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Harriet Grundmann, Jahrgang 1969, wurde in Berlin geboren und wuchs in Büsum an der Nordsee zwischen Deichen und Möwengeschrei auf. Sie studierte Lehramt an Grund- und Hauptschulen sowie Kulturwissenschaften in Lüneburg und Barcelona und wandte sich schon früh ihrer Leidenschaft, dem Schreiben zu. Inzwischen hat sie rund vierzig Bücher für Kinder und Erwachsene in namhaften Verlagen veröffentlicht. Zudem bietet sie Kurse im Kreativen Schreiben an. Wenn Grundmann nicht gerade Geschichten erfindet, malt sie – am liebsten Bilder für ihre Edition Gute Geister.
(Quelle: Homepage der Autorin)

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Ada Mitsou: Wann entstand bei Ihnen der Wunsch Autorin zu werden?

Harriet Grundmann: Schon als Kind wollte ich Schriftstellerin werden. Ich habe sehr gern gelesen und früh angefangen, Gedichte und Geschichten zu schreiben. Nachts habe ich von den Geschichten geträumt und sie im Traum „weitergesponnen“…
Eines meiner ersten Gedichte handelt von einem Rettich, der in ein Klavier gefallen ist. Das Gedicht schaffte es gleich in die Schülerzeitung – darauf war ich sehr stolz.
Meine erste längere Geschichte entstand mit 10 Jahren. Sie hieß „Die kleine Stadt Melmeso“.

Bis ich mein erstes Buch veröffentlichen konnte, dauerte es noch einige Zeit.
Am Ende meines Studiums bewarb ich mich für ein Seminar für Nachwuchsautoren der Bertelsmann Stiftung. Ich reichte ein Exposé sowie die ersten zwei Kapitel für einen Jugendroman ein – und wurde zum Seminar eingeladen! Dort traf ich zum ersten Mal auf Lektoren und ca. zwölf andere Autoren. Das Seminar ging über mehrere Tage … wir arbeiteten an unseren Texten, tauschten uns aus, lernten mit Anregungen und Kritik umzugehen und erhielten wertvolles Wissen über den Buchmarkt. Für mich war dieses Seminar mein „beruflicher Urknall“. Ich erhielt Anerkennung für meine Art zu schreiben und spürte in der professionellen, kreativen Atmosphäre deutlich, dass ich das Schreiben zum Beruf machen wollte.

Dennoch ging ich erst den „sicheren Weg“ weiter: Ich machte mein Referendariat und schloss mein zweites Staatsexamen als Grund- und Hauptschullehrerin ab. Meine kreative Arbeit setzte ich fort: Ich entwickelte in dieser Zeit sehr viel Schulmaterial selbst. Die Arbeit mit den Kindern hat mir viel Spaß gemacht.
Dennoch wollte ich noch mehr kennen lernen und begann nach meinem Abschluss ein Text-Praktikum in einer Agentur. Im Anschluss daran arbeitete ich einige Jahre als Konzeptionerin und Texterin an verschiedenen kulturellen Projekten für Kinder und Jugendliche. Geschrieben habe ich in diesen Jahren weiterhin und schon im Referendariat erschien mein erstes Buch.
Inzwischen konnte das Schreiben mein Standbein werden, es sind 40 Bücher erschienen und ich genieße es, heute ausschließlich als Autorin zu arbeiten.

Ada Mitsou: Warum schreiben Sie bevorzugt Kinderbücher?

Harriet Grundmann: Ich mag Kinderbücher und es bringt mir einfach sehr viel Spaß für Kinder zu schreiben! Außerdem habe ich so viele Ideen und diese passen sehr gut in Kinderbücher…
Diese verbindet sogar etwas mit den sog. Geschenkbüchern, die ich für Erwachsene schreibe:
In beiden Buchgenres geht es darum, Geschichten auf den Punkt zu bringen. Eine kurze Geschichte so zu erzählen, dass mit wenigen Worten ein ganzes Universum an Ideen, Gefühlen spürbar wird… und zwischendrin genügend Raum bleibt für die Phantasie des Lesers. Gleichermaßen genieße ich es auch, längere, erzählerische Geschichten zu verfassen.
Ich bin wohl eher eine Vielschreiberin und habe Spaß an Geschichten für ganz unterschiedliche Buchformate.

Ada Mitsou: In „Wir sind immer für dich da“ geht es um ein schwieriges Thema: Die Trennung der Eltern und die damit verbundenen Ängste und Sorgen des Kindes. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Harriet Grundmann: Der Coppenrath Verlag fragte an, ob ich mir vorstellen könnte, eine Geschichte zu dem Thema zu entwickeln. Das konnte ich!
Das Thema „Trennung“ betrifft so viele Menschen! Auch meine Eltern haben sich getrennt als wir Kinder noch sehr jung waren. Mir war es wichtig eine Geschichte zu erzählen, die Mut macht – Kindern wie Eltern. Es hat darin das Gefühlschaos Platz – die Trauer, die Verwirrung, die Hoffnung, die Liebe. Den Gefühlen des Kindes, das noch nicht so gut über sich reden kann, wird Raum gegeben.
Und es wird gezeigt, was für das Kind auch nach der Trennung wichtig ist: Die erfahrbare Liebe beider Elternteile. Das Buch soll Kindern und Erwachsenen helfen, in einer sehr unübersichtlichen Zeit gemeinsam in eine Zukunft zu schauen, die für das Kind vorstellbar und auch gefühlsmäßig fassbar ist.

