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Bibliophilin feiert derzeit einen Monat lang den Geburtstag ihres Blogs und veranstaltet aus diesem Anlass tolle Verlosungen. „Das Alphabet der Knochen“ habe ich bei ihr gewonnen und meine Rezension erschien auf ihrem Blog bereits als Gastrezension.

Dr. Murray Watson lehrt an der Universität von Glasgow englische Literatur. Schon als Jugendlicher war er fasziniert von dem Werk des relativ unbekannten Dichters Archie Lunan und möchte nun in einem Forschungsjahr ein Buch über dessen Leben und Werk schreiben.
Lunan, der bereits in jungen Jahren beim Segeln ums Leben kam, hat lediglich einen dünnen Gedichtband veröffentlicht und Watsons Recherche stellt sich als äußerst mühselig heraus: Bis auf ein Buch voller Namen und unbedeutende Kritzeleien gibt es nichts, was auf das Privatleben des Dichters schließen lässt. Doch Watson lässt nicht locker. Seine Suche führt ihn schließlich nach Lismore, einer Insel an der Westküste Schottlands. Dort soll Lunan seine letzten Tage verbracht haben und Christie, seine damalige Freundin, lebt immer noch dort.
Zunächst scheint es so, als wollten die Inselbewohner nicht über den Dichter sprechen und auch Christie entzieht sich Watsons Befragung. Doch nach und nach bringt seine Hartnäckigkeit Licht ins Dunkel, wodurch sich ein Netz aus Drogen, Alkohol und okkultem Aberglauben entspinnt…

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Von Louise Welshs Roman habe ich mir viel versprochen. Ich liebe Bücher, die sich um mysteriöse Schriftsteller drehen und wenn der Ort des Geschehens eine Insel mit rauem Klima und geheimnisvollen Bewohnern ist, wird mein Interesse sofort geweckt.
Doch leider stellte sich „Das Alphabet der Knochen“ als eine einzige Enttäuschung heraus! Allein die Zeit, die ich fürs Lesen gebraucht habe, spricht Bände. Zwei Wochen lag das Buch neben meinem Bett und vermochte mich nicht richtig zu fesseln.

Zunächst einmal wird Watsons Alltag beschrieben. Seitenlang dreht sich alles um seine Kollegen, das Verhältnis zu seinem Bruder, die Trostlosigkeit seines Privatlebens und die Affäre mit der Frau seines Vorgesetzten. Die Recherche bezüglich Lunans Leben tritt dabei vollkommen in den Hintergrund und dementsprechend flach bleibt auch der Spannungsbogen.  Offen gestanden habe ich mich 300 Seiten lang gelangweilt. Immer wenn sich eine scheinbar heiße Spur auftat, verlief diese im Nichts. Stattdessen wurden Watsons sexuelle Abenteuer und Nebensächlichkeiten ausschweifend beschrieben. Wie ermüdend!
Selbst der flüssige Schreibstil konnte da nichts mehr rausreißen.

Erst als Watson nach Lismore fährt, wird die Atmosphäre dichter. Die regnerischen Tage, einsame Cottages und unnahbare Inselbewohner erzeugen eine düstere Stimmung. Dennoch beschränkt sich auch hier der Inhalt auf Watsons ergebnislose Suche nach Fakten. Es gibt keine überraschenden Wendungen, keine Andeutungen, die den Leser fesseln und im Grunde ist man genauso klug wie zu Beginn des Buches. Welsh braucht sage und schreibe zwei Drittel des Romans, um endlich zum Punkt zu kommen. Erst auf den letzten hundert Seiten gewinnt das Erzählte an Fahrt und endet letztlich in einem Finale, das zwar actionreich ist, jedoch im Ganzen das Ruder nicht mehr rumreißen kann.

Kurz gesagt: „Das Alphabet der Knochen“ liest sich dröge, das Potential der Geschichte wurde gänzlich verschenkt und im Ganzen drehen sich 70 % der Handlung um Belanglosigkeiten und sexuelle Stelldicheins.
Wenn das – wie der Klappentext ankündigt – Welshs düsterster und unwiderstehlichster Roman sein soll, dann möchte ich ihre anderen Werke gar nicht erst zur Hand nehmen.

© Ada Mitsou

432 Seiten / 22 € ~ Kunstmann (28. Juni 2010) ~ ISBN: 3888976766

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