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Vor wenigen Wochen habe ich an dieser Stelle den Roman „Alles was du siehst“ von Stefan Beuse rezensiert. In dem Buch geht es um Nathan, einen Ghostwriter, der für seinen neuen Auftrag nach Ithaca fliegt und dort bei seiner Recherche auf  allerhand rätselhafte Personen und Geheimnisse stößt. Mehr dazu…

„Alles was du siehst“ ist jedoch nicht Beuses erster Roman.  Seit 1997 schreibt der in Hamburg lebende Autor Erzählungen, Romane und Drehbücher und wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Literaturförderpreis der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und dem Magnolia Award (Shanghai) für das beste Drehbuch.

Da mir „Alles was du siehst“ sehr gut gefallen hat und das Buch bei der Leserunde von lovelybooks.de großen Anklang fand, möchte ich Beuses neuesten Roman zum Anlass nehmen, dem Autor ein paar Fragen zu stellen.

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Ada: Herr Beuse, welches Ihrer Bücher liegt Ihnen am meisten am Herzen und warum?

Stefan Beuse: „Alles was du siehst“ – erstens deswegen, weil einem natürlich das zuletzt erschienene buchstäblich „am nächsten“ ist, zweitens, weil ich das Gefühl habe, dass der Roman noch nicht als das gesehen und gewürdigt wurde, was er ist – und gewissermaßen noch auf seine Entdeckung wartet.

Ada: Welchem Leserkreis würden Sie Ihren neuesten Roman besonders empfehlen?

Stefan Beuse: Leuten, die bei der Lektüre nicht „abschalten“, sondern sich im Gegenteil anregen, entführen, verführen lassen und trotzdem unterhalten werden wollen.

Ada: Woher haben Sie die Inspiration für diesen Roman genommen bzw. wie kam Ihnen die Idee dazu?

Stefan Beuse: Die Grundidee entstand, als ich in den USA als Poet in Residence in einem kleinen Universitätsstädtchen untergebracht war, in einem Haus, das einem verwunschenen Schloss ähnelte, zusammen mit 20 mir vollkommen unbekannten Menschen. Es fiel pausenlos Schnee.

Ada: Haben Sie einen festen Zeitplan bezüglich des Schreibens? Oder schreiben Sie immer dann, wenn Ihnen danach ist?

Stefan Beuse: Als freier Autor muss man sich sebst bis zu einem gewissen Grad bürokratisieren. Darauf zu warten, dass einen die Muse küsst, kann man sich da nicht erlauben. Zumal ein großer Teil der Arbeit aus Handwerklichem besteht, und das im Wortsinn. Einen Roman zu schreiben, bedeutet harte Arbeit.

Ada: Wie viel Zeit hat Ihre Recherche für „Alles was du siehst“ beansprucht?

Stefan Beuse: Weiß ich nicht. Man arbeitet und recherchiert ja gewissermaßen ständig, in jeder Sekunde. Für „Alles was du siehst“ habe ich viel über Quantenphysik und Quantenphilosophie gelesen. Ein halber Regalmeter davon war sicher „umsonst“, wenn man mal die konkreten Ideen nimmt, die Eingang in das Buch gefunden haben.

Ada: Wo haben Sie sich die Informationen geholt und wie leicht ist es im Allgemeinen, als Autor an die entsprechenden Informationen ranzukommen?

Stefan Beuse: Im Prinzip ist alles, was ich brauche, in mir. Was mich an Autoren interessiert, ist eine bestimmte Sicht der Dinge, und die kann man sich nicht anlesen. Ich schreibe ja keine Gerichtsthriller, für die bestimmte Informationen, die Einsicht in gewisse Akten unumgänglich sind.

Ada: Glauben Sie, dass Talent ausreicht, um ein gutes Buch zu schreiben?

Stefan Beuse: Nein. Noch nie gab es so viele Leute, die zwar gut schreiben können, aber definitiv nichts zu sagen haben. Da ist viel zu viel gut geklöppeltes, aber erschreckend seelenloses Kunsthandwerk auf dem Markt.

Ada: Was macht denn für Sie ein gutes Buch aus?

Stefan Beuse: Das klingt sehr pathetisch, aber ich glaube: Wahrhaftigkeit.

Ada: Und zu guter Letzt: Arbeiten Sie bereits an einem neuen Roman? Falls ja, können Sie uns schon verraten, worum es darin geht?

Stefan Beuse: Ja, ich arbeite an einem neuen Roman. Ich rede aber nie über unfertige Projekte, mit niemandem, um die Geister nicht zu vertreiben. Ich spreche nicht aus, was ich lieber in Text banne, aus Angst, dass die Seele dann verloren geht.

Herzlichen Dank an den Autor.