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Wenn Mama und Papa sich trennen

mit Illustrationen von Marc-Alexander Schulze

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Wenn Eltern sich trennen, steht die Welt des gemeinsamen Kindes erstmal Kopf. Ängste und Sorgen machen sich breit: Bin ich Schuld, dass sich Mama und Papa nicht mehr verstehen? Was kann ich tun, damit sie wieder lieb zueinander sind? Wann hören die Streitereien endlich auf? Und werde ich Papa wiedersehen, wenn er auszieht?

Auch dem kleinen Ole schwirren diese Gedanken durch den Kopf. Zuerst war alles ganz schön. Zwar haben sich die Eltern ab und zu gestritten, doch vor dem Schlafengehen war alles wieder gut. Eines Tages wird die Stimmung jedoch immer schlechter. Die Eltern streiten sich so laut, dass Ole nachts nicht schlafen kann und irgendwann reden die beiden gar nicht mehr miteinander.
Der Junge leidet darunter und wünscht sich, dass alles so wird wie früher, doch alle Hoffnungen werden zerschlagen, als Mama und Papa ihm erklären, dass Papa ausziehen wird. Von nun an sieht Ole seinen Vater nur noch am Wochenende.
Was sich zunächst sehr traurig und komisch anfühlt, wird nach und nach zur Gewohnheit. Und letztlich hat das neue Familienleben auch Vorteile: Mama und Ole bauen zusammen Piratenschiffe und schmeißen den Haushalt, während Papa und Ole zusammen Fußball spielen und in den Zoo gehen. Doch das Schönste ist, dass trotz der Trennung beide Elternteile für Ole da sind und ihn sehr lieb haben!

Der Verlauf von Oles Geschichte entspricht im wahrsten Sinne des Wortes einer Bilderbuchgeschichte. Der Anfang ist zwar furchtbar, doch letzten Endes wird alles gut. Oles Eltern bemühen sich, dass Ole die Trennung gut verkraftet und so erlebt der Junge schließlich doch noch ein Happy End.

Im echten Leben gestalten sich Trennungen sicherlich nicht immer so einfach. Manche Eltern sind emotional nicht in der Lage, respektvoll miteinander umzugehen. Verabredungen werden nicht eingehalten und die gemeinsamen Kinder kommen zu kurz. Wenn jedoch beide Elternteile dazu beitragen möchten, dass ihr Kind trotz Trennung glücklich wird, ist Harriet Grundmanns Geschichte sehr gut geeignet, dem Kind die Situation begreiflich zu machen und ihm zu vermitteln, dass es geliebt wird, auch wenn Mama und Papa nicht mehr zusammen sind.

Grundmann beschreibt die Vorgänge aus der Sicht des kleinen Ole. Seine Empfindungen stehen im Vordergrund und kommen in einer einfachen, aber sehr bildlichen Sprache zum Ausdruck. Das Schimpfen des Vaters hört sich für ihn wie Donnergrollen an, die Worte zwischen den Eltern sind schwarz wie die Nacht und Ole würde am liebsten Feuer spucken, so wütend macht ihn der ständige Lärm. Dann jedoch öffnet sich die Tür seines Herzens einen kleinen Spalt, als sein Vater ihm erklärt, dass er trotz der Trennung für ihn da ist und die Liebe seiner Mutter trägt die Farbe Rot und umhüllt ihn von Kopf bis Fuß wohlig warm.
Diese Beschreibungen vermitteln Oles Ängste und Sorgen, aber auch die neue Geborgenheit sehr gut und erschaffen Bilder im Kopf, die einen sich das, was eigentlich nicht greifbar ist, gut vorstellen lassen.

Die Illustrationen von Marc-Alexander Schulze leisten dabei eine gute Hilfestellung. Oles Gedanken nehmen Gestalt an, seine Empfindungen spiegeln sich in der Farbgebung wieder und die Gesichter der Familienmitglieder verdeutlichen die Stimmungen.
Die Bilder wirken sehr realistisch und familiär, sodass man durch den begrenzten Raum und den Perspektivenwechsel mitten im Geschehen ist und Oles Erlebnisse einen berühren.
Ich denke, dass sich Kinder in derselben Situation dadurch sehr gut mit Ole identifizieren können und vielleicht auch das Gefühl haben, mit dem Problem nicht alleine zu sein.

Auch für Eltern kann dieses Bilderbuch hilfreich sein, wird ihnen doch  verdeutlicht, was in ihrem Kind vorgeht und welches Verhalten dazu beitragen kann, dass es sich im Falle einer Trennung besser fühlt. Unterstützend dazu schreibt Ole am Ende des Buches eine Liste, was er sich von seinen Eltern wünscht und ein aufklappbares Nachwort eines Therapeuten fasst kurz zusammen, worauf es bei einer Trennung ankommt.

Alles in allem beschreibt „Wir sind immer für dich da“ sicherlich den Idealfall einer  elterlichen Trennung, denn so glatt wie in dem Buch wird es im Leben wahrscheinlich nicht ablaufen. Trotzdem bietet das Buch eine gute Hilfestellung für Eltern, die Hand in Hand daran arbeiten möchten, ihre Trennung für das gemeinsame Kind so schmerzlos wie möglich zu gestalten.
Text und Bild sind kindgerecht umgesetzt und verdeutlichen besonders gut die Ängste und Sorgen des Kindes. Zudem wird den Eltern eine Hilfestellung geboten, wie sie sich in der dargestellten Situation verhalten können, damit die Trennung gut verkraftet wird.
Für alle Betroffenen ist „Wir sind immer für dich da“ in meinen Augen also durchaus empfehlenswert!

Altersempfehlung: ab 4 Jahren

© Ada Mitsou

34 Seiten / 11,95 € ~ Coppenrath (Juni 2010) ~ ISBN: 3815795206

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