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Günther Jakobs wurde 1978 in Bad Neuenahr geboren. Nach dem Abitur studierte er Design an der FH Münster und arbeitet seit 2003 als freiberuflicher Illustrator.  Neben vielen Kinderbüchern, illustriert Jakobs auch Sachbücher. Außerdem lehrt er an der FH Münster Illustration und gibt auf seinem Blog interessante Einblicke in den Entstehungsprozess seiner Bilder.

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Ada: Hallo Herr Jakobs! Sie haben bereits zahlreiche Kinderbücher mit bunten Bildern gefüllt. Was begeistert Sie an diesem Genre besonders?

Günther Jakobs: Vor allem das Erfinden eigener Figuren und Bildkompositionen. Ich finde es faszinierend, wie unmittelbar Illustrationen auf den Betrachter wirken. Ein Bild kann dem Leser Emotionen und Stimmungen vermitteln, schon bevor er sich dem Text überhaupt zugewandt hat.

Ada: Gibt es ein Motiv, das sie besonders gerne zeichnen?

Günther Jakobs: Mir macht schon immer das Zeichnen anthropomorpher Tierfiguren großen Spaß. Gleichzeitig finde ich spektakuläre Perspektiven und ungewöhnliche Blickwinkel spannend.

Ada: Auf Ihrem Blog geben Sie den Lesern interessante Einblicke in Ihre Arbeitsweise. Ich habe den Eindruck, dass Sie verhältnismäßig selten mit speziellen Computerprogrammen arbeiten und stattdessen lieber zu Pinsel und Stift greifen. Mit welchem Werkzeug arbeiten Sie am liebsten?

Günther Jakobs: Momentan arbeite ich am liebsten mit Acrylfarbe. Sie hat den Vorteil, dass man sowohl „aquarellig“, lasierend mit viel Wasser, arbeiten kann, als auch deckend/pastos. Ich schätze auch die Farbintensität von Acrylfarbe, die ich so beim Aquarell selten erreiche.

Ada: „Willkommen in der Bücherei“ ist ein Sachbuch für Kinder, das auf spielerische Weise Informationen vermittelt. Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie ein Sachbuch, Märchen oder Abenteuergeschichten illustrieren?

Günther Jakobs: Grundsätzlich benötigt ein Sachbuch mehr Recherchearbeit. Viele ältere Sachbücher habe ich auch stilistisch von meinen erzählerischen Bilderbüchern abgegrenzt und mich oft für detaillierte Aquarell-Zeichnungen und für eine eher realistischere Darstellungsweise entschieden.
Nicht so bei „Willkommen in der Bücherei“, das stilistisch (Figuren, Farbigkeit, Strich) eher nach einem erzählenden Bilderbuch aussieht. Das macht es wahrscheinlich optisch lockerer. Schließlich soll das Buch kein reines Sachbuch sein, sondern hat auch einen fiktiven Strang, in dem die Geschichte der Kinder beim Büchereibesuch erzählt wird.

Ada: Passen Sie die Bilder dem Alter der kleinen Leser in einer bestimmten Form an?

Günther Jakobs: Sicherlich versuche ich, dem Lesealter gerecht zu werden. Damit eine Geschichte funktioniert, muss auch die Bildsprache dem Betrachter verständlich sein. Vereinfacht gesagt: Je jünger der Leser/die Leserin desto klarer die Bildsprache.

Ada: Sie illustrieren nicht nur Kinderbücher, sondern veranstalten auch Workshops, halten Vorträge und nehmen an Ausstellungen teil. Wie reagiert Ihr junges Publikum darauf? Ist es manchmal schwierig, die Informationen kindgerecht zu vermitteln?

Günther Jakobs: Ja, man muss sich immer wieder bewusst machen, mit wem man spricht. Man möchte natürlich die Zuhörer nicht unter- oder überfordern. Gleichzeitig freut es mich, wenn die Aktionen, die ich mache, junge und zugleich ältere Zuhörer anspricht.

Ada: Bald findet der Vorlesetag 2010 statt. An diesem Tag geht es vor allen Dingen darum, den Nachwuchs für Bücher zu begeistern und Kinderaugen mit bunten Geschichten zum Leuchten zu bringen. Welchen Stellenwert geben Sie Kinderbüchern in der heutigen Zeit?

Günther Jakobs: Selbstverständlich einen großen. Kinderbücher sind nicht nur zum erlernen sozialer und kultureller Kompetenzen wichtig, sie eröffnen uns eine Welt von Vorstellungen, Erfahrungen und Phantasie. Und vor allem: Sie machen Spaß (im Idealfall).

Ada: Haben Sie selbst auch schon mal jemandem vorgelesen?

Günther Jakobs: Ja, meinem Patenkind, meiner Nichte und neuerdings auch meinem kleinen Sohn.

Ada: Noch eine Frage zum Abschluss: Welches Kinderbuch möchten Sie den Lesern besonders ans Herz legen?

Günther Jakobs: Meinen Sie Bücher von mir oder allgemein? Ein toller Kinderbuchklassiker, den ich kürzlich für den Thienemann Verlag neu illustrieren durfte, ist „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen. Eine wahnsinnig humorvolle und spannende Geschichte.
Im Allgemeinen halte ich immer nach interessanten Illustratoren Ausschau. Und oft wird man in Frankreich fündig: Die Illustratorin Rebecca Dautremer hat zahlreiche hinreißende Bilderbücher gemacht. Das einzige, das bisher in deutsch erschienen ist, heißt „Prinzessinnen“. Klingt zunächst herkömmlich, ist tatsächlich aber alles andere als das. So dürften mehr Prinzessinnen-Bücher aussehen.

Vielen Dank, Herr Jakobs!

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