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Ich muss gestehen, ich habe einen Hang zu Notizbüchern. Ich sammle sie seit meinem 12. Lebensjahr, was nicht unbedingt heißt, dass ich alle bis zur letzten Seite voll schreibe, aber es gelingt mir einfach nicht, an einem Laden vorbei zu gehen, wenn ich ein schönes Buch sehe. Natürlich nehme ich nicht jedes, sondern nur die, die mir gefallen und wie es der Zufall so wollte, fiel mir vor einigen Jahren bei einem Schreibwettbewerb ein besonders schönes in die Hände: das Blanko-Notizbuch von Moleskine.
Seit diesem Tag gilt meine Leidenschaft den schwarzen Büchlein und deshalb möchte ich ihnen heute einen Platz auf meiner Seite schenken.

(Anmerkung: Teile dieses Artikels habe ich bereits 2006 unter dem Namen „FrauFreitag“ veröffentlicht.)

Ein Notizbuch erobert die Welt

Anfang des 20. Jahrhunderts kursierten in der Künstler- und Literaturszene von Paris schwarze Notizbücher, die von einem kleinen Schreibwarenhändler in Tours verkauft wurden. Der Einband dieser Bücher bestand aus Moleskin (aus dem Englischen = Maulwurfshaut), wobei es sich um einen dunklen, wasserdichten Stoff handelte, der den Büchern noch heute ihren Namen gibt.

Der hohe Bekanntheitsgrad von Moleskine geht auf den englischen Autor Bruce Chatwin zurück, der die Tradition der Nutzung von Moleskine wieder aufnahm, diese in seinem Buch „Traumpfade“ (1987) ausführlich beschrieb und ihre Bedeutung mit folgender Aussage unterstrich:

„Meinen Pass zu verlieren, war die geringste meiner Sorgen, ein Notizbuch zu verlieren, bedeutet eine Katastrophe“.

Mit Bedauern musste Chatwin 1986 feststellen, dass der Vertrieb der Moleskine Notizbücher eingestellt worden war, da die Bezugsquelle in Tours nach dem Tod des Betreibers versiegt war.

Erst einige Jahre später ließ sich die italienische Firma Modo & Modo den Begriff Moleskine als Warenzeichen schützen und begann die Produktion wieder aufzunehmen. Bei den von ihr hergestellten Büchern handelt es sich anscheinend um die getreue Nachbildung von Chatwins Beschreibungen. Zudem wirbt die Firma damit, dass schon bekannte Künstler wie Hemingway, Wilde, van Gogh oder Matisse diese Bücher für ihre Notizen und Skizzen benutzt haben sollen. Links findet ihr dazu ein Bild von Picassos Notizbuch aus dem Jahre 1912, welches im Nationalmuseum von Paris ausgestellt wird.

Hergestellt werden die Bücher heutzutage nicht mehr in Frankreich, sondern in China und auch das Material des Einbands ist nicht mehr die berühmte moleskin, sondern ein Lederimitat (moleskine kommt aus dem Französischen und bedeutet „Englischleder“).
Diese Veränderung bei der Herstellung beeinträchtigt jedoch nicht die Qualität des Produkts, wie man es manchmal von anderen „Made in China“-Produkten kennt.

Durch den Kultstatus, den Moleskine Bücher mittlerweile genießen, ist sowohl die Vielfalt der Ausführungen als auch die Zahl der Imitate von verschiedenen Herstellern gestiegen. Das Spektrum reicht dabei von der billigen Kopie bis zum hochwertigen Produkt.

Ausführungen

Die Nutzungsmöglichkeiten sind  zahlreich. Es gibt:

  • linierte, karierte und blanke Notizbücher mit festem oder flexiblem Einband
  • Adressbücher
  • Kalender (eine Woche auf zwei Seiten oder ein Tag auf einer Seite)
  • Skizzenbücher (auch für Aquarelle)
  • Story Board Bücher zum Zeichnen von Comics oder Filmskizzen
  • ein Reportermodell (lässt sich nach oben aufklappen wie bei einem Reporterblock)
  • ein Musikbuch (mit entsprechenden Linien)
  • ein Reisebuch (mit Kategorien bezüglich der Qualität von Essen, Unterkunft und Sehenswürdigkeiten)
  • Städtebücher mit Karten
  • eine japanische Ausführung
  • ein Bookjournal (Lesetagebuch; gibt es allerdings auch für andere Leidenschaften wie Musik, Film, Wein etc.)
  • und letztlich ein Mappen-Buch mit sechs Fächern

Das kleine Extra

Jedem Moleskine sind kleine Extras beigefügt. In meinem ersten waren bunte Aufkleber in Briefmarkenoptik, auf denen Zitate berühmter Autoren abgedruckt sind. Im zweiten fand ich eine Postkarte.
Wer möchte, kann Zitate an eine E-Mail-Adresse schicken (diese ist auf dem Extra notiert) und sie später vielleicht auf einer Postkarte oder einem Aufkleber, die/der dem Buch beiliegt, wiederfinden.

Das Moleskine im Film

Wer die Bücher kennt, dem wird nicht entgangen sein, dass sie auch in Filmen hin und wieder zum Einsatz kommen, so z.B. für die Notizen des Kommissars in „Die Purpurnen Flüsse 2“, die Gedanken der Amelie in „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder als Tagebuch in „Shall we dance“. Sogar im „Tatort“ wurde ein Moleskine zur Profilerstellung eines Täters benutzt, der dieses Buch bei sich trug.
Weitere Filme: Der talentierte Mr. Ripley und Magnolia

Sechs Gründe, warum ich meine Moleskines liebe

  1. Der Einband ist schlicht, aber in meinen Augen sehr schick und robust.
  2. Ich mag die abgerundeten Ecken und das etwas gelbliche, feine Papier. Das sieht hübsch aus und es lässt sich prima drauf schreiben.
  3. Die Falttasche am Ende ist überaus praktisch, ebenso das Gummi zum Verschließen, zumal es nicht – wie bei manch anderem Notizbuch – ausleiert.
  4. Die verschiedenen Varianten erfüllen jeden Wunsch und sehen im Regal trotzdem schön einheitlich aus.
  5. Es hat ein Lesebändchen und der Kalender ein herausnehmbares Adressenverzeichnis.
  6. Ich liebe die kleinen Extras.

Zum Abschluss: Zitate berühmter Notizbuchschreiber

Mein Skizzenbuch beweist, dass ich versuche, die Dinge zu erfassen, während sie sich ereignen.
(Vincent van Gogh)

Ich reise nie ohne mein Notizbuch. Im Zug sollte man immer etwas Sensationelles zum Lesen dabei haben.
(Oscar Wilde)

In einem Hafen am Meer irgendwo im Süden, auf einem Weinfass sitzend, mache ich mir Notizen in einem echten Moleskine, einem Museumsstück, das Bruce (–> Chatwin) mir extra für diese Reise geschenkt hat.
(Luis Sepúlveda)

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