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„Voyeur“ habe ich bereits im letzten Jahr angefangen zu lesen, doch nach nur 50 Seiten habe ich es wieder zur Seite gelegt, weil mich die Schreibweise und Handlung nicht fesseln konnten. Da ich aber den meisten abgebrochenen Büchern eine zweite Chance gebe, habe ich es nun erneut zur Hand genommen, wobei sich auch diesmal keine Begeisterung einstellen wollte.

Dabei ist die Idee hinter Becketts Debütroman gar nicht schlecht: Donald Ramsey, ein in die Jahre gekommener Galerist, ist vollkommen fasziniert von seiner jungen Assistentin Anna. Seit er sie zufällig beim Umziehen beobachtet hat, ist er besessen von ihrer Schönheit und unwiderstehlichen Ausstrahlung. Allerdings gibt es ein Problem: Annas Freund Marty ist in Donalds Augen so gewöhnlich und unscheinbar, dass der Galerist es nicht erträgt, ihn an Annas Seite zu wissen. Um Marty loszuwerden, engagiert er Zeppo, einen gut aussehenden Dressman, der Anna verführen und somit die Beziehung zwischen ihr und ihrem Freund zerstören soll. Was zunächst noch recht harmlos wirkt, mündet in einem abgebrühten Schauspiel, bei dem Donald Regie führt – bis er langsam aber sicher die Kontrolle verliert…

Aus diesem Plot hätte man viel machen können. Wie der Klappentext bereits verrät, beinhaltet „Voyeur“ einige Zutaten, die einen Thriller ausmachen: Besessenheit, einen Schuss Erotik, die Vorspiegelung falscher Tatsachen und letztlich sogar einen Mord. Doch Beckett hat es in meinen Augen nicht verstanden, diese Zutaten überzeugend zu nutzen.

Anders als man es von seinen neueren Werken kennt, ist der Spannungsbogen in dem vorliegenden Buch sehr flach. Manche Szenen ziehen sich wie Kaugummi, sodass die zuvor aufgebaute Spannung immer wieder ausgebremst wird. Beckett reizt die Wendungen innerhalb der Handlung so sehr aus, dass sie ihre Wirkung mit jeder weiteren Seite verlieren.
Zudem nimmt eine unbedeutende Nebenfigur gegen Ende des Romans so viel Raum ein, dass man getrost ein paar Seiten überfliegen kann. Sie ist einfach überflüssig und trägt nichts zur Entwicklung der Geschichte bei, wodurch beim Leser eine Ungeduld aufkommt, die leider wenig mit Spannung gemeinsam hat.
Kurz gesagt: Der Roman beinhaltet durchaus ein paar interessante Wendungen, doch für einen aufregenden Thriller zieht sich die Handlung einfach zu sehr. Es entsteht ein Leerlauf, der den Leser langweilt.

Auch die erotischen Aspekte, die Beckett im Vorwort ankündigt, konnten mich nicht überzeugen. Seine Beschreibungen erreichen für mich zwar nicht die Schmerzgrenze, finden jedoch eher in plumpen Bemerkungen Ausdruck als in stilvollem erotischen Knistern. Das passt zwar sehr gut zu der Figur Zeppo und wirkt in dem Zusammenhang auch authentisch, doch eine prickelnde Atmosphäre will sich einfach nicht einstellen.

Nichtsdestotrotz – und dadurch begründen sich auch die zwei Sterne – gibt es in „Voyeur“ Passagen, die mich gefesselt haben. An diesen Stellen wirkt das Geschriebene flüssig und streckenweise auch spannend. Doch leider hat Beckett diese Ansätze nicht genutzt, wodurch „Voyeur“ im Ganzen auf einen recht zähen und zum Teil auch belanglosen Roman reduziert wird.  Meiner Meinung nach handelt es sich hier um den schlechtesten „Thriller“ des Autors, weswegen ich an dieser Stelle keine Empfehlung aussprechen möchte.

© Ada Mitsou

381 Seiten / 9,95 € ~ rororo (1. April 2010) ~ ISBN: 9783499249174

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