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Mark Jischinskis Deutschlehrerin bat ihn vor 18 Jahren, niemals Schriftsteller zu werden. Gut, dass er nicht auf sie gehört hat, denn sonst wäre „Spatzenmuse“ wahrscheinlich nie entstanden. Den E-Mail-Roman schrieb er in Zusammenarbeit mit Ophelia Hansen, die bereits im zarten Alter von elf Jahren mit dem Schreiben begann. Leider landete ihr erstes Werk unvollendet in der Schublade, doch die Liebe zum Schreiben blieb.

Vor kurzem habe ich den Roman der beiden hier vorgestellt und zum Anlass genommen, ihnen ein paar Fragen zu stellen. Ich muss gestehen, dass ich mich auf dieses Interview besonders gefreut habe. Vielleicht weil mich „Spatzenmuse“ für ein paar Stunden von meinen gewohnten Lesepfaden weglocken konnte. Vielleicht aber auch, weil ich es sehr spannend finde, wenn zwei Autoren an einem Buch schreiben und unterschiedliche Fragen gemeinsam und doch unabhängig voneinander beantworten. Was dabei herauskam, könnt ihr hier nachlesen.

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Ada: Kanntet ihr euch schon vor eurem Buchprojekt?

Ophelia: Wir kannten uns fast gar nicht. Unsere geschriebenen Worte haben zueinander gefunden.

Mark: Bis zu unserem gemeinsamen Schreiben kannten wir uns nicht. Wir haben uns einmal getroffen, als Ophelia ein Buch von mir gekauft hat. Dadurch kamen wir ins Gespräch. Wahrscheinlich kennen sich Max und Carlotta besser als wir uns.

Ada: Wie kamt ihr zu der Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben?

Ophelia: Ich hatte Marks „Wunder sind weiblich“ gelesen und war davon so berührt, dass ich unbedingt mit ihm zusammen arbeiten wollte und zu
meiner großen Freude sagte er sofort „Ja“.

Mark: Wir haben ein wenig herum gesponnen und dabei kam uns die Idee, dass wir ein Schreibprojekt angehen könnten. In welchem Ausmaß das sein würde, stand zu Beginn überhaupt nicht fest. Dass es am Ende sogar ein Buch geworden ist, ist einfach nur toll.

Ada: Die Zusammenarbeit erfordert sicherlich ein gutes Organisationstalent. Wie sah der Arbeitsprozess bei euch aus: Habt ihr euch gegenseitig E-Mails geschickt, wodurch sich der Handlungsverlauf spontan entwickelte? Oder war es wichtig, dass ihr euch zusammengesetzt habt, um Ideen zu sammeln?

Ophelia: Das Buch entstand völlig spontan. Lediglich Carlottas erste Mail hatten wir kurz umrissen, der Rest war eine dynamische Entwicklung. Wir haben es sogar bewusst vermieden über die Charaktere oder das, was wir als nächstes mit ihnen vorhaben, zu sprechen.

Mark: Die Zeiten im Buch entsprechen denen der Realität. Wir haben uns in Echtzeit geschrieben und hatten vom jeweils anderen keine Information über die Figur. In dem Maße wie also Carlotta und Max einander kennenlernten, taten wir dies auch. Deshalb war es für Carlotta und Ophelia sicher eine große Überraschung, als Max endlich etwas mehr von sich preisgab. Und Carlotta konnte manchmal ganz schön nervig sein.

Ada: Einige Leser schreiben selbst und möchten gerne erfahren,wie Schriftsteller es geschafft haben, ihr Buch an den Verlag zu bringen. Wie war das bei euch?

Ophelia: Mark hat sehr gute Beziehungen zum Verlag, das war mein großes Glück.

Mark: Auch mein letztes Buch „Eine endliche Geschichte vom unendlichen Leben“ erschien im adakia Verlag. Deshalb hatten wir an der Stelle keine Probleme. Es ist ein kleiner Verlag, in dem alle mit Herz, Energie und Leidenschaft arbeiten. Vor allem Susan im Marketing wird nicht müde, die Welt von unserem Buch in Kenntnis zu setzen, ganz gleich, wie viele Rückschläge sie einstecken muss. Für ihre Arbeit sind wir ihr sehr dankbar.

