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Julia Jacobs Eltern starben, als sie noch ein kleines Mädchen war. Seitdem wohnt sie mit ihrer Zwillingsschwester Janice bei Tante Rose. Die Geschwister sind wie Feuer und Wasser, doch  es scheint, als würde Julia insgeheim von Tante Rose bevorzugt. Umso erstaunlicher ist es, dass die alte Dame nach ihrem Tod das ganze Vermögen Janice vererbt. Julia hingegen erhält nur einen Brief.
Was sich zunächst wie eine große Enttäuschung anfühlt, entpuppt sich nach und nach als echte Herausforderung, denn in dem Brief steht, dass Julia eigentlich Giulietta Tolomei heiße und sie ursprünglich aus der italienischen Stadt Siena komme. Genau dort liege in einem Bankschließfach ein Schatz, den ihre Mutter vor ihrem Tod dort deponiert habe.

Etwas misstrauisch macht sich Julia auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen und findet dabei heraus, dass ihr echter Name kein unbeschriebenes Blatt ist. Offenbar ist sie eine Nachfahrin der berühmten Julia aus „Romeo & Julia“.  Die Unterlagen aus dem Schließfach bezeugen, dass sich das eigentliche Drama vor vielen Jahrhunderten in Siena abgespielt hat und Shakespeares Stück somit nicht nur seinem Kopf entsprungen ist, sondern auf einer wahren Begebenheit beruht – eine Begebenheit, in der Julia eine entscheidende Rolle spielt.

Wie besessen folgt die junge Frau den geheimnisvollen Spuren, bis ihre Nachforschungen sie immer weiter in einen Strudel aus Verfeindungen, Liebesleid und Mord treiben…

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In Anne Fortiers Debütroman werden viele verschiedene Genres vereint.
Auf der einen Seite handelt es sich um einen Familienroman. Julias Eltern sind tot, weshalb sie bei ihrer Tante aufwächst und immer wieder Streit mit ihrer Schwester Janice hat. Als Rose schließlich unerwartet stirbt, macht sich Julia auf die Suche nach ihren Wurzeln und stößt dabei auf interessante Neuigkeiten bezüglich ihrer Eltern. Sie ergründet die Familiengeschichte der Tolomeis und entdeckt dabei geheimnisvolle Zusammenhänge mit der Gegenwart.
Die familiäre Vergangenheit wird anhand von alten Tagebüchern erzählt und bildet sozusagen eine Geschichte in der Geschichte. Die Rückblicke lesen sich wie ein historischer Roman, wobei die Sprache der Zeit nur soweit angepasst ist, wie es nötig ist.
Hinzu kommen Julias Verstrickungen in der Gegenwart. Sie begegnet bei ihren Nachforschungen nicht nur gutherzigen Menschen, sondern auch jenen, die größte Vorsicht gebieten. Julia deckt lange verschwiegene Geheimnisse auf, muss vor dubiosen Verfolgern fliehen und gerät von einer unheimlichen Situation in die nächste. Man könnte also durchaus sagen, dass sich in dem Buch auch Thrillerelemente finden.

Julias Art wirkt bisweilen etwas zu naiv und das Finale leidet hier und da unter Übertreibungen, doch die Vielseitigkeit sorgt dafür, dass es viele überraschende Wendungen gibt. Durch den flüssigen Schreibstil und die undurchsichtigen Rätsel kann man „Julia“ nur schwer aus der Hand legen und liest die über 600 Seiten viel schneller, als man zu Beginn erwartet hat. Auch wenn man manches erahnen kann, so hat man nie die Gewissheit, ob man wirklich richtig liegt, will heißen manche Wendungen sind zwar absehbar, aber nie so offensichtlich, dass man sich langweilt.

Neben dem Geheimnisvollen beinhaltet das Buch natürlich auch eine große Portion an Liebesglück und –leid. Den roten Faden bildet das berühmte Drama um die zwei Liebenden, die nicht zusammen sein durften. Es wird geschmachtet und gelitten, geweint und begehrt. Einerseits ist das ziemlich kitschig und lässt sich sogar mit einem typischen Hollywoodfilm vergleichen. Andererseits passt es bestens zur Thematik und wirkt in sich stimmig.

Wer also gerne herzerweichende Liebesromane liest, ist bei Anne Fortier sehr gut aufgehoben. Doch auch Fans historischer Romane kommen auf ihre Kosten. Als richtigen Krimi würde ich das Buch nicht bezeichnen, allerdings sorgen die spannenden Wendungen für aufregende Unterhaltung und bieten eine gelungene Abwechslung.
Wider Erwarten habe ich diesen Schmöker gerne gelesen und obwohl ich eigentlich weder ein Fan von kitschigen Liebesgeschichten noch von historischen Romanen bin, konnte mich Fortiers Debütroman überzeugen.
Wenn man sich darauf einlassen kann, ist „Julia“ ein Buch, dass trotz seiner Dicke für kurzweilige und sogar rasante Unterhaltung sorgt.
Wer jedoch schnell von Herzschmerz und mittelalterlichen Dramen genervt ist, sollte lieber die Finger davon lassen.

© Ada Mitsou

637 Seiten / 19,95 € ~ Krüger (20. April 2010) ~ ISBN: 3810506788

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