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Leserunden waren eigentlich nie so meins. Zwar habe ich schon mal an einer teilgenommen, doch das war eine der sogenannten Testleserunden und in erster Linie ging es mir dabei um das Buch. Die Gruppendiskussionen und das Erstellen eigener Beiträge und Kommentare war eher die Pflichtkür des Ganzen.

Ich empfand es als störend, immer nur einen bestimmten Abschnitt lesen zu dürfen, um danach zu pausieren, damit man im persönlichen Fazit nicht zuviel vorweg nimmt. Mich konnte ein Buch nur dann ganz für sich einnehmen, wenn ich vollkommen darin eintauchte und erst einige Stunden und viele Seiten später wieder den Kopf aus dem Literatursee reckte. Auf diese Weise konnte ich den Inhalt fühlen und alle enthaltenen Emotionen oder eben jene, die ich mit dem Inhalt verband, gingen in mich über.

Allerdings hat diese Vorgehensweise auch einen Nachteil: Man verschlingt das Buch förmlich und dabei kann es leider auch passieren, dass interessante Details an einem vorbeirauschen. Manchmal war ich einfach zu schnell für die Feinheiten, was ich an so mancher Rezension von anderen Lesern merkte.

Seit diesem Monat hat sich das Blatt gewendet. Zwar liebe ich den Rausch noch immer, doch neuerdings versuche ich mich in freiwilligen Leserunden. Ich diskutiere 1Q84 Abschnitt für Abschnitt mit meinen Murakami-Freundinnen und habe mich vollkommen ungezwungen bei der Klassikerleserunde zu Die Pest bei büchereule.de angemeldet. Das fühlt sich neu an und irgendwie auch viel besser, als ich früher immer dachte.

Durch die Einteilung kann ich mir beim Lesen Zeit lassen. Stück für Stück dringe ich in den Kern der Geschichte vor und lasse meiner Phantasie bezüglich der Interpretationsmöglichkeiten freien Lauf. Das Buch ist nicht mehr nur ein Ganzes, sondern es besteht aus vielen kleinen Fäden, die sich zu einem Ganzen verweben.
Die Beiträge der anderen Leser geben neue Impulse und lockern hier und da die gefestigte Meinung auf.

Und wenn mich doch wieder das Bedürfnis nach einem Buchrausch überkommt, kann ich ihn mühelos zwischen zwei Leserundenabschnitte einschieben.

Wie ist das bei euch?
Nehmt ihr gerne an Leserunden teil? Wo findet ihr Gleichgesinnte?
Oder seid ihr davon irgendwie genervt und lest ein Buch lieber ganz für euch allein im eigenen Tempo?

Das möchte ich gerne wissen…