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Lustige Kinderbücher ohne Bilder?!

Das kann man sich kaum vorstellen! Wie gut, dass es Illustratoren gibt, die triste Buchstabenwelten für kleine Leser schöner machen.

Bilder: © DPA

Die in Hamburg lebende Katrin Engelking ist eine von diesen Zauberinnen und dürfte durch ihre Arbeiten bereits einigen Lesern bekannt sein. So hat sie z.B. der berühmten Pippi Langstrumpf ein neues Gesicht gegeben. Außerdem bebildert sie die Abenteuer der Kinder vom Möwenweg, gibt Einblicke in den Alltag vom kleinen Flo und lässt Tiere wie Kamele und Bären durch ihren Pinselstrich lebendig werden. Beispielbilder findet ihr im Anschluss an das nun folgende Interview.

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Ada: Wann entstand bei Ihnen der Wunsch, Illustratorin zu werden?

Katrin Engelking: Erzählende Bilder zu Geschichten habe ich immer schon gemalt.
Dass man so etwas beruflich machen kann, fand ich lange so unerreichbar wie Popstar zu werden.
Dass es den Studiengang „Illustration“ (in Hamburg an der HAW) gibt, habe ich erst kurz vor dem Abitur herausgefunden. Da wollte ich dann unbedingt Illustratorin werden. Bis dahin dachte ich, ich müsste Grafik-Design studieren und irgendwo in der Werbung arbeiten… wenigstens irgendwie kreativ.

Ada: Welche Vorraussetzungen muss man Ihrer Meinung nach für diesen Beruf mitbringen?

Katrin Engelking: Na ja, Talent für das Zeichnen und Malen sollte da sein. Und man muss Geduld und Sitzfleisch haben. So ein Auftrag kann schon mal Monate dauern, immer am selben Projekt, oft alleine – es sei denn, man hat einen Platz in einem Gemeinschaftsatelier.

Ada: Seit 1994 illustrieren Sie Kinderbücher aus dem Programm namenhafter Verlage, wie z.B. Oetinger und Ravensburger. Wie haben Sie es geschafft, in der Branche Fuß zu fassen?

Katrin Engelking: Ich hatte unglaubliches Glück und wurde im Studium (im 5. Semester) „entdeckt“. Wir hatten Semesterausstellung und viele Verleger und andere potentielle Auftraggeber eingeladen. Und ich bekam von Oetinger und von Ravensburger daraufhin jeweils einen Auftrag. Und danach hatte ich immer mehr Aufträge, als ich bearbeiten konnte.

Ada: Was passiert, nachdem Sie einen Auftrag angenommen haben?

Katrin Engelking: Zwischen dem Annehmen und dem Beginn der Arbeit daran vergehen meistens Monate… oder Jahre.
Aber wenn es dann losgeht, lese ich den Text durch wie ein Detektiv. Alles muss markiert werden, das irgendwie das Aussehen der Figuren oder der Umgebung betrifft. Denn es muss ja unbedingt alles in Text und Bild übereinstimmen.
Ich mache mir einen Plan, auf dem alle Seiten des Buches in klein skizziert sind. Beim gründlichen Lesen des Buches mache ich mir Notizen und erste Vorzeichnungen und markiere in dem Plan, an welche Stelle Bilder sollen. Dadurch habe ich den Überblick, ob die Bilder gleichmäßig verteilt sind.
Die Menge des freien Platzes für Bilder gibt der Verlag vor. Verteilen darf ich selber.

Ada: Wie entscheiden Sie zu welcher Textstelle Sie eine Illustration anfertigen?

Katrin Engelking: Die illustrierten Szenen sollten schon die Dreh- und Angelpunkte des Textes wiederspiegeln. Und am besten noch etwas darüber hinaus erzählen. Man versucht, eine möglichst effektvolle Stelle zu finden. Aber manchmal wären die Bilder dann eben ungerecht im Buch verteilt, so dass man auch nicht ganz so geliebte Bilder malen „muss“.

Ada: Setzen Sie sich immer zu festen Zeiten an Ihren Schreibtisch oder machen Sie Ihre Arbeitszeit von spontanen Ideen abhängig?

Katrin Engelking: Da ich zwei Kinder habe, die zur Schule gehen, habe ich genau die Schulzeit zum Arbeiten und abends noch ein bisschen. Da muss ich exakt dann kreativ sein und kann leider nicht auf die große Eingebung oder den kreativen Schub warten.

Ada: Unter Ihren Arbeiten befinden sich u.a. Werke von Astrid Lindgren und Kirsten Boie. Wie fühlt es sich an, die Bücher dieser beliebten Kinderbuchautoren zu bebildern?

Katrin Engelking: Es ist eine ganz große Ehre und ein Riesenspaß! Die Texte sind einfach gut und man kann sich voll und ganz damit identifizieren.

Ada: Haben Sie Pippi Langstrumpf selbst als Kind gelesen?

Katrin Engelking: Ja klar! Aber mein Lieblingsbuch von Astrid Lindgren war „Die Brüder Löwenherz“. Die witzigen Bücher habe ich zwar auch gelesen, aber je trauriger und melancholischer Bücher waren, um so lieber hatte ich sie.

Ada: Oft sind es Kinderbücher, die bebildert werden, wohingegen Romane für Erwachsene vorwiegend aus Text bestehen. In welches Erwachsenenbuch würden Sie gerne etwas Farbe bringen?

Katrin Engelking: „Die Vermessung der Welt“ wäre toll!  Oder ein Gedichtband mit Landschaftsbildern und Stillleben. So etwas male ich im Moment gar nicht… das wäre auch mal schön.

Ada: Und zu guter Letzt: Arbeiten Sie bereits an einem neuen Auftrag und können Sie uns verraten, worum es dabei geht?

Katrin Engelking: Im Moment arbeite ich an einem Kirsten-Boie-Buch und danach ist wieder Astrid  Lindgren dran. Mehr darf ich aber nicht verraten!

Herzlichen Dank, Frau Engelking!

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