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„Schlampen im Schlafsack“ ist der zweite Teil der geschilderten Reiseerlebnisse von Iris Bahr. Der erste Teil erschien 2007 unter dem Titel „Moomlatz oder wie ich versuchte in Asien meine Unschuld zu verlieren“ und handelt davon, wie die Schauspielerin und Kabarettistin  nach ihrem Dienst in der israelischen Armee eine Rucksacktour durch Asien macht, um dort endlich entjungfert zu werden.
Ich kenne den ersten Teil nicht, hatte aber trotzdem keine Probleme, mich in die Handlung des zweiten Teils einzufinden. Wer jedoch die ganze Geschichte der Iris Bahr erfahren möchte, sollte mit „Moomlatz“ anfangen – vielleicht auch, um herauszufinden, ob einem der direkte Schreibstil überhaupt zusagt.
Anbei: „Moomlatz“ bedeutet soviel wie „empfehlenswert“ und bezieht sich  u.a. auf die Unterkünfte, in denen die jüdische Autorin auf ihrer Reise Halt macht.

Iris ist wohlbehalten von ihrer Reise durch Asien zurückgekehrt und möchte nun an einer Elite-Universität in den USA studieren. Sie verspricht sich davon nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch DIE Begegnung mit Mr. Right. Das gestaltet sich allerdings weit schwieriger, als sie dachte: Die Sportskanonen sind unterbelichtet, die Hippies müffeln nach Bioessen  und die schwarzen Frauen würden sie vor Eifersucht am liebsten umbringen. Nach erfolgloser Suche beschließt Iris dem langweiligen Unileben zu entfliehen und zusammen mit ihrer Freundin für drei Monate durch Südamerika zu reisen.

Ihre Route führt sie von Peru über Ecuador bis Kolumbien und beinhaltet neben vereinzelten Schäferstündchen leider auch allerhand unliebsame Ereignisse. Doch Iris gibt die Hoffnung nicht auf und träumt von einer rosaroten Zukunft mit dem perfekten Mann. Was zunächst nur ein Traum ist, nimmt langsam Gestalt an, als sie Tamir kennenlernt: Der Israeli zieht Iris trotz seiner unmoralischen Vergangenheit sofort in seinen Bann. Allerdings hat die Sache einen Haken und der ist blond und kommt aus Australien: Tamirs Freundin…

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„Schlampen im Schlafsack“ – wieder so ein provokanter Titel, der Furchtbares erahnen lässt, doch ich muss gestehen, dass ich hinsichtlich dessen positiv überrascht war. Natürlich geht es um Sex und Brüste, Knackärsche und – leider – auch um allerlei Darmprobleme. Allerdings beschreibt Bahr die Vorgänge in meinen Augen weit weniger abstoßend als z.B. eine Charlotte Roche, wenn es auch ein bis zwei Episoden gibt, die mir persönlich einfach zu weit gingen und  die den Ekelfaktor hochschrauben. Diese Fehltritte machen jedoch glücklicherweise nicht die komplette Handlung aus.

Vordergründig plaudert Bahr darüber, welche Menschen ihr an der Uni begegnen,  wie sie sich auf Männerfang begibt und was diverse Drogenexperimente bei ihr auslösen. Abseits davon beschreibt sie aber auch, wie sie als Kind unter den Streitereien ihrer Eltern litt, was ihre Ängste sind und wie echte Freundschaften für sie sein müssen. Das allein sorgt zwar noch nicht für einen Roman mit Tiefgang, nimmt dem Erzählten jedoch ein wenig die Oberflächlichkeit.

Bahrs Reiseerlebnisse vermögen durchaus zu unterhalten. Das Geschriebene liest sich flüssig und schnell, der Ton ist umgangssprachlich und hier und da muss man über Bahrs ironisch-bissige Art grinsen. Da ich jedoch eher  subtileren Humor bevorzuge, wirken manche Witze auf mich einfach zu flach.

Alles in allem handelt es sich bei „Schlampen im Schlafsack“ um leichte Unterhaltung mit einer guten Prise bissigem Humor, allerdings auch vereinzelten Szenen, die ich persönlich nicht unbedingt lesen wollte.
Wer sich von dem Buch eine Art Reiseführer verspricht, wird enttäuscht sein, auch wenn man hier und da etwas über Südamerika und seine Landsleute erfährt. Vordergründig ist „Schlampen im Schlafsack“ jedoch einfach ein ziemlich persönlicher Reisebericht, der streckenweise einem Seelenstriptease gleicht, viel mit Stand-up Comedy gemeinsam hat und sich locker an ein bis zwei Nachmittagen runterlesen lässt.
Kann man lesen, muss man aber nicht.

© Ada Mitsou

272 Seiten / 16,95 € ~ Malik (August 2010) ~ ISBN: 3890297587