Schlagwörter

, , , , ,

Theo hat vor vielen Jahren seiner Heimat Griechenland den Rücken gekehrt und arbeitet nun als Holzfäller in Australien. Als ihn eines Tages die Nachricht erreicht, dass sein Bruder Yanni einen tödlichen Unfall hatte, macht sich Theo sofort auf den Weg nach Hause. Auch sein Vater stirbt kurz vor seiner Ankunft.

Mit der Reise kommen die Erinnerungen an damals wieder hoch: Vor 20 Jahren war Theo unsterblich in Tassia verliebt. Eigentlich wollten die beiden gemeinsam nach Australien auswandern, doch Tassias Vater Panaiotis war streng dagegen und verbat den beiden Liebenden den Umgang miteinander.
Heute ist Tassia zwar mit einem anderen verheiratet, doch das unsichtbare Band zwischen ihr und Theo ist trotz der räumlichen Trennung nie abgerissen.

Als Tassia eines Tages von ihrer Mutter Eleni ein schreckliches Familiengeheimnis erfährt, wendet sie sich vertrauensvoll an ihre Jugendliebe. Gemeinsam gehen sie Elenis Geschichte auf den Grund und geraten dabei in einen tödlichen Strudel, der bereits im Jahr 1944 seinen Auslöser fand und bis in die Gegenwart eine Spur aus verhängnisvollen Geheimnissen zieht…

~

Alex Jungs Debütroman ist vielversprechend. Zwar startet die Geschichte gemächlich und hat zunächst wenig mit einem Thriller gemeinsam, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto größer wird auch die Spannung und somit der Sog, weiterlesen zu wollen.

Bis Elenis Geheimnis ans Licht kommt, liest sich der Roman zunächst wie eine Familiengeschichte. Theo kehrt in seine Heimat zurück, taucht in das griechische Dorfleben ein und plagt sich mit den Erinnerungen an seine Jugend. Der Zwist mit Tassias und auch seinem eigenen Vater macht ihm zu schaffen, zugleich möchte er seiner Mutter in dieser schweren Zeit beistehen. Die Begegnung mit seiner Jugendliebe macht das Gefühlschaos perfekt.

In diesen Teil sowie auch in den Rest des Buches baut Jung immer wieder  Sätze auf Griechisch ein, die größtenteils  direkt übersetzt werden und den Schauplatz der Handlung sehr authentisch wirken lassen. Dennoch muss ich zugeben, dass mich „Meligala“ auf den ersten Seiten noch nicht richtig fesseln konnte. Jung beherrscht zwar die Kunst des Dialogschreibens und verleiht dem Geschriebenen mit seinen Wortgefechten ein hohes Maß an Lebendigkeit, doch die Geschichte selbst braucht ihre Zeit, um in Fahrt zu kommen. Zudem sind die Liebesszenen für meinen Geschmack etwas zu schwülstig und klischeehaft geraten.

Trotzdem war ich neugierig, inwiefern sich dieser etwas schleppende Anfang zu einem Thriller entwickeln könnte und meine Geduld wurde letztlich belohnt. Mit Elenis Geheimnis kommt der Stein endlich ins Rollen. Geheimnisvolle Theorien und spannende Wendungen finden ihren Platz in der Handlung. Hier und da ist der Verlauf ein wenig vorhersehbar, doch im Ganzen habe ich mich in der zweiten Hälfte des Buches nie gelangweilt.
Jung verknüpft die Gegenwart geschickt mit Griechenlands Historie und eröffnet dem Leser ein Thema, mit dem er bisher wahrscheinlich nicht in Berührung gekommen ist: Die Auseinandersetzungen der Linken und Rechten sowie dem Griechischen Bürgerkrieg in den 40er Jahren. Die Mischung aus Tatsachen und Fiktion macht neugierig auf das, was in der Nachkriegszeit wirklich in Griechenland geschah und verwandelt die Familiengeschichte in einen zwar nicht ganz typischen, aber durchaus spannenden Thriller.

Im Ganzen kann man „Meligala“ aufgrund kleiner Schwächen sicherlich noch nicht als perfekt bezeichnen. Dafür wirkt die ein oder andere Wendung ein wenig zu konstruiert und bestimmte Aspekte, wie z.B. die Tatsache, dass einige Haupt- und Nebencharaktere verwirrenderweise denselben Namen tragen, scheinen etwas unausgegoren. Trotzdem lässt Jungs Debüt darauf hoffen, dass seine zukünftigen Romane den Leser fesseln können. Das Potential dazu ist in meinen Augen auf jeden Fall da. Die Ideen des Autors, die gelungene Kombination aus Gegenwart und Historie sowie der Schreibstil verheißen Gutes. War ich zu Beginn noch skeptisch, konnte mich die fortschreitende Handlung in ihren Bann ziehen, weshalb ich rein vom Inhalt her zu einer vier Sterne Bewertung tendiere.

Warum ich dem Roman letztlich doch nur drei Sterne gegeben habe?
Weil ich ein Buch im Ganzen bewerte und an dieser Stelle anmerken möchte, dass der Verlag, was die Form von „Meligala“ betrifft, keine gute Arbeit geleistet hat. Das Buch strotzt nur so vor Zeichensetzungsfehlern. Manche Wörter sind gedoppelt, hier und da stimmt die Anzahl der Leerzeichen nicht und an vielen Stellen wirkt das Geschriebene wie ein Manuskript, das seitens des Verlags nur überflogen wurde.
Möglicherweise wurde eine Überarbeitung vor der Veröffentlichung nicht angeboten, doch ich wundere mich, wie ein Verlag, der eigentlich mit seriösen Konditionen arbeitet, ein Buch mit so vielen Fehlern auf den Markt bringen kann. Das wirkt unprofessionell und sorgt für einen Ruf, den man sicherlich schwer wieder los wird.
Im Internet kursieren Gerüchte, dass AAVAA bereits daran arbeitet, den Lektoratsservice zu verbessern. Sollte es weitere Auflagen von „Meligala“ geben, hoffe ich sehr, dass die vielen Fehler in einer neuen Bearbeitung behoben werden, denn der Roman selbst hat es verdient, in ansprechender Form dargeboten zu werden.

Fazit: Bei „Meligala“ handelt es sich inhaltlich um ein vielversprechendes Debüt. Zwar startet die Geschichte langsam, doch letztlich entwickelt sie sich zu einem spannenden Thriller, der mich gut unterhalten konnte. Das Interesse an den noch kommenden Romanen von Alex Jung wurde in mir auf jeden Fall geweckt!
Rein von der Form her gleicht das Buch jedoch eher einer Katastrophe.

© Ada Mitsou

405 Seiten / 9,95 € ~ AAVAA E-Book Verlag (28. März 2010) ~ ISBN: 3862540022

Advertisements