Ada Mitsou: Ist es für Sie schwieriger ein solch sensibles Thema in einem Text zu verarbeiten als beispielsweise Gute-Nacht-Geschichten zu schreiben?

Harriet Grundmann: Es ist ein anderer kreativer Prozess. Beim Buch „Wir sind immer für dich da“ gehörte eine fundierte Recherche dazu, Gespräche mit Betroffenen, Sachliteratur zum Thema. Dann der gefühlsmäßige Zugang. Und schließlich der künstlerische Prozess… in dem aus einem Mix aus Fakten, Gefühlen und Ideen eine richtig gute Geschichte entstehen soll. Das Gleichgewicht zu halten, das richtige Maß – dazu gehören dann auch so manche Überarbeitungen…
Und wenn die Illustration fertig ist, kommt die Abstimmung hinzu, Gespräche mit meiner Lektorin Jutta Knollmann über die Gestaltung von Text und Bild – bis die Geschichte zu dem „schweren“ Thema mit Klarheit und Leichtigkeit erzählt ist.
Bei meinem Buch „Komm mit ins Traumland“ (Ravensburger) konnte ich für die Gute-Nacht-Geschichte voll und ganz ins Reich der Phantasie hüpfen. Ich entwickle schreibend… überarbeite natürlich auch! Aber die Worte springen eher verspielt in die Geschichten hinein und ich folge ihnen einigermaßen erstaunt!

Ada Mitsou: Sie sind von Beruf Lehrerin. Lesen Sie Ihren Schülern ab und zu auch vor?

Harriet Grundmann: Ich arbeite ja nicht als Lehrerin. Allerdings werde ich oft von Schulen zu Lesungen eingeladen und das bringt mir immer einen Heidenspaß! Oft veranstalten wir hinterher gemeinsam Kreatives Schreiben. Ab 2011 werde ich dazu auch Kurse für Kinder und Erwachsene anbieten – eventuell auch an Schulen. Gut möglich, dass ich dann auch einige meiner Geschichten als Anlässe zum Kreativen Schreiben einsetze.

Ada Mitsou: Bekommen Sie von den Schülern und deren Eltern auch Feedback zu Ihren eigenen Büchern?

Harriet Grundmann: Ja! Das ist sehr wertvoll!! Die Kinder sind direkt und ehrlich. Mir bringt es besonders viel Spaß, wenn die Kinder durch meine Geschichten zum eigenen kreativen Tun angeregt werden – Geschichten erzählen, Malen, Schreiben. Bei meiner letzten Lesung wollten die Kinder einer zweiten Klasse spontan ein Theaterstück zum Buch entwickeln. Leider reichte die Zeit nicht und die Lehrerin musste die Aktion abblasen. Schade!

Ada Mitsou: Neben Kinderbüchern schreiben Sie auch Geschichten für Erwachsene. Dabei handelt es sich vorwiegend um illustrierte Geschenkbücher, die Bilderbüchern nicht unähnlich sind. Gibt es besondere Unterschiede zwischen den Arbeitsprozessen innerhalb der beiden Genres? Und glauben Sie, dass Erwachsene kritischer mit Ihren Texten umgehen als Kinder?

Harriet Grundmann: Die kreative Herangehensweise ist je nach Buchprojekt ganz unterschiedlich. Als ich z.B. das Buch „Ich liebt Du“ als Nachfolger für mein frei entstandenes Geschenkbuch „Ich sucht Du“ (beide bei HERDER erschienen) entwickeln sollte, wusste ich, dass es bestimmte Vorgaben im Format, Seitenzahl, Textmenge gab. Danach musste ich mich richten. Solche Vorgaben sind dann der Rahmen, in dem sich meine Ideen tummeln.
Vorgaben können auch Altersbegrenzungen sein (bei Pappbilderbüchern wie „Der Winter-Wunder-Weihnachtszauber“) oder die Menge an Sachinformationen wie bei meiner Lino-Buch-Reihe „Nele & Bob“ (beide erschienen im Coppenrath Verlag).
Für mich ist es ein kreativer Anreiz, bestimmte Vorgaben mit einzubauen. Es bringt mir sehr viel Spaß!
Zugleich arbeite ich parallel immer an völlig freien Geschichten. Da fällt mir plötzlich ein Name ein, eine Figur oder ein Geschichtenanfang. Ich schreibe los und schaue, wohin mich die Geschichte trägt. Meine Geschichten „Frau Machova wartet auf den Postmann“ und „Das fünfte Schaf“ (beide im Peter Hammer Verlag erschienen) sind beispielsweise so entstanden. Es sind Bilderbücher, die gleichermaßen in die Phantasiewelt von Kindern und Erwachsenen passen.

Ada Mitsou: Schreiben Sie momentan an einem neuen Buch und können Sie uns zum Abschluss verraten, worum es darin geht?

Harriet Grundmann: Ich schreibe an einer Fortsetzung für „Das fünfte Schaf“. Und ich verrate Ihnen natürlich nicht, worum es darin geht!

Herzlichen Dank für die aufschlussreichen Antworten, Frau Grundmann!

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