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Germain ist nicht unbedingt der Hellste. Da er früher nur unregelmäßig zur Schule gegangen ist, kann er nicht richtig lesen und auch seine Allgemeinbildung lässt sehr zu wünschen übrig.
Germains Freunde machen sich deswegen  lustig über ihn, doch den Junggesellen interessiert das wenig. Er hat sich in seinem Wohnwagen häuslich eingerichtet, baut Gemüse an und verbringt die Abende in der Kneipe. Germain mag die einfachen Dinge im Leben und so begnügt er sich damit, wenig nachzudenken und stattdessen in den Tag hinein zu leben.

An einem dieser Tage trifft er im Park auf Margueritte, eine alte Dame, die zwar genau wie Germain gerne Tauben zählt, ansonsten aber das komplette Gegenteil von ihm ist. Die studierte Biologin drückt sich gewählt aus,  ist in der Welt herumgekommen und liebt die Literatur.
Was zunächst nach einer unverbindlichen Parkbekanntschaft aussieht, entwickelt sich trotz der Unterschiede zu einer echten Freundschaft und Germain denkt zum ersten Mal ernsthaft über sich und sein Leben nach…

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„Das Labyrinth der Wörter“ ist ein kleines, aber feines Buch!

Die kurzen Kapitel ziehen wie im Flug am inneren Auge vorbei und hinterlassen beim Leser ein warmes Gefühl. Zwar ist Germains Ausdrucksweise bisweilen recht derb und im Ganzen eher schlicht, doch hinter diesen Zeilen steckt der eigentliche Zauber der Geschichte.

Die Treffen mit Margueritte bilden dabei nur den roten Faden der Handlung, denn vorrangig geht es um Germains Leben: Er erzählt von seiner verkorksten Kindheit, dem schlechten Verhältnis zu seiner Mutter und macht sich Gedanken über den richtigen Umgang mit Freunden und Frauen.
Auch wenn Germain nicht der Hellste ist, so besitzt er doch ein gutes Gespür für zwischenmenschliche Feinheiten und dank Marguerittes Hilfe kann er seine Gefühle nach und nach in passende Worte hüllen.

Er macht in seiner Entwicklung zwar keine außergewöhnlich großen Sprünge und wirft hier und da immer noch etwas durcheinander, doch genau das gibt der Figur etwas Glaubwürdiges.
Wirkt Germains „Dummheit“ zunächst noch etwas aufgesetzt, verliert sich dieser Eindruck während des Lesens, denn eigentlich geht es nicht um Bildung oder eine gehobene Ausdrucksweise, sondern um eine ungewöhnliche Freundschaft und darum, dass jeder Mensch besondere Eigenschaften hat, die das Zusammensein bereichern.

Ich habe „Das Labyrinth der Wörter“ sehr gerne gelesen und empfehle es all jenen, die kurze, aber bezaubernde Geschichten mögen. Zudem eignet sich das Büchlein auch bestens zum Verschenken.

© Ada Mitsou

208 Seiten / 18 € ~ Hoffmann und Campe (18. Februar 2010) ~ ISBN: 3455402542

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