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Eigentlich steht Virginia mit beiden Beinen fest im Leben: Mit ihren über 50 Jahren weiß sie, was sie will, hat zwei Kinder groß gezogen und einen gut bezahlten Job bei einer Bank. Doch eine Sache hat sie völlig aus der Bahn geworfen: Die Trennung von ihrem langjährigen Freund David.
Neun Monate sind seitdem vergangen und heute passiert ausgerechnet das, wovor sich jede verlassene Frau ein wenig fürchtet: Sie begegnet ihrem Exfreund zufällig wieder.
Während Virginia im Feinkostladen vor den Gläsern mit schwarzen Oliven steht, betritt David das Geschäft. Doch anstatt so zu reagieren, wie sie es sich in den letzten Wochen ausgemalt hat – fröhlich, stark und selbstbewusst – flüchtet sie Hals über Kopf  aus dem Laden und versteckt sich ausgerechnet in Davids Auto. Von ihm unbemerkt fährt sie mit ihm durch die Gegend und lässt ihre gemeinsame Vergangenheit Revue passieren…

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Während ich dieses Buch las, habe ich mich immer wieder gefragt: Kann das Liebe sein? Virginias Beschreibung von David wirkt so herabschauend und abweisend, dass ich ihr den Trennungsschmerz nicht wirklich glauben konnte. Zwar ruft sie sich hin und wieder die schönen Seiten der Beziehung ins Gedächtnis, doch im Ganzen ist ihre Erinnerung eine einzige Aufzählung von Davids Macken: Die Haare in den Ohren, seine Depressionen, der seltsame Inhalt seines Kühlschranks und die ausgiebigen Toilettengänge.
Mehr als einmal habe ich mich gefragt, warum Virginia zwölf Jahre mit diesem Mann verbracht hat, wenn sie ihn doch in all der Zeit überwiegend als Last empfunden hat und eigentlich nicht mit ihm zusammenleben wollte.

Vielleicht bin ich zu jung, um diese Art des Zusammenseins zu verstehen, zumal Virginia bereits eine unglückliche Ehe hinter sich hat, doch über ihre Vorgeschichte erfährt man wenig. Stattdessen schwankt sie zwischen Wut und Enttäuschung, Selbstmitleid und Frustration.
Erst gegen Ende des Buches spürt man, dass innendrin auch irgendetwas weh getan hat und vielleicht sogar irgendwann so etwas wie Geborgenheit da war, doch diese leisen Klänge machen das Bild nicht stimmig.
Es scheint fast so, als hätten sich die beiden Menschen trotz ihrer jahrelangen Beziehung nicht wirklich gekannt und das finde ich mehr als verwunderlich.

Bezüglich des Stils ist das Buch flüssig geschrieben, allerdings liest sich der Roman wie ein Monolog, wodurch sich manche Abschnitte ein wenig in die Länge ziehen. Doch im Ganzen gibt es an der Schreibe nichts auszusetzen.

Warum ich nach diesen vielen Kritikpunkten noch drei Sterne vergebe?
Die Antwort fällt mir leicht: Gerade weil mir das Verhalten der Protagonistin so fremd ist, hat es mich zum Nachdenken angeregt. Ich habe mich während des Lesens gefragt, was Liebe eigentlich bedeutet und weshalb man sich dazu entschließt, sein Leben mit einem anderen Menschen zu teilen. Welche Macken des anderen muss man hinnehmen und wie viele davon nimmt man in Kauf, um nicht alleine zu sein und sich geliebt zu fühlen?
Verändert sich die Einstellung, wenn man im fortgeschrittenen Alter ist und schon einige Enttäuschungen erlebt hat? Und warum tut eine Trennung so weh, wenn man sich stets für eine starke, unabhängige Frau hielt und oft der Meinung war, man wäre ohne den Partner besser dran?

Auf manche dieser Fragen gibt Martha Tod Dudman in ihrem Roman eine Antwort, andere muss man für sich selbst ergründen. Doch im Ganzen habe ich festgestellt, dass einem auch eine unverständliche Protagonistin etwas sagen kann. Und für diesen durchaus interessanten Gedankenanstoß vergebe ich drei Sterne.

© Ada Mitsou

217 Seiten / 8,95 € ~ Droemer/Knaur (1. Dezember 2009) ~ ISBN: 342663872X

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