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Roboter, Klone, Vampire – solche Gestalten findet man auf meinem Blog höchst selten.
Mein Interesse an literarischen Zukunftsvisionen in Kombination mit Wissenschaft und Fantasy hielt sich bisher eher in Grenzen. Da ich es aber hin und wieder sehr spannend finde, einen Blick über den Rand meines Bücherregals zu wagen, stellte die Kurzgeschichten-Anthologie „Avatare, Roboter & andere Stellvertreter“, herausgegeben von Susanne O’Connell, eine passende Herausforderung für mich dar.
Please fasten your seatbelts – die Reise in ein mir unbekanntes Territorium beginnt…

Was würdest du tun, wenn du die Möglichkeit hättest, tagtäglich eine Art Doppelgänger zu deinem Arbeitsplatz zu schicken, während du selbst dich gemütlich zurücklehnen kannst? Und wäre deine Entscheidung dieselbe, wenn du wüsstest, dass dieser Doppelgänger irgendwann mit deiner Familie zu Abend isst?
Wie würdest du dich fühlen, wenn du immer wiederkehrende Visionen von ermordeten Frauen hättest?
Würdest du durchdrehen, wenn du eines Morgens ein Käferbein in deinem Ohr findest? Können Fotos den Lauf der Zeit einfrieren? Lohnt sich ein Pakt mit dem Teufel? Und was wäre, wenn du nach deinem Tod in einer Art Parallelwelt weiterlebtest?

All diese Fragen beschreiben nur einen kleinen Teil der Inhalte der 31 Kurzgeschichten, die Susanne O’Connell für ihre Anthologie gesammelt hat. Die Autoren waren mir abgesehen von wenigen Ausnahmen gänzlich unbekannt, trotzdem wirkt das Geschriebene in den meisten Fällen nicht laienhaft. Die Ideen sind zwar hier und da nicht neu, doch die Umsetzung ist durchaus ansprechend und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt worden.

Für mich war es erstaunlich, dass trotz der hohen Anzahl an Geschichten jede von ihnen einen neuen Ansatz zum Thema Stellvertreter bietet. Jede Idee in diesem Buch ist einzigartig und sorgt auf ihre eigene Weise für Unterhaltung. Allerdings lässt es sich bei so einer umfangreichen Sammlung auch nicht vermeiden, dass die Qualität der Beiträge schwankt.

Von den 31 Geschichten haben mir neun sehr gut gefallen. Die thematische Umsetzung konnte mich fesseln, der Schreibstil las sich flüssig und der Handlungsverlauf wirkte trotz des begrenzten Raums rund.
Dann gab es jedoch auch Geschichten, die mich nicht überzeugen konnten. Manche Texte lasen sich schleppend oder wirr und mir mangelte es an Spannung, sodass ich froh war, als ich am Ende angelangte.

An dieser Stelle hätte ich mir gewünscht, dass die Anzahl der Geschichten reduziert worden wäre, wodurch einige im Ansatz wirklich gute Geschichten mehr Platz zur Entfaltung bekommen hätten. Die Geschichten umfassen meist fünf bis 15 Seiten und für meinen Geschmack wurde die Wendung aufgrund des begrenzten Raums  hier und da zu schnell herbeigeführt. Bei einem größeren Seitenumfang hätten die Autoren das Potential ihrer Ideen vermutlich besser ausschöpfen können.

Nichtsdestotrotz bietet der Genre-Mix aus Science Fiction, Horror, Fantasy, Romantik und Märchen jedem interessierten Leser die passende Nische. Selbst ich, die eigentlich kein Fan der Thematik ist, habe viele Geschichten gefunden, die mich sehr gut unterhalten konnten, sodass sich für mein Empfinden gute und weniger gute Geschichten die Waage hielten.
Wahre Fans werden vermutlich begeistert sein und können sich bei „Avatare, Roboter & andere Stellvertreter“ an einer sehr gut ausgewählten und ideenreichen Sammlung von Kurzgeschichten erfreuen.

Empfehlenswert für all jene, die in die Thematik reinschnuppern wollen, oder bereits Fans der angesprochenen Genres sind.

© Ada Mitsou

300 Seiten / 15,80 € ~ Wendepunkt Verlag (27. September 2010) ~ ISBN: 3935841728

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