Schlagwörter

, , , ,

Blick ins Buch
~

In einem beschaulichen Königreich lebt eine kleine Prinzessin, die nichts lieber tut, als in ihrem Märchenbuch zu lesen. Wahrlich heldenhaft werden die Figuren darin beschrieben und überaus spannend sind die Geschichten obendrein! Doch obwohl die Märchen so schön sind, stürzen sie die Prinzessin in großen Unmut. Niemand, wirklich niemand schreibt über sie und das obwohl sie doch als Prinzessin die besten Voraussetzungen mitbringt!

Um endlich die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihr zusteht, unternimmt die Prinzessin halsbrecherische Versuche: Sie küsst die hässlichsten Kröten, nascht vom süßesten Hexenhaus und platziert den berühmten goldenen Schuh gleich an zwei Stellen, damit der Prinz ihn auch ja findet…
Perfekt inszeniert stürzt sich die mutige Heldin von einem Abenteuer ins nächste und muss zu ihrem Leidwesen feststellen, dass das wahre Leben leider keine Märchen schreibt. Oder vielleicht doch? Denn eines Tages steht ein Prinz vor ihrer Tür – wenn auch auf ungewöhnliche Art…

~

Ein Märchen ohne Happy End gibt es nicht, doch wie jeder weiß, ist der Weg dahin beschwerlich und so muss auch die kleine Prinzessin allerhand Pleiten wegstecken, bevor sie ihr Glück findet. Susanne Straßer beschreibt diese Missgeschicke auf äußerst humorvolle Weise, sodass ich mehr als einmal schmunzeln musste.

Ich habe selten ein Bilderbuch gelesen, dessen Geschichte Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern kann, doch Straßer schafft es mit einem Augenzwinkern, dass sich nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Leser angesprochen fühlen.
Während Kinder vor allen Dingen an den farbenprächtigen und detailreichen Illustrationen ihre Freude haben werden, entdecken erwachsene Leser eine große Portion Ironie zwischen den Zeilen. Grimms Märchen werden hier ordentlich auf die Schippe genommen, was für mich ein amüsantes Vergnügen war, für Kinder jedoch nicht zu durchschauen sein dürfte.

Die Ironie wird kleine Zuhörer sicher nicht erreichen, doch zum Glück lässt der Text so viel Spielraum, dass die Geschichte trotzdem lustig ist. Ein bestimmtes Vorwissen ist dabei jedoch erforderlich, sodass man dieses eher moderne Märchen hervorragend mit Klassikern wie Rapunzel, Aschenputtel und den Bremer Stadtmusikanten verbinden kann. Ein Kind, das die klassischen Märchen nicht kennt, wird mit den Anspielungen des Bilderbuches wahrscheinlich nicht allzu viel anfangen können, da in meinen Augen dann die entscheidende Verbindung fehlt. Deshalb empfehle ich, erst Grimms Märchen zu lesen und danach „Das Märchen von der Prinzessin…“ zur Hand zu nehmen.

Doch allein die Illustrationen sind es wert, sich das Buch anzuschauen. Mithilfe verschiedener Techniken, die sich teilweise collagenartig zusammenfügen, erschafft Straßer eine quietschbunte, aber dennoch stilvolle Welt, in der es viel zu entdecken gibt und eine besondere Atmosphäre herrscht. Bild und Text fügen sich hier wunderbar zusammensammen.

Alles in allem ist „Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte“ ein wirklich schönes Bilderbuch, das Klein und Groß begeistern kann. Während Erwachsene besonders an dem Humor zwischen den Zeilen Freude haben werden, gibt es für Kinder in den großflächigen Illustrationen viel zu bestaunen. Ich bin  überaus begeistert, auch wenn ich hinsichtlich der Wirkung des Textes auf Kinder einen halben Stern abziehe.

Altersempfehlung: ab 5 Jahren

© Ada Mitsou

40 Seiten / 14,90 € ~ Hinstorff Verlag (10. Juni 2010) ~ ISBN: 3356013904

Advertisements