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Aus aktuellem Anlass möchte ich gerne mit euch darüber diskutieren, wie ihr mit negativer Kritik umgeht.

Erfahrungsgemäß kommt man als Literaturblogger mindestens einmal in die Verlegenheit, ein Buch rezensieren zu müssen, das einem nicht gut gefallen hat – sei es, weil der Schreibstil eine Katastrophe ist, das Geschriebene vor inhaltlichen und formalen Fehlern wimmelt oder einem die Thematik einfach nicht zusagt.

Ist es euch unangenehm eure Meinung dazu ehrlich zu äußern? Oder findet ihr es befreiend nach der unerfreulichen Lektüre mal richtig Dampf ablassen zu können?
Manche Blogger schreiben ausschließlich über Bücher, die ihnen gefallen haben. Käme diese Option für euch in Frage, um einer kritischen Meinungsäußerung aus dem Weg zu gehen?

Auch wenn es für einen Rezensenten manchmal schwierig sein kann, seine kritische Meinung offen zu äußern, so haben Autoren sicherlich mehr daran zu knabbern, eben jene Meinung zu ihrem Werk zu lesen.

In meinen Interviews stelle ich gerne die Frage, wie Autoren mit negativer Kritik umgehen. Gina Mayer geht mit einem Augenzwinkern an das Thema heran:

Ich ignoriere sie einfach. Was kümmert mich die Meinung der Leute? Überhaupt nicht. Ich könnte die Rezensenten würgen, treten, beißen und kratzen. Aber ich tu es nicht. Ich bin die Ruhe selbst. Schlechte Kritik lässt mich vollkommen kalt. (Das ist mein Mantra. Man muss es oft genug aufsagen, dann glaubt man irgendwann daran.)

Während Frau Mayer fast schon zu den alten Hasen der Schriftstellerei gehört, hat Ophelia Hansen im letzten Jahr ihr Debüt herausgebracht und sagt zu dem Thema folgendes:

Zum einen ist es natürlich unser Baby und man möchte es vor jedem kritischen Wort schützen. Aber zum anderen ist es wohl unmöglich, etwas zu schreiben, was wirklich jedem gefällt. Ich freue mich über jedes positive Feedback, wovon es schon eine Menge gab, und letztlich ist es das, was zählt.

Hansen richtet den Fokus vorrangig auf positive Kritiken, doch ihr Kollege Mark Jischinski kann auch der negativen Kritik etwas Gutes abgewinnen:

Ich würde die Kritik gern teilen. Eine Kritik nach dem subjektiven Empfinden eines Lesers kann ich ganz wertfrei hinnehmen. Jeder Leser hat Vorlieben und wir alle ticken nicht jeden Tag gleich. Der Roman kann deshalb unmöglich jedem gefallen. In der Folge ist mir sogar egal, wie niveauvoll die Kritik dargelegt wird.
Für ein Feedback, das handwerkliche Schwächen offenlegt, oder Dinge benennt, die ich beim nächsten Mal besser machen kann, bin ich dankbar.
Nicht zuletzt sollte wahrscheinlich jeder Autor eine gewisse Dickfelligkeit besitzen. Mit Kritik muss immer gerechnet werden. Im normalen Leben ist es ja auch nicht anders. Kritisiert wird immer gern. Das Lob geht den Menschen schwerer über die Lippen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit den Reaktionen von Autoren gemacht? Schreibt ihr vielleicht selbst und wart dadurch schon mal in einer Situation, in der ihr mit Kritik umgehen musstet?

Ich habe früher selbst geschrieben – nicht im großen Stil und abgesehen von kleinen Wettbewerbspreisen konnte ich damit nichts holen, doch ich habe meine Texte auf diversen Portalen und einem Blog online gestellt und mich somit der Meinung von Lesern ausgesetzt. Während mir das Lob runterging wie Öl, hat mich gerade in der ersten Zeit negative Kritik ziemlich gewurmt. Ich hatte das Gefühl, all mein Herzblut in die Texte zu legen und dann kommt jemand daher und sagt mir, dass er das Geschriebene zu weinerlich oder stilistisch unausgereift findet. Das saß erstmal, vor allen Dingen weil ich als Laie noch nicht recht begriffen hatte, dass es manchmal weniger um das, was ich sagen möchte, geht als um die Art, wie ich es sage.
Jetzt, mit dem nötigen Abstand und ein wenig Erfahrung mehr, kann ich eben jene Kritik von damals durchaus nachvollziehen. Würde ich heute noch schreiben, gäbe es sicherlich immer noch kleine Stiche im Herzen, wenn jemand meine Texte kritisieren würde, doch ich glaube, dass ich genau wie Mark auch etwas Positives herausziehen könnte.

Als Literaturbloggerin wünsche ich mir, dass auch die Autoren, deren Bücher ich negativ bewerte, etwas von meiner Kritik mitnehmen. Nicht weil ich mich kleines Bloglicht so wichtig nehme, sondern weil ich der Meinung bin, das konstruktive Kritik es Wert ist, wenigstens kurz darüber nachzudenken und für sich zu überprüfen, ob etwas dran sein könnte oder nicht. In dem Sinne bemühe ich mich (um auf den Ausgangspunkt dieses Posts zurückzukommen) nicht einfach drauflos zu schimpfen, sondern in angemessenem Ton meine ehrliche Kritik zu äußern.

Wie seht ihr das?

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