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Bernie Little hat es momentan nicht leicht im Leben. Der Privatdetektiv hält sich mit langweiligen Scheidungsfällen über Wasser, die Stimmung zwischen ihm und seiner Exfrau Leda ist überaus unterkühlt und er vermisst seinen Sohn Charlie, den er meistens nur am Wochenende sieht. Der einzige Lichtblick in Bernies Leben ist Chet, sein treuer Freund auf vier Pfoten, der seinem Herrchen nicht von der Seite weicht. Der Mischling liebt schnelle Spritztouren in Bernies altersschwachem Porsche und ist jederzeit bereit, den Privatdetektiv bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Als eines Tages die 15jährige Madison verschwindet und ihre Mutter Cynthia an Bernies Tür klopft, steht für die beiden schnell fest, dass dieser Fall anders ist als die anderen. Während die Polizei davon ausgeht, dass Madison ausgerissen ist, verfolgen Bernie und Chet eine heiße Spur, bei der es um Leben und Tod geht…

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Das Besondere an diesem Buch ist in meinen Augen nicht der Kriminalfall, sondern die Perspektive, aus der die Ereignisse geschildert werden. Chet plaudert aus seinem Hundeleben, versucht die menschlichen Gesten und Gesichtsausdrücke zu deuten und lässt sich von seinen tierischen Instinkten nicht nur leiten, sondern auch ablenken. Er ist äußerst vergesslich, aber mindestens genauso liebenswert und sorgt mit seiner etwas verwirrten Art für einige Schmunzler.

Humorvoll ist dieser Hundekrimi allemal. Allerdings finde ich es ratsam, den Fokus eher auf die ungewöhnliche Perspektive als auf den Fall selbst zu legen, denn der ist in meinen Augen recht leicht zu durchschauen und im Ganzen auch ein wenig nebensächlich. Der Leser ahnt bereits nach wenigen Seiten, was hinter Madisons Verschwinden steckt und auch Chet kommt schnell hinter das Geheimnis. Das Problem ist nur, dass er das, was er weiß, seinem Herrchen verklickern muss. Chet ist zwar ziemlich auf Zack, letztlich aber doch nur ein Hund, der des Sprechens nicht mächtig ist, wodurch seine Bemühungen für allerlei Missverständnisse sorgen. Als Leser könnte man an dieser Stelle schier verzweifeln, weil Bernie nicht viel davon versteht, was dem Leser und Chet längst sonnenklar ist. Zugleich macht dieser Umstand die Geschichte auch spannend.

Alles in allem ist „Bernie & Chet“ ein gelungener Auftakt zu einer ungewöhnlichen Krimiserie. Zwar lernt man den eigenwilligen Privatdetektiv Bernie und vor allen Dingen seinen treuen Vierbeiner Chet gut kennen, doch es bleiben noch genug Möglichkeiten, die Charaktere in den Folgebänden auszubauen. Die Perspektive, die Spencer Quinn gewählt hat, vermag vor allen Dingen Hundeliebhaber zu begeistern und sorgt für ein humorvolles Lesevergnügen. Krimifans könnten allerdings enttäuscht sein, da der vorliegende Fall zwar sehr actionreich und abenteuerlich ist, bezüglich der Zusammenhänge jedoch auch recht vorhersehbar.
Vielleicht kein Meisterwerk wie die Los Angeles Times ankündigt, dafür aber eine witzige und originelle Lektüre für lange Nachmittage.

© Ada Mitsou

352 Seiten / 19,99 € ~ Penhaligon (10. Januar 2011) ~ ISBN: 3764530707

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