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Wann kommt der passende Zeitpunkt, von seiner sterbenden Frau Abschied zu nehmen? Enrique wartet verzweifelt auf diesen einen Moment und blickt ihm zugleich ängstlich entgegen.

Margaret ist unheilbar an Krebs erkrankt. Seit Monaten versucht sie, die Krankheit zu besiegen, doch die Chancen stehen schlecht. Während Enrique seine Frau pflegt, so oft wie möglich bei ihr ist und alles regelt, lässt er seine Ehe gedanklich Revue passieren. Er erzählt von dem überrollenden Moment ihrer ersten Begegnung, der unsagbaren Schönheit Margarets, aber auch von dem ermüdenden Alltag zwischen Arbeit und Kindern und dem stetigen Kampf um Anerkennung.
Enrique und Margaret scheinen wie füreinander gemacht und doch haben sie nie richtig zueinander gefunden – bis zu dem Punkt, an dem der Tod immer näher rückt…

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Rafael Yglesias erzählt auf sehr ehrliche Weise die Geschichte einer – nicht immer –  glücklichen Ehe. Schöne und erschütternde Momente werden so eindringlich beschrieben, dass man wie bei einer Achterbahnfahrt die Höhen und Tiefen der Beziehung verfolgt.

Während die Rückblenden in die Vergangenheit zu Beginn sehr energiegeladen und knisternd wirken, holen einen die Ereignisse der Gegenwart schnell in die Realität zurück. Margarets Krankheit ist zermürbend, nicht nur für Enrique, denn auch als Leser spürt man, wie ihre Kraft stetig nachlässt. Wo einst eine starke, fröhliche Frau mit schwingenden Beinen auf dem Sessel saß, liegt nun eine gebrechliche Gestalt reglos im Bett. Margarets Kampf berührt und gegen Ende wirkt er regelrecht schockierend. Doch während sie immer schwächer wird, gewinnt Enrique an innerer Stärke. Auch er will kämpfen – um das Leben seiner Frau und für eine gemeinsame Zukunft. Das möchte er so sehr, dass er sich im Laufe der Zeit selbst vergisst und vielleicht zum allerersten Mal das Wesentliche sieht…

„Glückliche Ehe“ ist ein autobiographischer Roman. Möglicherweise liegt es daran, dass das Erzählte so unverfälscht wirkt. Der junge Enrique kommt ebenso authentisch rüber wie der alte und die Gefühle zwischen den Zeilen finden auf starke Weise Ausdruck. Fröhlichkeit und Liebe, Frustration und Schmerz – all das liegt sehr nah beieinander und vermag den Leser zu fesseln. Am Ende saß ich da und dachte: Ja, genau so und nicht anders wirkt es echt.

Rafael Yglesias Geschichte berührt und macht einen traurig. Auf der anderen Seite schüttelt man seufzend den Kopf bei all der Sturheit und lächelt über die jungen Verliebten.
„Glückliche Ehe“ ist bunt und schwarz zugleich, doch am Ende findet man eine Wärme, die Ruhe ausstrahlt.

Eine Liebesgeschichte ohne Kitsch, die ich jedem Freund anspruchsvoller Literatur empfehlen möchte.

© Ada Mitsou

430 Seiten / 22,90 € ~ Klett-Cotta (15. Februar 2010) ~ ISBN: 3608937072

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