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2006 machte sich Jeannette Walls durch ihren autobiographischen Roman „Schloss aus Glas“ in Deutschland einen Namen als amerikanische Bestsellerautorin. In dem Buch erzählt sie von ihrer ungewöhnlichen Familie und den damit verbundenen schönen, aber auch erschütternden Momenten ihrer Kindheit.
Den vorliegenden Roman „Ein ungezähmtes Leben“ kann man inhaltlich als Vorgänger ihres Debütromans verstehen, da in dem Buch das Leben ihrer Großmutter Lily sowie deren Tochter Rose Mary, also Jeannettes Mutter, erzählt wird. Jeannette beruft sich dabei auf ihre eigenen Erinnerungen, die Erzählungen ihrer Mutter sowie die Erinnerungen von Verwandten und Fotos, von denen ein paar auch in dem Buch abgedruckt sind. Da sich die Autorin jedoch einen Teil der Geschichte selbst zusammenreimen musste, kann man „Ein ungezähmtes Leben“ laut eigener Aussage nicht als reine Biographie verstehen, sondern eher als Roman.

Anfang des 20. Jahrhunderts in Texas: Lily Casey ist schon in jungen Jahren ein toughes Mädchen. Mit wachem Verstand rettet sie ihre Geschwister vor Gefahren, packt auf der elterlichen Farm ordentlich mit an, reitet furchtlos wilde Pferde zu und ist zudem sehr wissbegierig. Durch ihre schnelle Auffassungsgabe bekommt sie bereits als Teenager eine Stelle als Lehrerin und scheut nicht davor zurück, alleine durch die USA zu reiten, um in den kleinsten Ortschaften zu unterrichten.
Obwohl Lily weiß, was sie will und ihren eigenen Kopf hat, erleidet sie auf ihrem Lebensweg immer wieder Enttäuschungen. Doch für sie ist das kein Grund, ihre Träume aufzugeben. Sie möchte unabhängig sein und irgendwann ihre eigene Farm besitzen. Auf dem Weg dahin nimmt sie Flugstunden, lernt wie man ein Auto fährt und begegnet letztlich auch dem Mann ihres Lebens…

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„Ein ungezähmtes Leben“ liest sich ein bisschen wie ein Western für Frauen.
Wo im Fernsehen unnahbare Cowboys durch die Prärie reiten und sich hin und wieder duellieren, reitet die furchtlose Lily durch ein staubiges Amerika, um Kindern beizubringen, ihren Verstand zu benutzen. Sie mag harte Arbeit, kämpft für ihre Träume und lässt nicht locker, diese auch zu verwirklichen. Ihre starke Persönlichkeit und ihre scharfe Zunge retten sie aus manch brenzliger Situation, sodass sie sich durchaus gegen die Männer der damaligen Zeit durchsetzen kann.
Während die feinen Damen ihre Zeit mit Mode vertrödeln, ist sich Lily für nichts zu schade. Ihr Ziel ist es, nicht als Ehefrau Socken zu stopfen und hübsch auszusehen, sondern ihre Freiheit zu genießen und ihren Verstand zu gebrauchen.
Trotzdem sieht man hier und da kleine Risse in der harten Schale, denn letztlich ist Lily eben doch auch eine Frau, die sich verliebt und leidet, ihre Familie umsorgt und Kinder bekommt.

Eines davon ist Rose Mary, Jeannette Walls Mutter. Auch sie ist zäh und dickköpfig, allerdings wesentlich romantischer als Lily. Sie liebt Tiere über alles, hegt eine Leidenschaft fürs Malen und lässt sich den Kopf von fremden Männern verdrehen.
Eben jene Rose Mary hat die Lebensgeschichte der Lily Casey an ihre Tochter weitergegeben. Die wiederum nahm das Leben ihrer Großmutter zum Anlass ein Buch darüber zu schreiben.

In einer sehr einfachen Sprache lässt Jeannette Walls den Leser durch Lilys Augen blicken und bringt ihm so deren Gedanken und Gefühle näher. Aufgrund des Stils und der kurzen Kapitel liest sich das Buch sehr schnell und es braucht nicht viele Gedankengänge, um das Gelesene aufzunehmen. In der Hinsicht handelt es sich also um leichte Kost.
Inhaltlich zeichnet Walls ein spannendes Portrait ihrer Großmutter, deren Leben sich durchaus aufregend liest. Gelangweilt habe ich mich an keiner Stelle, auch wenn sich manches wiederholt: Der Alltag auf der Farm, die Schlichtheit der Menschen in den Städtchen, Lilys Arbeit… Trotzdem gibt es hier und da unerwartete Wendungen, die das Blatt noch mal drehen.

Alles in allem habe ich „Ein ungezähmtes Leben“ gerne gelesen, allerdings hat der Roman keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Die Rolle der Frau in der damaligen Zeit wird zwar sehr gut dargestellt und die Landschaftsbeschreibungen sind sehr anschaulich, doch im Ganzen handelt es sich um ein Buch, das mich zwar kurzweilig und gut unterhalten hat, jedoch nicht allzu sehr in die Tiefe ging.

© Ada Mitsou

368 Seiten / 20 € ~ Hoffmann und Campe (18. Februar 2010) ~ ISBN: 345540250X

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