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„Zerbrechliche Dinge“ ist das erste Buch für Erwachsene, das ich von dem englischen Science-Fiction- und Fantasy-Autor Neil Gaiman gelesen habe. Bisher kannte ich nur „Coraline“ und die Verfilmung von „Sternwanderer“.
In vielen Rezensionen wird betont, dass der Kurzgeschichtenband vor allem für Fans interessant sein könnte. Ein Fan des Autors bin ich nicht, interessant finde ich das Buch trotzdem, zumindest teilweise.

Geschichten & Wunder

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„Zerbrechliche Dinge“ umfasst 14 Kurzgeschichten, deren Länge zwischen zwei und 70 Seiten variiert. Genau wie bei dem Umfang gibt es auch bezüglich der Qualität und des Inhalts Unterschiede.

In dem Buch werden verschiedene Genres zusammengeführt, wobei sich Gaiman der dafür typischen Elemente bedient: In den Science-Fiction-Geschichten geht es um Außerirdische und Computerprogramme. Die Kriminalgeschichten befassen sich mit der Aufklärung von Morden und Detektiven. Die Gruselgeschichten sind gefüllt mit unheimlichen Wäldern, verlassenen Häusern und Geistern. Und die Horrorgeschichten berichten von Zombies und menschenfressenden Damen.
Zwischen den Texten, die sich leicht zuordnen lassen, stecken auch solche, die einfach nur höchst merkwürdig und wundersam erscheinen.

Die Vielfalt an Themen konnte mich wunderbar unterhalten. Abgesehen von zwei bis drei Geschichten fand ich jede von ihnen auf ihre ganz eigene Art spannend. Unvorhergesehene Wendungen, düstere Vorahnungen und geheimnisvolle Zusammenhänge haben mich stets neugierig gemacht, wie sich die Handlung entwickelt, allerdings waren die Auflösungen nicht immer zu meiner Zufriedenheit. Wirken manche davon rund und schlüssig, haben mich andere etwas ratlos zurückgelassen. Der Sinn hat sich mir nicht immer erschlossen und hier und da war ich auch enttäuscht, da ich mir von dem Ende so mancher Begebenheit mehr versprochen hatte.

Andererseits macht vielleicht genau dieses Absurde die Anziehungskraft des Erzählten aus. Fantasy beruht eben auf Phantasie und lässt viel Raum für Spekulationen und nicht greifbare Vorgänge. Zudem hat mir die von Gaiman transportierte Atmosphäre in den meisten Geschichten sehr gut gefallen. Der Autor beherrscht es mit einer verhältnismäßig einfachen Sprache Stimmungen zu erzeugen, die einen gefangen nehmen. Besonders in den Grusel- und Kriminalgeschichten kommt dieses Talent sehr gut zum Ausdruck: Skurrile Gestalten, unheimliche Geräusche sowie kalte Gemäuer und düstere Landschaftsbilder regen das Kopfkino an.
In der Hinsicht war das Lesen ein wahres Vergnügen.

Doch leider enthält das Buch eben auch Geschichten, mit denen ich persönlich nicht viel anfangen konnte, da bei der Auflösung die zuvor aufgebaute Spannung rapide absank oder mir das Erzählte im Ganzen zu wirr erschien.

Zusammenfassend halte ich „Zerbrechliche Dinge“ durchaus für interessant. Gaiman entführt den Leser in ungewöhnliche und auch äußerst merkwürdige Welten, die einen zugleich faszinieren und verwirren können. Die Atmosphäre ist im wahrsten Sinne des Wortes phantastisch und die Vielfalt an Themen verspricht einen hohen Unterhaltungswert.
Allerdings finden sich in dem Buch auch Geschichten, die letztlich wegen ihrer Auflösung nicht richtig überzeugen können und die zuvor geschürten Erwartungen enttäuschen.
Fazit: Stilistisch ansprechend, inhaltlich durchwachsen.

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Die deutschsprachige Ausgabe wurde gegenüber der amerikanischen Originalausgabe neu zusammengestellt. Enthalten sind die Geschichten (Bewertung):

01. Kies auf der Straße der Erinnerung (***)
02. Verbotene Bräute gesichtsloser Sklaven im geheimen Haus der Nacht grausiger Gelüste (****)
03. Bitterer Kaffeesatz (***)
04. Gustav hat den Frack an (***)
05. Wie man auf Partys Mädchen anspricht (***)
06. Eine Studie in Smaragdgrün (****)
07. Die wahren Umstände im Fall des Verschwindens von Miss Finch (***)
08. Sonnenvogel (***)
09. Fressen und gefressen werden (***)
10. Virusproduzentenkrupp (*)
11. Goliath (**)
12. Oktober hat den Vorsitz (*****)
13. Der Herr des Tals (****)
14. Am Ende (***)

© Ada Mitsou

329 Seiten / 19,90 € ~ Klett-Cotta (Februar 2010) ~ ISBN: 3608938761

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