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Horror, Science Fiction und Fantasy – drei Genres, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man, dass die Romane dieser Kategorien sehr wohl eine Gemeinsamkeit haben: Zwischen den Zeilen liegen Welten, die in der aktuellen Realität nicht existieren.
Furchterregende Kreaturen jagen einem Schauer über den Rücken, unvorstellbare Technologien ermöglichen es, unbekannte Planeten zu erforschen und magische Wesen helfen tollkühnen Helden ihre Mission zu erfüllen.
Um Zugang zu diesen Geschichten zu finden, muss man den nüchternen Blick auf das, was man als Wirklichkeit kennt, über den vertrauten Horizont hinaus lenken. Erst dann nimmt das Unvorstellbare Gestalt an und die beschriebenen Szenarien führen einen durch fantastische Welten.

Im Gegenzug dazu sind es meist ganz gewöhnliche Menschen, die sich all das ausdenken und niederschreiben. Sie alle haben eine Lebensgeschichte, eine Arbeit und Familien sowie alltägliche Sorgen und kleine Glücksmomente. Doch vor allen Dingen haben sie Talent und Fantasie – zwei wichtige Faktoren, die dem Leser solch literarische Reisen erst möglich machen.

Charlotte Kerner hat mit ihrer biografischen Anthologie „Die Fantastischen 6“ ein Buch herausgebracht, in dem sechs Großmeister der Science Fiction, Fantasy und des Horrors unter die Lupe genommen werden. Dabei stellen verschiedene Autoren einen besonderen Vertreter des jeweiligen Genres vor und erzählen auf 40 bis 50 Seiten, dessen Lebensgeschichte. Aufhänger dieser Geschichten bilden die bekanntesten Werke der Autoren:

  • Es – Stephen King ist der Meister des Schreckens
  • Blade Runner – Philip K. Dick wurde zum Kafka Amerikas
  • Solaris – Stanislaw Lem suchte die Zukunft
  • Der Herr der Ringe – J.R.R. Tolkien lebte für die Fantasie
  • Dracula – Bram Stoker machte einen Unsterblichen unsterblich
  • Frankenstein – Mary Shelley erschuf das berühmteste Monster

Ehrlich gesagt, ich war doch sehr verwundert, wie sehr mich die verschiedenen Lebensgeschichten in ihren Bann ziehen konnten, denn eigentlich lese ich höchst selten Romane aus den vorgestellten Genres. Die verschiedenen „Aufsatzschreiber“ schaffen es jedoch, ihre Begeisterung für die Schriftsteller und ihre Werke auf den Leser zu übertragen.
Auf anspruchsvolle Weise berichten sie, welche Menschen hinter den bekannten Titeln stecken. So werden nicht nur die wichtigsten Stationen auf deren Lebensweg prägnant zusammengefasst, sondern auch das ein oder andere Werk vorgestellt und hinterfragt. Kurze Inhaltsangaben machen neugierig und wecken den Wunsch, so bekannte Klassiker wie Dracula und Frankenstein endlich mal selbst zu lesen.

Zudem pusten die Brücken zur heutigen Zeit den Klassikern den Staub vom Rücken:
Wie schwierig ist es, ein so umfangreiches und komplexes Buch wie „Der Herr der Ringe“ möglichst werkgetreu au fdie Leinwand zu bringen? Und was hält der Autor selbst davon?
Warum faszinieren Vampire die Menschen so sehr, dass die Biss-Romane von Stephenie Meyer zahlreiche Leser in ihren Bann ziehen konnten?
Und wie kommt es, dass Außerirdische der Menschheit scheinbar stets etwas Böses wollen?
In „Die Fantastischen 6“ werden Antworten auf all diese Fragen gesucht.

Der Schreibstil variiert dabei: Manche Lebensgeschichten werden auf sehr subjektive, fesselnde Weise erzählt. Andere wiederum gleichen eher einem literaturwissenschaftlichen Aufsatz.
Trotzdem ist jede von ihnen höchst interessant. Der Leser erfährt Hintergrundwissen, ohne dass ihm der Kopf qualmt . Die Trockenheit der bloßen Aneinanderreihung von Daten bleibt außen vor, sodass man auf lebhafte, aber zugleich niveauvolle Weise einen Einblick in die Privatsphäre der großen Schriftsteller bekommt.
Lediglich hier und da gibt es kleine Längen, doch im Ganzen kann ich „Die Fantastischen 6“ als spannendes und doch lehrreiches Buch nur weiterempfehlen!

Altersempfehlung: ab 13-14 Jahren

© Ada Mitsou

296 Seiten / 18 € ~ Beltz (22. Februar 2010) ~ ISBN: 3407810709

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