kurz zuvor erzählt werden, wirken ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Dadurch wird diese Auflösung der vorangegangenen Handlung nicht ganz gerecht, lässt sich jedoch durch den Wortwitz und einen kleinen Showdown verschmerzen.

Wer einen typischen Krimi oder Thriller erwartet, wird von dem Buch enttäuscht sein, denn dafür finden sich darin zu viele verschiedene Genres. Wer jedoch schwarzen Humor und skurrile Geschichten mag, ist bei Helgason bestens aufgehoben!

© Ada Mitsou

271 Seiten / 19,90 € ~ Tropen Bei Klett-Cotta (März 2010) ~ ISBN: 3608501088

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