Ada: Mark, von dir weiß ich, dass du bereits eigene Bücher veröffentlicht hast. Ist es einfacher alleine zu schreiben als mit jemand anderem zusammen?

Mark: Einfacher würde ich nicht sagen. Es ist komplett anders, weil die Dynamik nicht vorhersehbar ist und die Spannung immer wieder neu entsteht, schon wenn eine Mail im Postfach liegt. Die besondere Form des E-Mail-Romans ermöglicht es, sich den Ball immer wieder hin und her zu spielen, sodass das Erzähltempo fast von sich aus entsteht. Darüber hinaus ist es im Fall von Spatzenmuse ja tatsächlich so gewesen. Die Geschichte ist nicht vorher am Reißbrett entstanden. Deshalb sind die Reaktionen immer absolut echt. Wenn ich mir selbst etwas ausdenke, muss ich ja immer erst prüfen, ob das wirklich so sein kann und ob der gedachte Gegenüber wirklich so handeln würde. Bei einer Mail kann mich der andere Autor immer wieder überraschen.

Foto: Yvonne Jedamzik

Ada: Rein optisch wirkt ihr sehr unterschiedlich, was sehr gut zu den Buchcharakteren Carlotta und Max passt. Wie viel Persönlichkeit steckt von euch in den Romanfiguren?

Ophelia: Sicherlich so Einiges. Ich habe Carlotta beispielsweise meine Schuhsammlung geliehen :)
Aber es ist ja gerade das Spannende eine Person zu erfinden und zu sehen, wie sie sich entwickelt. Manchmal ist man mit ihr nicht einmal einer Meinung.

Mark: Ich glaube, dass jede Romanfigur geprägt ist von den Erfahrungen, Werten und Glaubenssätzen ihres Schöpfers. Ich bin also immer ein Teil von Max und er ein Teil von mir. Und trotzdem sind wir nicht gleich. Genau dieser Punkt ist aber auch ein wesentlicher Punkt bei der Faszination des Schreibens.

Ada: Besonders Carlottas quirliges Auftreten und das Zusammenspiel zwischen ihr und dem ruhigen Max hat die Leser begeistert. Doch wie geht ihr mit negativer Kritik um?

Ophelia: Zum einen ist es natürlich unser Baby und man möchte es vor jedem kritischen Wort schützen. Aber zum anderen ist es wohl unmöglich, etwas zu schreiben, was wirklich jedem gefällt. Ich freue mich über jedes positive Feedback, wovon es schon eine Menge gab, und letztlich ist es das, was zählt.

Mark: Ich würde die Kritik gern teilen. Eine Kritik nach dem subjektiven Empfinden eines Lesers kann ich ganz wertfrei hinnehmen. Jeder Leser hat Vorlieben und wir alle ticken nicht jeden Tag gleich. Der Roman kann deshalb unmöglich jedem gefallen. In der Folge ist mir sogar egal, wie niveauvoll die Kritik dargelegt wird.
Für ein Feedback, das handwerkliche Schwächen offenlegt, oder Dinge benennt, die ich beim nächsten Mal besser machen kann, bin ich dankbar.
Nicht zuletzt sollte wahrscheinlich jeder Autor eine gewisse Dickfelligkeit besitzen. Mit Kritik muss immer gerechnet werden. Im normalen Leben ist es ja auch nicht anders. Kritisiert wird immer gern. Das Lob geht den Menschen schwerer über die Lippen.

Ada: Das Ende von „Spatzenmuse“ lässt vermuten, dass es eine Fortsetzung des Romans geben wird. Im Internet habe ich aufgeschnappt, dass ihr bereits daran arbeitet. Ist an dem Gerücht etwas dran? Falls ja, wann wird das neue Buch voraussichtlich erscheinen?

Ophelia: Es stimmt, wir wollen die beiden noch nicht gehen lassen, dafür sind sie uns auch zu sehr ans Herz gewachsen. Aber über einen genauen Zeitpunkt kann man im Moment noch nicht sprechen.

Mark: Eine Fortsetzung ist in jedem Fall reizvoll. Doch ich finde es im Moment verfrüht, bereits über Termine zu reden. Lassen wir uns lieber überraschen, wohin es Carlotta und Max verschlägt, ob und wie sie zueinander finden oder ob und wie sie es nicht tun.

Vielen Dank euch beiden!