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Am 13. Oktober 1991 nehmen sich Vera und István gemeinsam das Leben. 18 Jahre später schreibt ihre Enkelin Johanna ein Buch darüber. Mithilfe von Zeitungsartikeln, Erzählungen von Familienmitgliedern und Freunden und natürlich ihrer eigenen Erinnerung versucht die junge Journalistin die Liebe und das Leben ihrer Großeltern, aber auch den Tag ihres Abschieds zu rekonstruieren.

Wie ein roter Faden zieht sich das Datum des Doppelselbstmordes durch das Buch. Minutiös beschreibt Johanna wie der letzte Tag im Leben ihrer Großeltern verlaufen sein könnte. Zwischen diese Sequenzen schiebt sie Ausschnitte ihrer Recherchen ein. So trifft sie z.B. Erzsi, Veras beste Freundin, die heute in den USA lebt. Sie besucht mit ihrem Vater die Gedenkstätte Mauthausen, wo früher ein Konzentrationslager war, in dem István mit unzähligen anderen Juden gefangen gehalten wurde. Und sie versucht sich an alles zu erinnern, was sie selbst als Kind mit den Großeltern erlebt hat.

Dabei zeichnet Johanna nicht nur ein interessantes Bild von der Zeit des Nationalsozialismus und dem Kommunismus in Ungarn, sondern schildert ihre ganz persönlichen Eindrücke von zwei ungewöhnlichen Menschen und ihrer Ehe.
Kitsch hat darin ebenso wenig Platz wie verklärte Sentimentalität. Im Gegenteil, das Geschriebene wirkte auf mich erstaunlich nüchtern und ehrlich. Veras launischer Perfektionismus kommt genauso ans Licht wie die Verschlossenheit Istváns, sodass man letztlich nicht nur fasziniert ist, sondern auch spürt, dass hinter dieser Lebensgeschichte zwei Menschen wie du und ich stecken.

Im Ganzen ist das Büchlein nicht nur spannend zu lesen, sondern regt mit der darin erzählten Geschichte auch zum Nachdenken an. Immer wieder habe ich kleine Pausen eingelegt, um etwas über die historischen Ereignisse zu recherchieren und war fasziniert von dem Einblick in die Privatsphäre des eigenwilligen Ehepaars. Trotz der ernsten Thematik lockern viele Momente voller Situationskomik das Geschriebene auf und geben dem Erzählten eine humorvolle Note.

Allerdings hat das Buch in meinen Augen auch ein, zwei kleine Schwachpunkte: Johanna springt in ihrer Erzählung zwischen Raum und Zeit hin und her, sodass man bei manchen Abschnitten (vor allem in der Gegenwart) erstmal sortieren muss, wo man sich gerade befindet. Zudem hätte sie für meinen Geschmack etwas mehr in die Tiefe gehen können. Vieles bleibt unbeantwortet, auch wenn die groben Zusammenhänge ersichtlich sind und man sich den Hintergrund selbst zusammenreimen kann.

In Hinsicht auf die Historie gibt „Eine exklusive Liebe“ einen sehr interessanten Gedankenanstoß. Zudem liest sich das Leben der Großeltern durchaus spannend und bisweilen auch humorvoll. Doch im Ganzen fehlt es mir ein wenig an Tiefe, sodass ich das Buch letztlich als durchaus gute, aber eben auch schnell zu lesende Nachmittagslektüre empfehle.

© Ada Mitsou

192 Seiten / 17,95 € ~ Luchterhand (16. Februar 2009) ~ ISBN: 3630872913

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