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Mihály und Erzsi sind gerade auf Hochzeitsreise in Italien, als die beiden sich nicht ganz zufällig aus den Augen verlieren. Während seine Frau die Reise genießt, plagen Mihály düstere Erinnerungen an seine Jugend. Einer seiner Freunde hat sich vor vielen Jahren umgebracht, doch der Rest der Jugendclique soll wohlauf sein. Von Angst und Hoffnung getrieben reist der beinahe mittellose Ungar allein durch Italien und begibt sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Dabei kämpft er nicht nur mit Erschöpfungszuständen, sondern vor allem mit einer Todessehnsucht, die scheinbar nichts und niemand stillen kann…

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„Reise im Mondlicht“ ist ein Roman, der mit interessanten Aspekten aufwarten kann.

Durch Szerbs bildhafte Sprache gleicht das Geschriebene einem Reisebericht, der dem Leser die Atmosphäre Italiens näher bringt.  Dieses Land, das so reich an Temperament und Wärme ist, nimmt den Protagonisten gefangen und zieht ihn zugleich in ein Wechselbad aus angenehmem Laissez-faire und düsteren Gedanken. Mihály genießt die italienische Natur und den Wein, doch genauso intensiv spürt er die mystische Bedrohung, die von den verwinkelten Gassen ausgeht.
Er verirrt sich bei nächtlichen Spaziergängen, fühlt sich von dunklen Schatten verfolgt und ringt in diesen Momenten mit einer unwiderstehlichen Todessehnsucht. Die Untergangsstimmung begleitet ihn bereits seit seiner Jugend. Sie kommt und geht wie Ebbe und Flut und droht ihn zu überrollen, bevor sich der Sturm im nächsten Moment in eine wohltuende Brise verwandelt.

Geografie und Gemütslage verkörpern eine Gegensätzlichkeit, die auch bei den Romanfiguren zum Ausdruck kommt. Manche von ihnen nehmen bloß kleine Nebenrollen ein, andere hingegen bestimmen die Handlung, indem Mihály sie durch seine Erinnerung zum Leben erweckt – auch die Toten. Der schwermütige Tamas, Mihálys Jugendfreund, hat Selbstmord begangen, seine Schwester Eva ist das Sinnbild der Verführung, wohingegen Erzsi, Mihálys Angetraute, die Verkörperung der Bodenständigkeit ist. Sie soll Mihály auf den rechten Weg bringen und ihn seine düsteren Gedanken und Hirngespinste vergessen lassen.

Doch wie so oft im Leben kommen Geist und Herz nicht eher zur Ruhe, bis die Vergangenheit aufgearbeitet wurde und der Mensch mit sich selbst Frieden schließen kann. Der Weg dahin ist verwirrend, geradezu aufwühlend und bringt einen an die Grenzen der eigenen Kräfte. Auch Mihály lernt seine Grenzen kennen. Er wandelt mehr als einmal am Abgrund und schaut schließlich hinein, um sich selbst zu erkennen. Der Leser ist ihm dabei ein stiller Begleiter.

Mir hat es gefallen, den Ungarn bei seiner Reise zu begleiten, weil ich Bücher, in denen es um Selbstfindung und verworrene Seelenzustände geht, mag. Das Geschriebene wirkt moderner als man es von einem Roman, der 1937 veröffentlicht wurde, erwarten könnte und viele Elemente des Schauerromans verleihen dem Erzählten eine besondere, düstere Atmosphäre. Zudem heben Ausflüge in die Religionswissenschaft und Philosophie das literarische Niveau.
Allerdings beinhaltet das Buch auch Passagen, die meinen Lesefluss gebremst haben. An diesen Stellen stockten die Worte, die sonst an meinem inneren Auge vorbeirauschten und die Motivation, den Roman in einem durchzulesen, verebbte, sodass mich die Geschichte leider nicht immer fesseln konnte.
Abgesehen davon halte ich „Reise im Mondlicht“ jedoch für empfehlenswert, da sowohl die sprachlichen Bilder als auch die Symbolik den Roman sehr interessant machen.

© Ada Mitsou

260 Seiten / 14 € ~ dtv (1. Dezember 2003) ~ ISBN: 978-3423243704

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