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Stephan Knösel, geboren 1970, ist eigentlich Drehbuchautor. Er hat Friedrich Anis Jugendroman Wie Licht schmeckt fürs Fernsehen adaptiert, historische Melodramen verfasst und schreibt momentan für die BR-Serie Dahoam is Dahoam.
Zwar hat der in München lebende Autor auch schon mal als Ghostwriter gearbeitet, doch sein Debütroman „Echte Cowboys“ erschien erst Anfang diesen Jahres im Beltz Verlag. In dem Buch geht es um Einsamkeit und Träume, aber auch um wahre Freundschaft und die erste Liebe. Drei Jugendliche, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, suchen nach ihrem persönlichen Glück, wobei sich ihre Wege kreuzen und im Laufe der Handlung auf schicksalhafte Weise verbinden.
Da „Echte Cowboys“ eins meiner Jugendbuch-Highlights in diesem Jahr ist, habe ich die Gelegenheit genutzt und dem Autor ein paar Fragen gestellt.

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Ada: „Echte Cowboys“ ist Ihr erster Roman, davor haben Sie vorwiegend Drehbücher geschrieben. Welche Art des Schreibens stellt für Sie eine größere Herausforderung dar?

Stephan Knösel: Der Roman. Weil man dafür einen längeren Atem braucht: Es ist eben schwerer, einen Marathon zu laufen als nur zehn Kilometer. Ich brauche mindestens ein Jahr, um einen Roman fertigzustellen, und die Gefahr, da den Überblick zu verlieren bei einer komplexen Geschichte, ist größer als bei einem normalen Fernsehdrehbuch für einen 90-Minuten-Film, an dem man in etwa vier Wochen pro Fassung schreibt.

Allerdings: Einen wirklich guten Film zu schreiben (in der Liga von „Die üblichen Verdächtigen“ z.B., oder „Sieben“, oder auch John Irvings Adaption seines Romans „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) ist natürlich auch eine Kunst. Vor allem die richtige Struktur zu finden, und man muss natürlich ein Händchen für Dialoge haben. Und den Ursprung, also die Idee zu einer Geschichte zu finden, ist wahrscheinlich in beiden Fällen gleich schwer. Aber beim Schreiben eines Drehbuchs wird man formal auch eingeschränkt und das macht es im Prinzip einfacher: Weil man eigentlich nur beschreiben darf, was man auf der Leinwand sieht und hört. Die ganzen Inneneinsichten, die es im Roman gibt, haben im Drehbuch nichts verloren – deswegen kann man sich beim Drehbuchschreiben „psychologisch“ auch mal durchbluffen, wo man beim Romanschreiben einfach die Karten auf den Tisch legen muss.

Ada: Warum haben Sie sich für das Genre Jugendbuch entschieden?

Stephan Knösel: Viele meiner Lieblingsbücher sind Jugendbücher, „Huckleberry Finn“, „Die Outsider“, „Ham on Rye“, um nur ein paar davon zu nennen. Aber ich habe mich beim Schreiben von „Echte Cowboys“ nicht bewusst für dieses Genre entschieden. Ich wollte einfach eine Geschichte über Freundschaft schreiben – den Beginn einer großen Freundschaft – und meine eigenen Freundschaften haben alle in meiner Kindheit bzw. Jugend angefangen.

Ada: In „Echte Cowboys“ spielen drei Teenager aus unterschiedlichen sozialen Milieus die Hauptrolle. Cosmo wohnt mit seiner Mutter in einer Hochhaussiedlung, Nathalie und Tom leben in einer schönen Gegend, wo jede Familie ein eigenes Haus mit Garten hat. Wie sah Ihre Recherche für die Geschichte aus?

Stephan Knösel: Ich kenne beide Milieus aus eigener (Kindheits-)Erfahrung. Und meine Söhne haben einen Kindergarten in einem sogenannten sozialen Brennpunkt besucht. Es gibt viele Vorurteile über die gegensätzlichen Milieus, viele Fehlurteile. Das ist etwas, das mich schon immer interessiert hat und immer noch nicht losgelassen hat. Diese beiden Milieus spielen auch in meinem nächsten Roman eine Rolle.

Ada: Die großen Themen des Romans – Freundschaft, erste Liebe und Einsamkeit – sind wahrscheinlich den meisten jungen Lesern vertraut. Haben Sie Erinnerungen an Ihre eigene Jugend in die Handlung einfließen lassen?

Stephan Knösel: Viele eigene Erinnerungen, z.B. der Vorfall im Einkaufszentrum am Anfang des Romans, der mich sicherlich geprägt hat als Kind, einsamer geht’s ja kaum noch: verprügelt und dann liegengelassen und von den Passanten nicht mal beachtet zu werden, und das Fazit, das ich damals für mich daraus gezogen habe: Erwachsene kannst du vergessen.  Aber es sind auch viele Erfahrungen von Freunden drin – z.B. der Abschiedsbrief an der Wohnungstür, mit der Bitte die Tür nicht zu öffnen, sondern die Polizei zu rufen. Mein Vorhaben war es auch, der Freundschaft an sich ein Denkmal zu setzen. Weil Freundschaft mich als Jugendlicher eben doch noch positiv geprägt hat. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre?

Ada: Haben Ihre Söhne „Echte Cowboys“ gelesen? Falls ja, wie hat es ihnen gefallen?

Stephan Knösel: Meine Söhne sind noch zu jung für das Buch. Aber ich bin selber schon sehr auf Ihre Reaktion in ein paar Jahren gespannt.

Ada: Was macht für Sie ein gutes Jugendbuch aus?

Stephan Knösel: Eine gute Geschichte. Die ein Herz hat. Die aufrichtig erzählt wird. In einer klaren Sprache. Und das gilt nicht nur für Jugendbücher, auch für „erwachsene“ Bücher.

Ada: Und zu guter Letzt: Wann wird Ihr neuer Roman voraussichtlich erscheinen und worum geht es darin?

Stephan Knösel: Ich hoffe, er wird rechtzeitig fertig, dass er im Herbst nächsten Jahres erscheint. Es ist eine abenteuerliche Geschichte von zwei entfremdeten Brüdern, die auf einmal um ihre Existenz kämpfen müssen und dabei wieder zueinander finden.

Herzlichen Dank, Herr Knösel!