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Die Geschichte einer Freundschaft

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In dieses Buch taucht man hinein wie in eine Umarmung. Auf kleinstem Raum entfalten sich Wärme und Geborgenheit; man weint und lacht und manchmal nimmt einem die Nähe die Luft zum Atmen. Doch eines bleibt immer gleich: Inmitten der Berührung verliert man das Gefühl für die Zeit und verliert sich in dem Moment, der einen gefangen nimmt.
„Bridie und Finn“ ist voll von diesen besonderen Momenten, auch wenn der Anfang des Buches zunächst etwas anderes vermuten lässt…

1942 in einer Kleinstadt nahe New Jersey: Der zehnjährige Finn ist schockiert, als sich die neue Schülerin  ausgerechnet neben ihn setzt. Das Aussehen des kleinen Mädchens wirkt irgendwie schmutzig und ihr schwarzes Haar ist vollkommen verschnitten, doch viel schlimmer ist ihr vorlautes Mundwerk. Sie plappert munter drauf los und schert sich nicht darum, was ihre neuen Mitschüler oder die Nonnen der katholischen Grundschule darüber denken. „Nonnen hasse ich noch mehr als die Japse“, stellt sie sofort klar und schnell kommt Finn zu dem Entschluss, sich von dem Mädchen lieber fern zu halten.
Doch das ist gar nicht so einfach, denn nur wenige Tage nach Schulbeginn zieht Bridie ausgerechnet in Finns Straße und weicht ihm nicht mehr von der Seite…

Eben jene Straße, die Livery Street, ist wie eine eigene kleine Welt. Neben Finns Familie und Bridies Vater Laurie wohnt dort das jüdische Ehepaar Ganis, das sich rührend um Finn kümmert, die schreckliche Mrs. Cavanaugh, die Tag für Tag auf der Veranda sitzt und ständig ihren Senf dazugeben muss sowie die Familie Benlight, deren behinderte Tochter eine etwas unheimliche Wirkung auf die Kinder der Straße hat.
Erweitert man den Kreis auf das Schwarzenviertel und die Felder rings um die Kleinstadt, begegnen einem weitere Charaktere, die teilweise so liebenswürdig und auch etwas schrullig sind, das einem warm ums Herz wird.

Sie alle bilden die Umgebung, in der Finn und Bridie aufwachsen und sorgen für eine Atmosphäre, die herzlich und kratzbürstig zugleich ist. An jeder Ecke warten neue magische Momente, die selten vorhersehbar, aber stets aufregend sind und dem Geschriebenen eine ganz besondere Note verleihen.
Streckenweise fühlte ich mich während des Lesens an die Bücher von John Irving erinnert, auch wenn man die Handlungen letztlich nicht miteinander vergleichen kann.

Neben diesen liebevoll und auch etwas eigenwillig gezeichneten Figuren spielen Gefühle eine große Rolle. Schöne und traurige Momente wechseln sich ab, ohne dabei ins Kitschige überzugehen.
Man fühlt mit Finn, der ein etwas ängstlicher, aber auch sehr kluger und sensibler Junge ist. Genau wie ihm geht einem Bridie mit ihrer aufdringlichen Art manchmal ganz schön auf die Nerven und doch schließt man sie irgendwie ins Herz und muss hier und da über ihre Unbedarftheit schmunzeln. Finns Beziehung zu seinem älteren Bruder, der als Soldat in den Krieg zieht, ist rührend und der Wahnsinn, der Finns Mutter irgendwann packt, wirkt auf seine Art traurig und faszinierend zugleich.
Es ist schwer, die Besonderheiten des Romans in Worte zu fassen, ohne zuviel von der Handlung zu verraten. Die Magie geht hier vom Kleinen aus, das zusammengenommen etwas Großes entstehen lässt.

In „Bridie und Finn“ geht es nicht nur um ungewöhnliche Freundschaften, sondern auch um die indirekten Folgen des 2. Weltkriegs und das, was er aus glücklichen Familien machen kann. Es geht ums Erwachsenwerden, die erste Liebe und das Erkunden der Welt mit all ihren schönen und weniger schönen Seiten.
Leben und Tod liegen dicht beieinander und Cauley erschafft mit seinem Roman ein kleines Universum, das einen schnell verzaubert.

„Bridie und Finn“ ist wie eine warme Umarmung. Man kann sie nicht recht greifen, aber fühlen und eben jenes Gefühl macht die Wirkung des Romans aus.
Absolut empfehlenswert!

© Ada Mitsou

489 Seiten / 8,99 € ~ Knaur TB (1. Mai 2009) ~ ISBN: 3426500612

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