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Es hat mich erwischt! Eigentlich wollte ich schon seit Stunden schlafen, doch ich kann dieses Buch einfach nicht weglegen. Ohne Unterbrechung klebt mein Blick an den Zeilen, saugt das Geschriebene auf und ich fühle mich, als hätte ich eine andere Welt betreten. Diese Welt wird von Erebos, dem griechischen Gott der Dunkelheit, beherrscht. Er gibt mir Kraft, führt mich auf immer neue Wege und erteilt mir Aufträge. An meiner Seite kämpft Sarius, ein Dunkelelf, der es mit allen Gefahren aufnimmt…

Im wahren Leben heißt Sarius Nick Dunmore. Er geht wie jeder gewöhnliche Junge auf die Highschool und ist im Basketballteam. Seine zweite Identität hat er sich in einem faszinierenden Computerspiel zugelegt, das neuerdings an der Schule die Runde macht: Erebos. Die Regeln sind denkbar einfach: Rede nicht über das Spiel, verrate niemals den Namen deiner Spielfigur und führe die Aufträge des Boten aus, um mächtiger zu werden.
Was zunächst nur ein aufregendes Abenteuer ist, wird zunehmend zur Sucht. Immer mehr Schüler fehlen im Unterricht oder wandeln apathisch mit müden Augen durch die Gänge.
Auch Nick kann sich diesem Sog nicht entziehen und verbringt Tag und Nacht vor dem Computer. Er schlägt sich nicht schlecht, doch dann gibt ihm Erebos den Auftrag, jemanden zu töten…

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Eigentlich bin ich kein Fan von Computer- und Rollenspielen. Doch obwohl ich bisher einen Bogen darum gemacht habe, konnte mich „Erebos“ nach wenigen Seiten in seinen Bann ziehen.
Die Spielvorgänge sind so plastisch beschrieben, dass man das Gefühl hat, eine eigene Welt zu betreten, sozusagen eine Geschichte in der Geschichte. Man läuft durch die Natur, kämpft gegen allerhand unliebsame Gestalten und plaudert mit seinen Mitspielern am Lagerfeuer.
Die meisten von ihnen sind wie Sarius Dunkelelfen. Außerdem gibt es noch Werwölfe, Vampire, Barbaren, Katzenmenschen und Zwerge. Wer nun vermutet, es handle sich bei dem Buch um einen typischen Fantasyroman, der irrt sich. Zwar finden sich durch das Spiel typische Elemente darin, doch eigentlich geht es um etwas anderes, was durch den zum Spiel parallel verlaufenden Handlungsstrang in der Realität verdeutlicht wird.
Erebos ist nicht einfach nur eine virtuelle Welt, in der man sich austoben kann. Sie greift auf die Wirklichkeit über, verführt zu „echten“ Taten und lässt einen die Konsequenzen am eigenen Leib spüren.

Der Schreibstil ist dabei sehr einfach gehalten und trotzdem wirkt er auf mich äußerst mitreißend. Die Buchstaben fliegen nur so am Auge vorbei und saugen einen förmlich ins Geschehen. Das wiederum ist inhaltlich an die heutige Zeit angepasst: Es wird getwittert, Schüler haben Blogs und hören ihre Musik per Ipod oder Youtube. Jugendliche Leser werden sich also sicher darin wiederfinden können, was die Möglichkeit der Identifikation erhöht.

In meinen Augen keine schlechte Vorgehensweise, da die im Buch enthaltene Kritik möglichst viele junge Menschen erreichen sollte. Dabei geht es nicht nur um Computerspielsucht, sondern auch darum, wie man miteinander umgehen sollte und was Einsamkeit und Isolation anrichten können…

Ich möchte hier nicht zuviel verraten, kann dieses Buch jedoch allen empfehlen, die offen für die Thematik sind und gerne spannende Jugendbücher lesen. „Erebos“ vereint die virtuelle Welt mit der Realität und ist dadurch Fantasy und Thriller in einem. Trotz der knapp 500 Seiten vergeht die Zeit wie im Flug und gegen Ende findet man neben all der Spannung eine Aussage, die zum Nachdenken anregt.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

© Ada Mitsou

485 Seiten / 14,90 € ~ Loewe Verlag (7. Januar 2010) ~ ISBN: 3785569572

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